Gefahr im Internet

Lug und Trug mit billigen Luxuswohnungen

300 Euro Miete für gute 70 Quadratmeter im Luxusquartier „Mosaik Eilenriede“? Mit diesem Angebot haben Kriminelle versucht, Geld zu ergaunern.

300 Euro Miete für gute 70 Quadratmeter im Luxusquartier „Mosaik Eilenriede“? Mit diesem Angebot haben Kriminelle versucht, Geld zu ergaunern. Foto: Eberstein

Hannover. Die Anzeige, die zu Wochenbeginn im Internetportal „Immowelt“ auftauchte, war ein Traum - der Traum aller Wohnungssuchenden im Großraum Hannover. Ein Zwei-Zimmer-Luxusapartment, 74 Quadratmeter plus riesiger Terrasse, im neuen Edelwohnquartier „Mosaik Eilenriede“ vis-à-vis der Stadthalle wurde dort angeboten. Für 300 Euro Miete. Inklusive Nebenkosten. Wer per E-Mail Kontakt aufnahm, bekam eine Antwort von Mia Rowe. Auf Englisch, aus London. Ja, das Apartment sei noch frei, sie könne es die nächsten fünf Jahre aus geschäftlichen Gründen nicht selbst nutzen, aber vermiete es gern.

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600 Euro, verloren

In einer weiteren Mail schrieb Mrs. Rowe, dass die Schlüsselübergabe über die weltweit tätige Zimmervermittlung Airbnb abgewickelt werde, aber man vorher doch bitte 600 Euro überweisen solle. Sicherheitshalber. Wer an diesem Punkt nicht misstrauisch geworden und zurückgeschreckt war, hatte verloren. Und zwar 600 Euro. Denn diese Vermietung basierte auf Lug und Trug.

Seit vielen Jahren versuchen Betrüger, Wohnungssuchenden oder potenziellen Immobilienkäufern mit Tricks das Geld aus der Tasche zu ziehen. In jüngster Zeit haben die oft in Asien, Afrika oder Osteuropa sitzenden Kriminellen ihre Aktivitäten insbesondere in Städten mit Wohnungsmangel verstärkt. „Wer schon lange sucht und unter Zeitdruck steht, ist besonders gefährdet“, weiß Susanne Schönemeier, stellvertretende Geschäftsführerin des Mieterbundes Hannover.

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Verdächtig niedriger Quadratmeterpreis

Bei vermeintlichen Schnäppchen wie im „Mosaik Eilenriede“ sei jedoch von vornherein Vorsicht geboten - ein Quadratmeterpreis von vier Euro für eine gerade fertiggestellte Luxuswohnung sei fern jeglicher wirtschaftlicher Vernunft. In Mieterzeitung und Newsletter warnt der Verein deshalb immer wieder vor dieser Art von Abzocke. „Aber dummerweise kennen auch wir Mitglieder, die bereits auf solche Betrügereien hereingefallen sind.“ Grundregel Nummer eins sollte sein, ohne Wohnungsbesichtigung nie Geld zu überweisen und einer angeblichen Schlüsselübergabe per Post immer mit großer Skepsis zu begegnen.

Ein leitender Angestellter des Investors, der für die Stadtvillen im Zooviertel verantwortlich zeichnet, ärgert sich, dass die Betrüger mit 1:1-Kopien eigener Werbeauftritte arbeiten und nur die Kontaktdaten austauschen: „Wahrscheinlich haben die Fälscher einen Server gehackt.“ Er wisse, dass neu eingestellte Miet- und Kaufangebote allerorts gern für falsche Versprechungen missbraucht würden und dass alle Immobilienportale damit zu kämpfen hätten.

Allein der größte Betreiber in Deutschland, ImmobilienScout24, beschäftigt laut Sprecherin Katja Hemme 40 Mitarbeiter in der Qualitätssicherung. Sie forschen nach unrealistischen Preis-Lage-Angeboten, merkwürdigen Objektbeschreibungen, Fotos von Hotelzimmern, die Vorstadtwohnungen darstellen sollen, oder nach kryptischen E-Mail-Adressen.

So sind die gefälschten Superangebote meist nur wenige Stunden online: Von 150.000 Immobilienangeboten, die das Portal monatlich ins Netz stellt, werden 2000 für unseriös erachtet und deaktiviert.

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