Keine Schneefanggitter-Pflicht

Eigentümer haften nicht für Dachlawinen

Mitte Januar, es lag viel Schnee in Hannover, wollte Heike G. morgens in der Gretchenstraße in ihren Land Rover steigen. Aber sie konnte kaum fassen, was sie sah: Auf ihren Wagen war eine Schneelawine gekracht, diese hatte Windschutzscheibe und Motorhaube demoliert. Die Frau verlangte von dem hannoverschen Geschäftsmann, dem das Haus mit einem ungewöhnlichen Dach gehört, 3500 Euro für die Reparatur. Das Geld wollte dieser aber nicht zahlen, deshalb verklagte sie ihn auf Zahlung von Schadenersatz.

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In der mündlichen Verhandlung am Mittwoch machte Zivilrichter Igor Ziegele deutlich, dass den Hausbesitzer keine Schuld an der Dachlawine trifft und er deshalb auch nicht zahlen muss. In Hannover gebe es keine Pflicht für Eigentümer von Gebäuden, Schneefanggitter anzubringen, argumentierte der Richter. Außerdem trage jeder Verkehrsteilnehmer selbst dafür die Verantwortung, wo er sein Fahrzeug parke, meinte Ziegele. „Ich muss zu dem Ergebnis kommen, dass der Beklagte nicht haften muss, weil er keine Sicherungspflicht verletzt hat“, sagte er. Zudem seien auf dem Haus Schneegitter angebracht, jedoch nicht durchgehend.

Rechtsanwalt Jens Klinkert, der die Autofahrerin vertritt, kann dieser Auslegung der Sicherungspflicht nicht folgen. Das tonnenförmige Dach sei eine regelrechte Rutschbahn für Schnee und stelle somit „eine ganz besondere Gefährdung dar“, sagte er. Das zeige sich auch daran, dass der Hausbesitzer zwar Schneegitter montiert habe – aber eben nicht unter den Dachfenstern, von wo aus sich die Schneelawine gelöst hatte. Jeder Gebäudeeigentümer müsse dafür sorgen, dass von seinem Haus keine Gefahr ausgehe. Außerdem sei in der Niedersächsischen Bauordnung geregelt, das Schneegitter angebracht werden müssen, wenn es die Verkehrssicherheit erfordere, meinte der Anwalt der Autofahrerin.

Die Rechtslage scheint unklar: „Bis zum letzten Winter konnte man getrost ohne Schneegitter leben“, sagte Oliver Francke-Weltmann, Anwalt vom Verein Haus & Grundeigentum Hannover. Es komme immer darauf an, wie das Dach gelegen sei, ob ein Schneebrett vom Dach beispielsweise auf einen Fußweg rutschen und dadurch Passanten schädigen könne. Allerdings könne ein Hauseigentümer nicht alle Risiken abwenden, meinte der Jurist. Beispielsweise müsse man gefährliche Eiszapfen über Fußwegen entfernen. Doch den Schnee vom Dach zu räumen sei für Eigentümer kaum möglich und nicht zumutbar.

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Der Anwalt der Autofahrerin kündigte schon am Mittwoch Berufung gegen das Urteil an.

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