Neustadt

Flüchtlinge lernen Malerhandwerk

Hasan Al Ziyad (links) aus dem Irak und der Syrer Mohamad Almusetef hoffen nach dem Praktikum eine Ausbildung zum Maler anfangen zu können.

Hasan Al Ziyad (links) aus dem Irak und der Syrer Mohamad Almusetef hoffen nach dem Praktikum eine Ausbildung zum Maler anfangen zu können.

Neustadt. Die Heimat von Mohamad Almusetef war Syrien, jetzt ist es Deutschland. Seine Zukunft aber sieht er in Neustadt, genauer gesagt, beim Malereibetrieb Temps. Seit einem Monat ist der 18-Jährige dort als Praktikant tätig. Er lernt die ersten Handgriffe, so wie auch eine Lehre anfangen würde. Streichen, Tapezieren, Lackieren. Und wenn Almusetef von der vielleicht in Aussicht stehenden Ausbildung spricht, dann fängt er an zu lächeln. „Der Beruf gefällt mir sehr gut“, sagt der Syrer.

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Bei Temps werden seit 2016 Flüchtlinge für das Malereihandwerk ausgebildet. Am Donnerstag hatte das Unternehmen zum Erfahrungsaustausch mit Workshop eingeladen. Das Beispiel soll Nachahmer finden. „Ich kann das ganz klar empfehlen. Sonst würden wir es nicht machen“, sagt Firmenchef Ulrich Temps. „Die Leute mit anderen Herkunftsländern sind deutlich engagierter und zuverlässiger als die hier geborenen. Das ist eine harte Aussage, aber so ist es. Die sind ehrgeiziger.“

Drei Programme werden in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium, der Region und der Initiative „Wir Zusammen“ der Deutschen Wirtschaft angeboten. Bei SPRINT (Sprache und Integration), soll den jungen Leuten Deutsch für die Arbeitswelt vermittelt werden. Bei der Fortsetzung, SPRINT Dual, kommt die Vorbereitung auf die Ausbildung hinzu. Im Projekt BAVKA (Berufsausbildungsvorbereitung und kooperative duale Berufsausbildung benachteiligter Jugendlicher) gibt es Unterstützung für die Jugendliche, die nach dem Schulabschluss keinen Ausbildungsplatz finden. „Die sind alle angedockt an die Berufsbildenden Schulen Neustadt. Ohne sie ließe es sich gar nicht durchführen“, sagt Temps.

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66 aktuelle und angehende Azubis sind in den verschiedenen Projekten untergebracht. 14 Nationen sind vertreten. 27 Deutsche sind in der Ausbildung, danach folgen Irak, Syrien und Afghanistan. Dachdecker- und Zimmermeister Christoph Häusgen ist zum Seminar gekommen. Er hat bereits einen albanischen Lehrling und möchte weiteren Migranten eine Chance geben. „Man darf nie vergessen, das sind alles Menschen“, sagt der Wunstorfer.

Willi Rinne und Klaus Birkenhagen, beide Gymnasiallehrer im Ruhestand, geben den Azubis Nachhilfe. „Wer Deutsch als Fremdsprache lernen muss, den mag der liebe Gott nicht besonders“, sagt Birkenhagen. Deshalb wünscht er sich für die Flüchtlinge mehr Zeit für den Abschluss, denn schließlich hätten sie neben dem Schulstoff auch noch die Sprache zu bewältigen. Temps sieht das ähnlich. Er berichtet, was einem Lehrling im Politikunterricht widerfuhr. Dort sollte der Flüchtling den Binnenmarkt der EU erklären. „Den haben die Engländer bis heute nicht kapiert“, sagt Temps.

Von Benjamin Behrens

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