Rut-Bahlsen-Zentrum

Eine Kita für alle

Foto: Deniz und 
seine neuen Freunde 
freuen sich über ihre neue Kita.

Deniz und 
seine neuen Freunde 
freuen sich über ihre neue Kita.

Hannover. Aus dem Rasen ragen hölzerne Tierköpfe, Adler und Löwe blicken über das Grün. Flache Sandsteinblöcke an der Sandfläche laden zum Spielen und Sitzen ein. Alles an der neuen Kindertagesstätte wirkt freundlich und hell: Das Gebäude aus gelbem Klinker und viel Glas ist im Grundriss wie ein großes „E“ angelegt, die Kinder können so leicht aus den Innenhöfen ins Haus blicken und umgekehrt.

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Doch das neue Rut-Bahlsen-Zentrum im Heideviertel ist nicht nur wegen seiner Gestaltung etwas Besonderes. Kinder mit und ohne Behinderung werden hier durchgängig von der Krippe bis zum Hort gemeinsam betreut. Die Einrichtung ist damit nach Angaben der Stadt bundesweit einmalig, auch weil sie zusätzlich eine Beratungsstelle für Eltern und Fachleute bietet. Jugend- und Sozialdezernent Thomas Walter sprach gestern zu recht von einem „nicht alltäglichen Geschenk“: Die private Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung hat drei Millionen Euro und damit den Löwenanteil der Baukosten gezahlt, Stadt und Land gaben 350.000 und 370.000 Euro. Oberbürgermeister Stephan Weil sprach bei der Feier zur Eröffnung von einem „Musterbeispiel für privates Wirken auf der Grundlage einer Haltung, die unternehmerischen Erfolg zum Wohl der Gemeinschaft einsetzt“.

„Kinder sollen Andersartigkeit als Bereicherung aufnehmen. Und sie können das durch ihre größere Offenheit auch noch leichter“, sagt Stiftungsvorstand Prof. Burkhard Huch. Er hätte sich diese Erfahrung selbst früher gewünscht. An sich selbst beobachtet Huch eine typische Befangenheit bei der Begegnung mit Behinderten. „Man neigt ja dazu, wegzugucken aus einer gewissen Scheu und weil man glaubt, den anderen nicht immer auf seine Andersartigkeit aufmerksam machen zu wollen.“ Als Walter der Stiftung die integrative Kita vorschlug, habe er sich erst bei Eltern umgehört, sagt Huch. Und erfahren, dass Familien dem Thema meist sehr offen gegenüberstehen.

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Denn integrative Kitas bieten allen Kindern Vorteile: Die Gruppen sind kleiner, die Zahl der Menschen, die sich um die Kinder kümmern, außerdem größer. Das erscheint auch den Mitarbeitern attraktiv. Karsten Bertram, der Leiter der neuen Kita, konnte seine rund 20 pädagogischen und fünf hauswirtschaftlichen Mitarbeiter aus einer sehr großen Zahl von Bewerbern auswählen. „Ein richtig tolles Team. Die Haltung jedes einzelnen ist von Respekt geprägt.“ Bertram hat das in seiner früheren Arbeit in Kitas oft anders erlebt. „Ich habe häufig gehört, dass ein verhaltensauffälliges Kind als nicht tragbar bezeichnet wurde.“

Im Rut-Bahlsen-Zentrum gibt es zwei Krippen-, zwei Kindergarten- und eine Hortgruppe mit insgesamt 78 Kindern, von denen 16 mit Handicaps leben. Je vier der behinderten Kinder gehen in Krippe oder Hort, acht in den Kindergarten, die Gruppen sind jedoch altersgemischt. Die Stadt ist Betreiber der rund 1200 Quadratmeter großen eingeschossigen Kita, die auf einem städtischen Grundstück steht. Der Standort für den Bau der Architekten Venneberg & Zech am Heidering wurde auch wegen der Nähe zur Integrierten Gesamtschule Roderbruch ausgewählt, die seit längerem behinderte Schüler aufnimmt. Die laufenden Kosten für den Kitabetrieb werden wie üblich von Stadt und Land getragen. An dem Zusatzbedarf, den die Betreuung behinderter Kinder in Krippe und Hort erfordert, beteiligt sich das Land anders als im Kindergarten bisher allerdings nicht.

Walter hob die Bedeutung der Beratungsstelle hervor: „Eltern mit behinderten Kindern sollten nicht noch zusätzlich mit undurchschaubaren Vorschriften traktiert werden.“ Die Stiftung übernimmt die Finanzierung der Beratungsstelle in den nächsten fünf Jahren mit 100.000 Euro pro Jahr. „Wir bleiben also am Ball und versuchen, das Leben in unseren Häusern besonders zu fördern“, sagt Huch. Dafür wird auch Sabine Schopp vom Vorstand der Stiftung im Beirat des Rut-Bahlsen-Zentrums sorgen.

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