Isernhagen

Erst Einbruchsversuch, dann Unfallflucht

„Hier ist die Zapfpistole eingeschlagen“, sagt Fritz Papenberg.

„Hier ist die Zapfpistole eingeschlagen“, sagt Fritz Papenberg.

Kirchhorst. Einen Schaden von rund 5000 Euro hat ein Autofahrer auf dem Gelände der Tankstelle in Kirchhorst angerichtet und ist dann geflüchtet. Für Fritz Papenberg und seine Tochter Eva Dierks, die die Tankstelle betreiben, ist so etwas kein Einzelfall. Immer wieder kommt es zu Einbrüchen, Sachbeschädigungen, Vandalismus und Unfallfluchten.

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Zapfpistole im Tankstutzen vergessen

„Mit gefühlt 180 Sachen ist die Zapfpistole gegen das Gehäuse des Zentralrechners geschlagen“: Eva Dierks konnte am Monitor der Videoüberwachung nachvollziehen, was sich in der Nacht zu Dienstag abgespielt hatte. Stunden, nachdem der letzte Mitarbeiter den Tankstellenshop am Montagabend abgeschlossen hatte, wollte ein Mercedes-Fahrer seinen Wagen betanken. Mit dem für die Nachtstunden vorgesehenen Bezahlterminal kam der Mann nicht klar. Er startete seinen Wagen und fuhr los, vergaß dabei aber die Zapfpistole im Tankstutzen. Laut der Videobilder stieg der Mann noch aus und schaute sich die Zapfsäule an, fuhr dann jedoch davon, ohne eine Nachricht zu hinterlassen.

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Dass die Wucht des Aufpralls nicht nur den Computer zerstört hatte, musste ein Autofahrer am nächsten Morgen leidvoll erfahren: Als er die Zapfpistole aus der Halterung hob, schoss Benzin unkontrolliert aus der Leitung – beim Vorfall in der Nacht war auch die Ventiltechnik zerstört worden. „Der Mann hat regelrecht geduscht“, sagt Eva Dierks. Nur der schnelle Griff eines Tankstellenmitarbeiters nach dem Notstopp-Knopf verhinderte Schlimmeres.

„Eigentlich ist jeden Monat was los“

Für die Familie Papenberg, die die freie Tankstelle seit 45 Jahren betreibt, ist so ein Verhalten wie das des Mercedes-Fahrers mittlerweile kein Einzelfall mehr. Sei es, dass jemand die Entlüftungsmasten der großen Benzintanks oder die Neonröhre an der Reifendruck-Station ramme und nicht Bescheid gebe, sei es, dass jemand gleich richtig kriminell vorgehe – „in den letzten zwei Jahren war eigentlich jeden Monat was los“, sagt Eva Dierks.

Gerade erst am Sonntag gegen 4.30 Uhr hatten mindestens zwei Unbekannte versucht, durch ein rückwärtiges Fenster ins Tankstellengebäude einzudringen. Die Zweifachverglasung in Verbindung mit den Fenstergittern hielt sie auf, die Alarmanlage weckte die Betreiberin – und die Polizei war diesmal schnell mit drei Streifenwagen vor Ort. Die Täter konnten dennoch entkommen: „Die sind über die Wiese abgehauen“, sagt Eva Dierks.

Einbrüche und Überfall

Mittlerweile liefert die Anlage gestochen scharfe Bilder, vor rund fünf Jahren hatten die Tankstellen-Betreiber aufgerüstet. Damals hatten Einbrecher Tabakwaren für 20.000 Euro gestohlen, später waren sie verurteilt worden. Gleiches gilt auch für den Räuber, der die Tankstelle im März 2017 überfallen hatte – unmaskiert, mit einem Sechserträger Bier und einem Pfefferspray in der Hand. Dass der schwer depressive Täter mit einer Bewährungsstrafe davonkam, kann Eva Dierks, die den Prozess selbst gesehen hatte, nicht nachvollziehen. Ihr Mitarbeiter habe nach dem Überfall psychologisch betreut werden müssen. „Das steckt man nicht so einfach weg.“

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Alarmknopf gibt Gefühl der Sicherheit

Ob Bezahlversuche mit gestohlenen EC-Karten, Benzindiebe mit falschen Kennzeichen am Wagen oder Unbekannte, die für vielleicht fünf Euro den Münzstaubsauger aufbrechen – „es ist schon recht lebhaft hier“, sagt Eva Dierks ironisch, ohne dass ihr deswegen zum Lachen zumute wäre. Die Alarmanlage und die Videoanlage geben ihr nachts ein Gefühl der Sicherheit, tagsüber ist es der Alarmknopf mit Direktschaltung in die Einsatzzentrale der Polizei. Auf vermeintliche Späße wie der des Rentners, der neulich mit dem Ausruf „Überfall!“ in den Shop getreten ist, kann sie dennoch getrost verzichten: „So etwas ist nicht witzig.“

Ebenfalls kein Witz ist die Beschädigung der Zapfsäule durch den Mercedes-Fahrer für die Polizei – sie ermittelt wegen Verkehrsunfallflucht gegen einen 22- Jährigen. Bei seiner Befragung hat er angegeben, an Tanksäule und Zapfpistole keine Schäden entdeckt zu haben. Auf die Spur gekommen war die Polizei dem Mann über das Nummernschild seines Wagens –dank der gestochen scharfen Bilder der Videoüberwachung.

Von Frank Walter

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