Jublliäum

Hannovers Musikzentrum wird 25 Jahre alt

„Wir haben viel gelernt in den Jahren“: Vera Lüdeck und Edu Wahlmann vom Musikzentrum Hannover.

„Wir haben viel gelernt in den Jahren“: Vera Lüdeck und Edu Wahlmann vom Musikzentrum Hannover.

Hannover. Edu Wahlmann kann viel erzählen über das Musikzentrum. Tut er auch, wenn man ihn fragt. Aber manchmal hält er kurz inne, blickt halb schelmisch, halb sinnierend aus dem Fenster des Aufnahmeraums im Tonstudio und sagt dann so etwas wie: „War schon verrückt damals.“ Mit damals meint er die Anfangszeit. Ein Vierteljahrhundert gibt es das Musikzentrum nun, am 15. April 1993 wurde die GmbH gegründet.

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Wahlmann war dabei, der heute 59-Jährige war immer dabei. „Ich hätte nie gedacht, dass das hier bis zu meiner Rente mache“, sagt der freundliche Hüne, der mal Chemie und Bio auf Lehramt studiert hat, dann aber zu einer der prägenden Köpfe der hannoverschen Rockszene wurde. Heute kümmert er sich im das Studio und die Veranstaltungen. Ein Vierteljahrhundert im Dienste der Musik. Und junger Musikenthusiasten.

Unterstützung und Ausbildung

Hilfe und Angebote für Musiker, ob Üben, Konzertieren, Aufnehmen, Videodreh, Bandcoaching oder juristische Beratung, Jugendmusiktheater oder Projekte mit dem Opernhaus – das ist das eine Standbein des Musikzentrums. Bandwettbewerbe wie „Sixpack“ oder seit nunmehr zehn Jahren auch die aufwendige Organisation der Fete de la Musique gehören dazu.

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Das „Rockmobil“ tourt heute wie damals verlässlich durch die Städte und über Land, um junge Menschen ans Musikmachen heranzuführen. Mit politischer Unterstützung der ersten rot-grünen Landesregierung „und der ganzen Nordstadt-Crew, die plötzlich in den Ministerien saß“, konnten Wahlmann und sein Kollege, der heutige Geschäftsführer Holger Maack schon in den Neunzigern ein Frauenmusikmobil durchsetzen, für das Vera Lüdeck dazustieß, die auch die Frauenmusiktage unter ihre Fittiche nahm. Lüdeck ist heute Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft Rock und im Aufsichtsrat des Musikzentrums. Wenn Maack in zwei Jahren in Rente geht, soll sie sich mit Projektleiterin Sabine Bußmann die Geschäftsführung des Musikzentrums teilen.

Die zweite große Aufgabe ist seit 1998 Ausbildung. Insgesamt 26 Azubis der Stadt Hannover werden hier derzeit zu Veranstaltungstechnikern, Veranstaltungs- oder Medienkaufleuten und Mediengestaltern. Wer fertig ist, kann noch bis zu zwei Jahren bleiben und weitere Praxis sammeln, derzeit nutzen sieben junge Leute dieses Angebot. „Die sind hier nicht drei Jahre Kabelträger, sondern lernen hier von vornherein, Projekte und Musiker zu betreuen – und Konzerte mit abzuwickeln“, sagt Wahlmann und betont, man haben bei den Hunderten von Azubis nur einen rauswerfen müssen. „Viele kommen heute noch ab und zu vorbei“, sagt er.

Räume für Visionen

Dass es überhaupt mal so groß würde, hatte Wahlmann damals kaum auf dem Zettel. Zunächst saß er mit Maack, dem damaligen Vorsitzenden der Landesarbeitsgemeinschaft Rock, im Rockbüro Hannover in der Kornstraße, beide Einrichtungen wurden durch AB-Maßnahmen finanziert. Dann entdeckten sie, mehr durch Zufall bei einer Fahrt durch die Nordstadt, das Gelände am Ende der Emil-Meyer-Straße, das einem metallverarbeitenden Betrieb gehörte und dessen Gebäude nun zur Vermietung standen. Räume für Visionen. Und viel Arbeit.

„Da oben“, sagt Wahlmann und deutet auf eine Stahlschiene in der Decke des Aufnahmeraums, „da hing mal eine Laufkatze.“ Das Herz des Musikzentrums schlägt seit jeher in einem alten, wuchtigen Backsteingebäude. Anfangs teilten sich die Musiker den Bau mit einer Behindertenwerkstatt, die im Erdgeschoss aus Baumstämmen Brennholz machte. Damals hätten Bürger „Backsteine gespendet für die armen Musiker“, erinnert sich Wahlmann, „und ein paar Altpunks von der Glocksee, die ich kannte, haben hier die ersten Mauern hochgezogen“.

Die Werkstätten sind längst in andere Hallen auf dem Gelände umgezogen. Das Haus gehört der Musik, genau wie nebenan die Halle, in der Konzerte für bis zu 500 Menschen über die Bühne gehen. Gerade probt die aus Hannover stammende A-cappella-Band Maybebop dort. Außerdem gehören zum Musikzentrum 59 Proberäume, die sich im Wesentlichen auf zwei Bunker in Vahrenwald und Misburg verteilen.

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Dass viele ehemalige Lehrlinge mittlerweile gute Jobs in der Musikbranche hätten, einige sogar in verantwortlichen Positionen bei Global Playern, macht Wahlmann und Lüdeck, die sich ein Büro teilen, sichtlich stolz. „Es ist alles so viel professioneller geworden“, sagt Lüdeck, „wir waren früher echt blauäugig, wir haben viel gelernt in den Jahren und decken ein wirklich breites Spektrum ab.“ Der Gesamtbetrieb inklusive aller Projekte, Kooperationen und Fördermaßnahmen verschlingt mittlerweile eine knappe Million Euro im Jahr, exklusive der Ausbildungskosten, die von der Stadt übernommen werden. Und die Entwicklung ist nicht zu Ende. „Stehenbleiben“, sagt Lüdeck, „ist für uns Rückschritt.“

Infos: www.musikzentrum-hannover.de

Von Uwe Janssen

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