„Ich hatte null Hemmschwelle“

Familienvater gesteht brutale Vergewaltigung von Schülerin

„Taktisches Geständnis“: Peter W. beim Prozessauftakt im Landgericht.

„Taktisches Geständnis“: Peter W. beim Prozessauftakt im Landgericht.

Hannover. „Ich hatte null Hemmschwelle. Ich bin auf sie zugestürzt und habe sie ins Gebüsch gezerrt“, sagte der Angeklagte. Ein DNA-Test hatte den Vater eines heute 17-jährigen Sohnes im März 2011 als Täter überführt.

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Bei seiner Befragung im Gerichtssaal spricht der Hannoveraner leise und will sich nicht mehr an Details erinnern können. Er sagt, er sei nach einem Streit mit seiner damaligen Lebensgefährtin durch Seelze geradelt, um über „alles Mögliche“ nachzudenken. Das Mädchen sei ihm gegen 17 Uhr auf dem weitläufigen Gelände des Georg-Büchner-Gymnasiums begegnet. Er habe sich gedacht, dass es „sexy aussieht“ und ihn an seine Lebensgefährtin erinnert. Aus Zufall seien sie sich kurze Zeit später wieder begegnet, gibt er an. Da sei es zu der „Spontanhandlung“ gekommen. W. hielt seinem Opfer den Mund zu und schleppte es in ein Gebüsch. Sie stürzten, dabei zog sich das Mädchen Verletzungen im Gesicht zu und blutete stark. Er habe ihr das T-Shirt über den Kopf gestülpt – „weil ich kein Blut sehen kann“, sagt der gedrungene Mann auf der Anklagebank. Dann vergewaltigte er das Kind mehrfach. Als zwei Spaziergänger vorbeikamen, habe er das Mädchen auch gewürgt, damit es stillhalte, bestätigt er die Anklage. Darin steht auch, dass er das Kind mit dem Tod bedroht hat, sollte es jemandem von der Tat erzählen. Als der Täter weg war, lief das Mädchen zurück zu seinen Freunden – diese riefen die Polizei. Die Beamten verpassten Peter W. am Tatort wohl nur um Sekunden. Denn er war noch einmal zurückgekehrt, um sein Portemonnaie zu holen, das er im Gebüsch verloren hatte.

Die Tat erklären könne er sich nicht, sagte der Angeklagte. „Ich weiß nicht, was auf einmal mit mir los war.“ Der Kammervorsitzende Stefan Joseph warnte den Angeklagten am Montag eindringlich davor, „ein taktisches Geständnis vorzubringen.“ Vieles spreche dafür, dass der 43-Jährige eine solche Tat geplant und lediglich auf den richtigen Moment gewartet hatte. Dem früheren Auslieferungsfahrer wird auch vorgeworfen, kurz vor dem Übergriff andere Kinder an einem Teich auf dem Gelände angesprochen zu haben. Ob es denn eine Spritztour auf dem Fahrrad unternehmen wolle, soll er dort mit gehetzter Stimme ein Mädchen gefragt haben. W. dementiert das. Allerdings trifft die Beschreibung, die die Kinder gegeben haben, auf ihn zu.

Bereits vier Jahre vor dieser Vergewaltigung soll sich W. laut Staatsanwaltschaft an einem jungen Mädchen vergangen haben. Der 43-Jährige sagte am Montag aber aus, dass es sich bei dem Vorfall auf einem Werksgelände am Lindener Bartweg um „einvernehmlichen Geschlechtsverkehr“ zwischen der 14-jährigen Cousine seiner Exfrau und ihm gehandelt hätte.

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Die DNA-Probe, die W. schließlich überführte, musste er abgeben, nachdem er wiederholt wegen Körperverletzung verurteilt worden war. „Da war für mich ganz klar, dass das in Letter endlich rauskommt, und dass ich das loswerde“, sagte er. Anwalt Jörg Heinrich Sender, der das mittlerweile 24 Jahre alte Opfer im Prozess vertritt, konnte da nur mit dem Kopf schütteln: „Dafür hatte er zwölf Jahre Zeit. Stattdessen beschönigt er jetzt sein Geständnis.“

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