Versuchter Mord

Landgericht Hannover verurteilt junge Räuber zu Haftstrafen

Am Ende konnten sie sich nicht mehr zurückhalten. Die Eltern des Opfers weinten bitterlich auf der Zuschauerbank. Stellvertretend für ihren schwer traumatisierten Sohn hatten sie die drei Verhandlungstage im Gerichtssaal H2 gesessen, hatten sich den Mordanschlag an ihm in allen grausamen Details angehört, und sie hätten sich wohl auch eine höhere Strafe für die Angeklagten gewünscht, deren Tat das Leben des 28-Jährigen für immer beeinträchtigen wird.

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Wegen versuchten Mordes verurteilte das Landgericht Hannover die beiden Angeklagten, die den Mitarbeiter des Penny-Marktes in Vahrenwald mit Messerstichen lebensgefährlich verletzt hatten, gestern zu langen Freiheitsstrafen: Der 19-jährige Dominik K. soll für sieben Jahre, sein ein Jahr jüngerer Komplize für sechs Jahre in Haft. Damit liegt das Urteil knapp unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft, die jeweils ein Jahr mehr beantragt hatte. Die Angeklagten müssten wegen erheblicher Reifeverzögerungen nach dem Jugendstrafrecht beurteilt werden, sagte die Vorsitzende Richterin Beatrix Homann. Die Höchststrafe für Jugendliche und Heranwachsende liegt bei zehn Jahren. Als strafmildernd wertete die Kammer, dass es sich nicht um eine vollendete Tat gehandelt habe und die Täter nicht einschlägig vorbestraft sind.

Gleichwohl hätten die Angeklagten auf „außerordentlich brutale Art und Weise“ gehandelt, befand Homann. Die Jugendkammer sah zwei Mordmerkmale – Habgier und die Verdeckung einer Straftat – als erwiesen an. Dominik K. und Nils v. W. hatten die Vorwürfe im Prozess umfänglich eingeräumt. Sie schilderten, wie sie den Raub auf den Penny-Markt geplant und sich ein Handwerkermesser eingesteckt hatten, um den stellvertretenden Marktleiter zur Herausgabe des Tresorschlüssels zu bewegen. Dominik K. hatte einige Monate in dem Markt an der Vahrenwalder Straße gearbeitet und kannte sich in den Räumen gut aus. Am Abend des 6. Januar 2011 drangen sie in die Büroräume ein und stießen auf ihr Opfer. Doch der Mitarbeiter wehrte sich, als der 19-jährige K. ihn mit dem Messer bedrohte. Dies habe den Angreifer „sehr wütend“ gemacht, er habe „wild und rasend“ auf sein Opfer eingestochen, fasste die Richterin die Tat zusammen. Währenddessen habe sein Komplize die Tür geschlossen, damit andere Mitarbeiter die Hilfeschreie nicht hörten.

Zehn Stiche trafen den 28-Jährigen in den Rücken, unterhalb des Halses und ins Gesicht. Als der Mann blutüberströmt am Boden lag, hätten die Täter ihm noch ins Gesicht zu treten. Daraufhin hatte der Mitarbeiter sich tot gestellt – dies sei vermutlich seine einzige Chance gewesen, glaubt Homann: „Ich möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn er zu erkennen gegeben hätte, dass er noch lebt.“ Auch das Verhalten nach der Tat bezeichnete die Richterin als „ausgesprochen kaltblütig“. In dem Glauben, der Mitarbeiter sei tot, zogen die jungen Männer ihm den Tresorschlüssel aus der Hosentasche, um den Raub zu vollenden. „Sie haben ihr Opfer keines Blickes mehr gewürdigt“, sagte die Richterin, „sie haben nur noch an das Geld gedacht.“

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Mit ihrer Beute, etwa 1800 Euro, flüchteten die Täter. Wenig später seien sie damit in einem anderen Supermarkt einkaufen gegangen, „um den Raub zu feiern“, wie Homann sagte. Auch in der Verhandlung zeigten der kindlich wirkende Haupttäter und sein korpulenter Komplize kaum Reue. Sie hatten nicht einmal Mitgefühl demonstriert, als das Opfer im Zeugenstand eindringlich schilderte, unter welchen körperlichen und seelischen Folgen es leidet. Der 28-Jährige sei zu labil, als dass er der Verhandlung hätte folgen können, sagte sein Anwalt Uwe Hoffmann. Er und die Eltern hätten sich eine längere Haftstrafe gewünscht. Sie akzeptierten aber das Urteil der erfahrenen Strafrichterin.

Sonja Fröhlich

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