Razzia in Bordellen

Fahnder suchen in Hannover nach Opfern von Menschenhändlern

Mit einer bundesweiten Razzia in rund 600 Bordellen sind das Bundeskriminalamt und die Länderpolizeien gegen ein Netz von Zuhältern, Geldwäschern und Schleusern aus Westafrika vorgegangen. Wie das BKA am Mittwoch in Wiesbaden berichtete, war es das Ziel der Aktion, Opfer von Menschenhandel zu identifizieren und Hinweise auf Menschenhändler zu erlangen. In den kontrollierten Bordellen seien weit über 100 Frauen aus Westafrika angetroffen worden.

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In Niedersachsen seien dabei am Dienstagabend 150 Objekte kontrolliert worden, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes am Mittwoch. Die Identität von mehr als 200 Menschen wurde überprüft, darunter waren etwa 20 Nigerianerinnen. Festnahmen gab es nicht. In Bremen wurden 14 Frauen wegen Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz vorläufig festgenommen.

In Hannover kontrollierten die Beamten Bordelle am Steintor sowie in der Ludwigstraße in Hannover-Mitte und der Braunsstraße in der Calenberger Neustadt. "Nicht ganz ein Dutzend Frauen wurden überprüft", sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts. Bisher lägen keine Hinweise darauf vor, dass die Frauen sich illegal in Deutschland aufhalten.

Opfer werden eingeschüchtert 

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Nach dem Stand der Ermittlungen werden junge Frauen in Westafrika angeworben, nach Deutschland eingeschleust und hier mit Personaldokumenten versorgt. Anschließend müssten sie in Bordellen arbeiten. „Viele der Opfer scheuen den Kontakt zu den Strafverfolgungsbehörden, so dass zahlreiche Straftaten im Verborgenen bleiben“, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke: „Nur wenn es uns gelingt, das Vertrauen der Opfer zu gewinnen und sie zur Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden zu bewegen, können wir den Kreislauf aus Unterdrückung, Einschüchterung und Abhängigkeit zwischen Opfern und Tätern durchbrechen.“

Polizei holt 15-Jährige aus Rotlichtbetrieb

In Rheinland-Pfalz wurde von der Polizei ein erst 15 Jahre altes Mädchen aus einem Bordell geholt. „Das Leiden der zumeist jungen und teilweise minderjährigen Mädchen nimmt in der Regel seinen Anfang in den armen Bezirken Westafrikas“, erklärte das LKA Mainz: „Schlecht bezahlte Tätigkeiten als Näherin, Friseurin oder Haushaltshilfe lassen häufig kaum ein Überleben zu.“ Viele lebensunerfahrene Mädchen hofften auf ein besseres Leben in Europa und erlägen so den Verlockungen der Schleuser.

Den Eltern würden regelmäßige Zahlungen aus Europa versprochen, berichtete LKA-Chef Wolfgang Hertinger. Die Opfer verpflichteten sich, die durch die Schleusung entstehenden Kosten abzuzahlen. So könnten Schulden von bis zu 70.000 Euro auf die Frauen zukommen. Durch eine Voodoo-ähnliche Praktik, in Nigeria als „Juju“ bekannt, würden die Frauen und Mädchen zur Einhaltung ihrer Pflichten gezwungen. Kontrolliert würden sie von durchweg weiblichen Zuhältern, den sogenannten Madames. Auch dies sei eine westafrikanische Besonderheit.

vmd/dpa/ap

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