Mord aus Habgier

Mann aus Isernhagen zu lebenslager Haft verurteilt

Für den Mord am Onkel seiner Ehefrau hat das Lübecker Landgericht am Dienstag einen 31 Jahre alten Mann aus Isernhagen bei Hannover zu lebenslanger Haft verurteilt. Der vier Monate dauernde Indizienprozess hat nach Auffassung der Richter ergeben, dass der Angeklagte den 75-Jährigen Ende Januar aus Habgier getötet hatte. Um in den Besitz des bescheidenen Vermögens seines Opfers zu kommen, habe der in finanziellen Schwierigkeiten steckende Frührentner den angeheirateten Onkel mit 22 Messerstichen getötet, sagte der Richter. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe bestritten. Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte Freispruch beantragt.

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Es war ein grausiges Bild, das sich den Polizisten am 30. Januar in dem Reihenhaus in Lübeck-Travemünde bot. Der 75 Jahre alte Hausbesitzer lag tot im Wohnzimmer - mit eingeschlagenem Schädel, durchschnittener Kehle und 22 Messerstichen in der Brust. Seit Dienstag steht nun der 31-jährige Niko J., ein Frührentner aus Isernhagen, wegen Mordes an Horst K. in Lübeck vor Gericht.

Sonderlich nervös wirkte Niko J. nicht, als er im August auf der Anklagebank sitzt, den Kopf ab und zu von einer Seite zur anderen neigt oder lässig in der Hand abstützt. Er habe nichts zu befürchten, habe der zweifache Familienvater bei seiner Festnahme Anfang Februar gegenüber der Polizei gesagt, denn er habe nichts getan. Zeugenaussagen brachten die Polizei auf die Spur des 31-Jährigen, der am 10. Februar in einem Schwimmbad in Großburgwedel festgenommen wurde.

Vor dem Lübecker Landgericht musste sich der schwer herzkranke Angeklagte in den vergangenen vier Monaten wegen Diebstahls sowie wegen Mordes verantworten. Der junge Mann aus Isernhagen soll im Sommer 2009 Brillanten, mehrere goldene Schmuckstücke sowie Goldmünzen im Wert von insgesamt 13.000 Euro aus dem Haus des Travemünders Horst K. entwendet haben. Anfang 2010 habe Niko J. den 75-jährigen Rentner in dessen Haus getötet - er soll dem pensionierten Vermessungsingenieur mindestens 22-mal mit einem Messer in die Brust gestochen und ihm anschließend mindestens fünfmal ein Brecheisen über den Schädel geschlagen haben.

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Der Angeklagte bestritt die Tat und wollte sich vor Gericht nicht weiter zu den Vorwürfen äußern. Auch seine Ehefrau, die zur Anhörung im August in Begleitung eines eigenen Rechtsbeistandes erschienen war, hatte die Aussage verweigert. Nach seiner Festnahme hatte Niko J. einer Vernehmung durch Lübecker Polizeibeamte zugestimmt und sich aus freien Stücken erklärt; Unterstützung durch einen Rechtsanwalt hatte er damals noch abgelehnt.

Am Sonnabend, 30. Januar, habe er Horst K. in Travemünde besucht, hatte Niko J. nach seiner Verhaftung zu Protokoll gegeben. Mit dem Rentner war er weitläufig verschwägert; Nachbarn, die ihn am betreffenden Tag gesehen hatten, hatten ihn nach der Tat als dessen Neffen bezeichnet. Es sei zu einem Streit gekommen, weil Horst K. ihm den Diebstahl aus dem Sommer vorgeworfen habe, gab Niko J. im Februar an. Nach einiger Zeit habe der Rentner aber zugegeben, dass auch andere Personen dafür infrage kämen, behauptete der Angeklagte.

Er habe für den Rentner am Tag der Tat lediglich in dessen Auftrag 1000 Euro von der Bank abgehoben und ihm sein altes Auto für 2000 Euro abgekauft - ohne Kaufvertrag. Das sei einer der Gründe gewesen, weshalb er überhaupt nach Travemünde gekommen sei. Anschließend hatte er den Wagen für 4300 Euro weiterverkauft. Vom Tod des Rentners habe er erst später durch eine Berichterstattung über den Mordfall im Internet erfahren, hatte Niko J. Anfang des Jahres ausgesagt. Zu diesem Zeitpunkt sei er bereits wieder in Isernhagen gewesen.

Von der Staatsanwaltschaft wurde Niko J. vorgeworfen, das Auto von Horst K. gestohlen und das Geld unerlaubt abgehoben zu haben. Habgier soll das Motiv für den Mord gewesen sein. Der Angeklagte und seine 31-jährige Ehefrau hätten viele Jahre lang kaum Kontakt zu dem angeheirateten Onkel gehabt, der sich einen bescheidenen Wohlstand erarbeitet hatte. Seit dem Sommer 2009 hätten der Angeklagte und seine Frau ihn regelmäßig besucht, um sein Vertrauen zu erwerben.

Der Angeklagte, der aufgrund einer Herzkrankheit bereits in Frührente gegangen ist, musste seine Familie von 460 Euro Rente ernähren. Hinzu kamen 850 Euro vom Sozialamt und 378 Euro Kindergeld. Als weiteres Motiv wird die Verdeckung einer weiteren Straftat genannt: des Diebstahls aus dem Sommer 2009.

Am Dienstag wurde er nun vom Lübecker Landgericht in dem viermonatigen Indizienprozess zu lebenslanger Haft verurteilt.

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Jennifer Binder/dpa

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