Strafen für Schüler

Konflikte im Klassenzimmer

„Wir müssen ganz genau hinhören, warum ein Kind zum Beispiel nicht merkt, dass ein anderes Kind sich von ihm bedrängt fühlt“, sagt Evelyn Gorsler, Sprecherin der Grundschulleiter in Hannover.

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Aktuell diskutieren Experten einen Fall aus Lehrte-Sievershausen. Dort hat die Grundschule jetzt einen Erstklässler für einen Monat vom Unterricht ausgeschlossen, weil der Junge Mitschüler bedrängt haben soll, indem er sich zum Beispiel an sie presste. Aus eher formalen Gründen – den Ausschluss für einen Teil des Unterrichtstages sieht das Schulgesetz nicht vor – hob das Verwaltungsgericht diese drastische Strafe auf.

Den Einzelfall will niemand ohne genaue Kenntnis der Details bewerten. Doch Evelyn Gorsler ist sich sicher, dass Grundschulen diese Ordnungsmaßnahme sehr sparsam einsetzen, noch dazu bei einem Erstklässler. „Bis das passiert, ist viel vorgefallen und es gab viele Gespräche mit Kind und Eltern.“ Lehrer können zunächst einen ganzen Katalog von Strafen verhängen, wie ein Pausenverbot. „Aber das muss für die Kinder nachvollziehbar in Zusammenhang zu dem stehen, was sie getan haben. Gerade Erstklässler verstehen oft nicht, warum Erwachsene über ihr Verhalten entsetzt sind.“ Oft lassen die Lehrer das Kind ein Bild zur Entschuldigung malen. Ziel sei immer, das Verhalten des Schülers zu ändern.

Die Grundschule Entenfang, die Gorsler leitet, versucht, verhaltensauffällige Kinder integrativ mit Unterstützung von Förderlehrern zu unterrichten. Doch auch dort haben die Lehrer vor einiger Zeit eine Erstklässlerin für den Besuch der Förderschule überprüfen lassen, so wie es die Grundschule in Lehrte jetzt ebenfalls plant. Das Mädchen habe keine Regeln befolgt, mit Stühlen geworfen, geschrien, um sich geschlagen, gekratzt. „Selbst mit zwei Lehrern im Raum war Unterricht kaum möglich. Wir müssen auch die anderen Kinder schützen“, sagt Evelyn Gorsler.

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„Man muss immer im Blick haben, wann aus Spiel Ernst wird. Wir sprechen mit allen Beteiligten darüber, wie ein Konflikt entstanden ist“, sagt Cornelia Aschmutat-Hesse, Leiterin der Grundschule Kastanienhof. Dazu sind auch Kinder als Streitschlichter im Einsatz. Manche Schüler neigten besonders in der Betreuungszeit zur Aggressivität, weil dann das Verhaltenskorsett weniger starr geregelt erscheint als im Unterricht. Die Schule hat manchmal Schüler eine Woche lang von der Betreuung ausgeschlossen, weil sie andere Kinder gewürgt oder geschlagen haben. Einige Grundschüler, die Schwierigkeiten haben, ihr Verhalten zu kontrollieren, werden von einem eigenen Schulbegleiter betreut.

Wenn ein Kind die Grenzen seiner Mitschüler nicht respektiert und regelmäßig stark den Unterricht stört, sei ein Gespräch mit einem Experten ratsam, sagt Burkhard Neuhaus, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Kinderkrankenhaus auf der Bult. Aus der Entfernung könne man das kindliche Verhalten nie beurteilen. „Nicht selten spielen Kinder Dinge nach, die sie erlebt oder im Fernsehen gesehen und nicht verstanden haben. Kinder erleben aber auch, dass Tabuthemen wie Sexualität Aufsehen erregen.“

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