Bauhandwerk

Freisprechungsfeier in der Galerie Luise

Sie sind jetzt Gesellen: Paul Azimi hat Zimmermann gelernt, Jennifer Mathies ist Dachdeckerin –bei der Freisprechungsfeier in der Galerie Luise haben sie ihre Zeugnisse erhalten.

Sie sind jetzt Gesellen: Paul Azimi hat Zimmermann gelernt, Jennifer Mathies ist Dachdeckerin –bei der Freisprechungsfeier in der Galerie Luise haben sie ihre Zeugnisse erhalten.

Hannover. Acht Dachdecker, elf Maurer und 13 Zimmerer haben in diesem Jahr von der Innung des Bauhandwerks Hannover ihren Gesellenbrief erhalten. In einer feierlichen Freisprechungsfeier in der Galerie Luise haben die Auszubildenden ihre Zeugnisse erhalten. „So einen kleinen Abschlussjahrgang hatten wir noch nie“, sagt Lehrlingswart und stellvertretender Obermeister Thomas Kellner. Es sei zwar richtig, dass das Handwerk es immer schwerer habe, Nachwuchs zu finden, und dass einige die Lehre nicht schafften. Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass nur ein Drittel der Betriebe, die ausbilden könnten, dies auch tatsächlich täten: „Vielen Betrieben ist Ausbildung zu anstrengend, das macht Mühe, aber es sichert auch die eigene Zukunft.“

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Sonderprämien für die Besten

Die besten Azubis erhalten über die Langensche Stiftungen noch eine extra Auszeichnung mit einem Gesamtwert von mehreren Hundert Euro. Geldprämien gibt es für alle, die einen Notenschnitt von 2,2 und besser absolviert haben. In diesem Jahr waren es bei den Zimmerern Nils Küppers (22) aus Nienburg und Ben Ludwick (21) sowie ein frischgebackener Maurergeselle, der sogar auf einen Schnitt von 1,1 kam, bei der Verleihung aber nicht anwesend war.

Der Baumeister Karl Lange hat Langesche Stiftung 1865 gegründet. Seine Absicht war, „armen und hilfsbedürftigen Maurer- und Steinhauergesellen“ und Waisenkindern zu helfen. Kinder hatte er nicht. 1901 wurde das Haus in der Theaterstraße gebaut, es überstand den Zweiten Weltkrieg mit einigen Schäden, erwies sich aber für Karl Langes als Goldgrube. 1986 wurde eine große Investition nötig, als der Umbau zur Galerie Luise bewältigt werden musste. Im Hof der Passage zeigt eine Figurengruppe, wie ein gütiger Lange sich um einen jungen Steinsetzer kümmert, an seiner Seite eine arme Witwe. Daneben –in den Lichthöfen –findet auch die alljährliche Freisprechungsfeier statt. dö

Kellner bleibt aber zuversichtlich: „Im nächsten Jahr werden wir wieder mehr Abschlüsse haben.“ Eine öffentliche Freisprechungsfeier, bei der viele Teilnehmer in der traditionellen Kluft der Dachdecker oder Zimmermänner gekleidet sind, ist für den Maurermeister auch ein Stück Imagewerbung: „Unser Handwerk verbindet Tradition und Moderne, und das zeigen wir hier.“ Die neuen Gesellen bekommen gute Wünsche: „Eine sichere Hand und eine unfallfreie Zeit“ mit auf den Weg. Sie sollen Vorbild sein für die neuen Azubis.

Nur eine Frau unter den neuen Gesellen

Jennifer Matthies ist die einzige Frau, die an diesem Tag in der Galerie Luise ihren Gesellenbrief bekommt. Die 27-Jährige aus Burgdorf hat Dachdeckerin gelernt. Höhenangst kenne sie nicht, sagt sie. Der Weg hat sie nicht direkt ins Handwerk geführt, obwohl sie aus einer Dachdeckerfamilie kommt. Zuerst hat Jennifer sich zur Physiotherapeutin ausbilden lassen, dann aber bald gemerkt, dass dieser Job ihr nicht die gewünschte Erfüllung gab. Sie entschloss sich, in das mehr als 50 Jahre alten Dachdeckergeschäft ihrer Eltern einzusteigen. „Ich möchte den Familienbetrieb fortführen, da ich das einzige Kind bin, könnte es auch sonst niemand machen.“ Gesellin will sie nicht bleiben, sie besucht schon die Meisterschule.

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Paul Azimi (21) aus der Nordstadt hat sich für den Zimmererberuf entschieden, weil er ihm „Freiheit“ gibt. „Mit der Ausbildung kann ich in ganz Europa, sogar überall auf der Welt arbeiten.“ Die Tätigkeit sei vielseitig, er könne sich auf Tischlerarbeiten spezialisieren oder auch Dacharbeiten übernehmen. „Ich kann mir aussuchen, wo ich arbeiten.“ Die Grundlage für eine gute berufliche Zukunft sei gelegt. „Tellerwaschen muss ich jedenfalls nicht mehr.“

Ausbildung hilft auch fürs spätere Studium

Die Ausbildung kann in Stufen absolviert werden – erst lässt man sich in 24 Monaten zum Hochbau-, Tiefbau- oder Ausbaufachabeiter ausbilden, dann folgt die Spezialisierung, die ein Jahr dauert, zum Beispiel zum Maurer. Nicht zwangsläufig machten alle Gesellen auch gleich ihre Meisterprüfung, sagt Lehrlingswart Kellner. Manche würden auch erst ein paar Jahre arbeiten, bis sie sich sicherer im Job fühlten. Für manche sei die Ausbildung in der Baubranche auch die Grundlage für ein späteres Studium, etwa Architektur oder Bauingenieurswesen.

Von Saskia Döhner

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