Hitzesommer 2018

Heißer Sommer macht Pferdehaltern zu schaffen

Gegen die Dauerhitze im Sommer 2018 benäßen zwei Reiterinnen einen Stall auf dem Hof des Reitervereins Hannover.

Gegen die Dauerhitze im Sommer 2018 benäßen zwei Reiterinnen einen Stall auf dem Hof des Reitervereins Hannover.

Hannover. Hundert Heuballen, schätzt Matthias Brennecke, werden ihm am Ende des Hitzesommers auf seiner Reitanlage in Wettbergen fehlen. „Wenn es so weiter geht, wird es keinen zweiten Schnitt geben. Dann haben wir fast Hundertprozent Ausfall beim Heu,“ sagt er. Normalerweise kalkuliert der junge Landwirt und Pferdehofbetreiber mit 500-600 Ballen Heu als Futter für die rund 50 Tiere auf dem idyllisch gelegenen Hof am Stadtrand. Weil die eigenen Wiesen längst einer staubigen Steppe gleichen, wird er das fehlende Fünftel zukaufen müssen - und das wird teuer. „Die Preise für den Doppelzentner sind schon im Frühjahr von üblichen 13 auf bis zu 20 Euro gestiegen“, sagt er. Auf den Mehrkosten wird er sitzenbleiben, das zweite Jahr in Folge. Denn schon im Vorjahr fiel die Futterernte aufgrund der starken Regenfälle schlecht aus. „Die Stallmieten werden wir vorerst nicht erhöhen. Das muss man einfach einkalkulieren“, sagt Brennecke. Auf Nachfrage erklären auch andere Höfe und Reitvereine im Umland, dass die Mieten vermutlich nicht erhöht werden, sollten die Kosten nicht frappierend steigen.

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Ein gutes Geschäft

Für den Fachhandel erweist sich die Dürre dagegen als gutes Geschäft. „Die Kunden kaufen wie verrückt Heu-Ersatz, wie Luzerne oder gepresste Heucobs“, sagt Henrike Hartung, die stellvertretende Filialleiterin des Pferde-Fachgeschäfts Equiva an der Schulenburger Landstraße. Neben dem Futter werden auch mehr Fliegensprays und Masken verkauft. „Brummercontrol“ lautet der Name eines Mittels, das Equiva zusammen mit einem Zusatzfutter gegen den Mineralstoffverlust im Sommerprospekt bewirbt. Auch auf Brenneckes Reitanlage tragen viele Tiere Lederfransen vor den Augen oder andere Schutzmasken. Sie sollen verhindern, dass die Fliegen auf der Suche nach Feuchtigkeit zu Entzündungen in den Augen der Tiere führen. Zwei Pferde sind hier sogar vollständig in eine Art Ganzkörperschutzanzug gepackt. Sie leiden unter einer anderen Folge des Sommers. „Einige Tiere haben ein Sommerekzem. Das ist vielleicht am ehesten mit der Neurodermitis zu vergleichen. Die Tiere reagieren empfindlich auf die Sonne und würden sich ohne Schutz kratzen, bis sie wund sind“, erklärt er.

Wasser marsch!

Gemeinsam auf die Wärme eingestellt haben sich die Turnierreiterin Jana Roßberg und ihr brauner Westfale Veterano auf der Anlage des Reitvereins Hannover in Vahrenheide. „Wir reiten jetzt schon um 6 Uhr statt wie üblich um 10 Uhr, damit wir nicht in die pralle Sonne geraten“, erzählt die Studentin. Nach dem Ausritt sprüht sie eine große Ladung Wasser in die Stallgasse und stellt die Fenster auf Durchzug. Das verdunstende Wasser soll helfen die Temperatur etwas zu senken. „Ich muss auch aufpassen, dass er genug trinkt. Das ist wie beim Menschen“, sagt Roßberg und hält Veterano einen Eimer vor das Maul. Grundsätzlich kämen die Tiere mit der Hitze deutlich besser zurecht, als Außenstehende das oft vermuten, sagt sie. Problematisch würde es allerdings mitunter, wenn die Tiere auf dem Weg und bei Turnieren lange Zeit in ihren Wägen ausharren müssen. Überhaupt beeinflusse die Hitze vor allem den Turnierbetrieb. „Die knochentrockenen Böden gehen natürlich auf die Gelenke und in der Mittagssonne will keiner gerne mit seinem Pferd reiten“, berichtet Roßbergs Stallnachbarin Carolin Büschke. „Wir werden das am Wochenende merken, dass weniger Teilnehmer an den Prüfungen teilnehmen“, erwartet auch die erste Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins Isernhagen Elke Gerns-Bätke Auswirkungen auf den Turnierbetrieb am Wochenende.

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Klima-Profis

Trotz aller Widrigkeiten hat das warme Wetter für einige Pferde auch angenehme Seiten. „Eigentlich lassen viele Halter die Tiere aus Angst vor Pferderippern nicht mehr in der Nacht auf der Wiese. Aber bei der Hitze will man Ihnen die Abkühlung nicht verwehren und lässt sie draußen“; sagt Gerns-Bätke. Am Ende seien Pferde schließlich auch Steppentiere, resümiert auch Pferdewirt Brennecke. „Kaum ein Tier kommt so gut mit Extremtemperaturen klar wie das Pferd.“

Von Mario Moers

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