Tat aus Eifersucht vor Gericht

Mann entstellt Freundin mit Skalpell

Hannover . Es war ein Jahreswechsel, wie ihn sich niemand wünscht: Am Silvesterabend 2013 kurz vor Mitternacht zog Peter M. seiner Freundin in Limmer ein Skalpell durchs Gesicht. Der Schnitt in der Wohnung des Mannes durchtrennte die linksseitige Gesichtsarterie der 35-Jährigen, siebeneinhalb Zentimeter lang war die stark blutende Wunde zwischen Auge und Oberlippe. Die Frau flüchtete zum Nachbarn, wenig später wurde der Schnitt in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) per Not-OP genäht. Jetzt muss sich der 39-jährige M. wegen schwerer Körperverletzung vor dem Landgericht Hannover verantworten.

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Ein Begriff wurde vor der 1. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Christian Engelking häufig bemüht: „Hurenschnitt“. In Sinti- und Romakreisen, so heißt es, würden Männer damit untreue Frauen bestrafen und verunstalten, damit sie ihre Attraktivität einbüßen. Nun ist die Mutter von Peter M. tatsächlich Sinti; allerdings waren wechselnde Männerbekanntschaften im Milieu von Täter und Opfer nichts Besonderes. Die Mutter von M. verdingte sich als Prostituierte und brachte zehn Kinder von vier Vätern zur Welt, und auch die Freundin des Angeklagten ging auf den Strich. Dem Paar waren Drogen- und Alkoholkonsum nicht fremd, und beide lebten seit geraumer Zeit in einer Beziehung, die von ständig wiederkehrenden Eifersuchtskonflikten, Trennungen und Versöhnungen gekennzeichnet war.

Auch an jenem Silvesterabend, nach einem ausgiebigen Umtrunk am Steintor und in der Wohnung des Angeklagten mit Bier, Wodka und Jägermeister kam es zu einem Streit zwischen dem Paar. Dieser eskalierte, M. schlug der 35-Jährigen mehrfach ins Gesicht, verpasste ihr einen Fußtritt an den Kopf. Dann ging er aus dem Raum, kam mit einem Skalpell in der Hand zurück. „Ich mach jetzt was mit dir, was ich schon immer machen wollte“, soll er gerufen und in einem Atemzug seine Freundin gebrandmarkt haben. Heute sagt er, dass er sich wegen seines erheblichen Alkoholkonsums nicht mehr an Details der Tat erinnern könne, spricht von einem „Filmriss“.

Über die Frage, ob M. aufgrund seiner Alkoholisierung verminderte Schuldfähigkeit zugebilligt werden kann und ob er in Entziehungsanstalt oder psychiatrischem Krankenhaus unterzubringen ist, kam es gestern zu einem heftigen Wortwechsel zwischen Gutachter und Verteidigerin. Der psychiatrische Sachverständige Tobias Bellin meinte, keine übermäßige Alkoholisierung des Angeklagten zur Tatzeit ausmachen und deshalb eine Schuldfähigkeit bejahen zu können. Rechtsanwältin Tanja Brettschneider hingegen beharrte darauf, dass ihr Mandant all seine früheren Körperverletzungen nur unter Alkoholeinfluss begangen habe und man dies berücksichtigen müsse. Die lange Liste von M.s Vorstrafen umfasst zudem Diebstähle, Einbrüche und Betrügereien; schon als Kind war der Angeklagte auf Beutezug gegangen.

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Das Opfer wurde am Dienstag auf Wunsch des Gerichts noch einmal von einem Sachverständigen der MHH begutachtet. Der Arzt sprach davon, dass die Gesichtsverletzung der Frau gut verheilt sei – eine sichtbare Narbe aber wird die 35-Jährige zeit ihres Lebens behalten.

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