Vogel des Jahres

Ehrung für eine Schnepfe

Rar in der Region: Die Bekassine.

Rar in der Region: Die Bekassine.

Hannover. Das Jahr 2013 wirft seine Schatten voraus, jedenfalls, was das weite und spannende Feld der Ornithologie angeht. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat jetzt die Bekassine zum Vogel des Jahres ernannt und damit zum Nachfolger der Dohle, die den Titel derzeit trägt. Sie gehört zu den Schnepfen und damit zu einer Vogelfamilie mit einem etwas zweifelhaften Leumund: Besserwisserische oder eingebildete Frauen werden oft als Schnepfen bezeichnet, was die Bekassine zum Glück nicht weiß. Außerdem hat sie andere Sorgen.

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„Bekassinen sind vom Aussterben bedroht, weil ihr Lebensraum zerstört wird“, sagt Dieter Wendt, Ornithologe beim NABU in Hannover. Der taubengroße, beigebraun gefiederte Vogel mit dem charakteristischen langen Stocherschnabel braucht Moorgebiete und Feuchtwiesen. Solche Räume wurden in der Vergangenheit großflächig trockengelegt, weshalb sich der Bestand an Brutpaaren bei den Bekassinen in den vergangenen 20 Jahren bundesweit auf ungefähr 6000 halbiert hat.

Wer in der Region Hannover zuverlässig Bekassinen sehen will, muss in die Meerbruchswiesen bei Winzlar im Westen des Steinhuder Meeres gehen. „Es ist das einzige Gebiet im Umkreis, in dem die Vögel noch brüten“, sagt Wendt. Im Spätherbst, wenn sie Richtung Mittelmeer zum Überwintern ziehen, tauchen Einzelexemplare auch mal in der südlichen Leineaue oder auf den Feuchtwiesen am Tiergarten auf - allerdings nur bei hohem Wasserstand.

Früher war das anders. Noch in den siebziger Jahren haben die Vogelkundler auch brütende Bekassinen etwa in den Wülfeler Wiesen am Stadtrand von Hannover entdeckt. Dass sie von solchen und anderen Standorten verschwunden sind, hat nicht nur mit Entwässerung und Grünlandumbruch zu tun, sondern auch mit der Jagd. Man hat sich einst gerne eine Schnepfe in die Bratröhre geschoben, wobei, wie zeitgenössische Rezepte empfehlen, „der Schnabel durch beide Schlegel zu stechen sei“. Mittlerweile sind Bekassinen in Deutschland streng geschützt, und der NABU verbindet mit dem Titel Vogel des Jahres für sie auch die Aufforderung, Moore und Feuchtwiesen zu erhalten.

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Warum die Schnepfen ihren Namen als Schmähung für Frauenzimmer hergeben müssen, weiß Wendt nicht im Detail. Eine mögliche Erklärung ist, dass sie diese zweifelhafte Ehre mit den Ziegen teilen. Wegen ihres meckernden Geräusches beim Balzflug nennt man Bekassinen auch Himmelsziegen. Eine andere Erklärung liegt in ihrem Schreckensruf. Der hört sich an wie „ätsch“, und auch das klingt ja irgendwie zickig und eingebildet.

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