Vater stürzt sich mit Tochter in den Tod

Noch kein Motiv für Familien-Drama

Nach dem tödlichen Sturz eines Vaters und seiner Tochter aus fast zwanzig Metern wurden ein Stofftier und Blumen am Unglücksort abgelegt.

Nach dem tödlichen Sturz eines Vaters und seiner Tochter aus fast zwanzig Metern wurden ein Stofftier und Blumen am Unglücksort abgelegt.

Hannover. Die Ermittler gehen weiterhin davon aus, dass der Vater seine Tochter mit in den Tod riss. Was den Mann zu dieser Verzweiflungstat bewegt hat, ist jedoch noch immer unklar. Zunächst hatte die Polizei keine Ausweispapiere oder einen Autoschlüssel bei dem 36-Jährigen oder seiner Tochter sichergestellt. Diese Gegenstände wurden aber später im Krankenhaus in der Kleidung des Toten gefunden. „Beide lebten allein in der Region Diepholz, sie hatten längere Zeit keinen Kontakt zur Mutter“, sagt Polizeisprecher Holger Hilgenberg. Die Mutter des Mädchens wohne in Nordrhein-Westfalen. Sie wurde mittlerweile über den Tod ihrer Tochter informiert. Weitere Kinder hatte das Paar offenbar nicht.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Polizei hat immer noch keinen Hinweis darauf, warum der 36-Jährige sich und seine Tochter tötete. Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler gab es keinen Sorgerechtsstreit. Es ist bislang unbekannt, ob der Täter in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen lebte oder unter einer Krankheit litt. Bei der gestrigen Obduktion konnten die Gerichtsmediziner nur feststellen, dass Vater und Tochter durch den Sturz aus etwa 20 Metern Höhe ums Leben gekommen sind.

Die Beamten haben auch den Wagen des Verstorbenen entdeckt. Der 36-Jährige hatte sein Auto im Parkhaus Lister Turm abgestellt, von dessen Dach er sich und seine Tochter später stürzte. Die Bilder aus den Überwachungskameras des Parkhauses wurden gestern ausgewertet, liefern laut Polizei aber auch keine Hinweise über die Augenblicke unmittelbar vor dem Sprung. Bisher hat sich noch kein Augenzeuge für die Tat bei der Polizei gemeldet.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Gestern Vormittag hatte die Polizei eine weitere Zeugin angehört. Auch sie hat den Sturz der beiden nicht beobachtet. Sie habe Vater und Tochter nur kurz von einem gegenüberliegenden Wohnhaus gesehen. „Die Anwohnerin hat lediglich beobachtet, dass die beiden hintereinander gingen“, sagt ein Polizeisprecher. Drei weitere Augenzeugen hatten die leblosen Körper neben dem Parkhaus entdeckt.

Warum der 36-Jährige ausgerechnet das Parkhaus hinter dem Bredero-Hochhaus für die Tat aussuchte, ist ebenfalls unklar. Der Mann hatte in Hannover keine Verwandten und auch ansonsten keine besondere Beziehung zur Landeshauptstadt, die der Polizei derzeit bekannt ist.
n   Hannoveraner nehmen Abschied: Gestern pilgerten zahlreiche Menschen zum Tatort, um Abschied von dem verstorbenen Mädchen zu nehmen. Auch Kristina Hennieke und Peter Burgmüller radelten sieben Kilometer bis in die Friesenstraße, um ihre Anteilnahme auszudrücken. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie ein Mensch zu so etwas in der Lage ist", sagte die junge Frau, die im April selbst ein Kind zur Welt bringen wird.

Francesca Manoli legte am Nachmittag vor der grauen Parkhauswand, neben der die Achtjährige gestorben war, einen Blumenstrauß ab. Zu diesem Zeitpunkt lagen dort schon mehrere Blumen, Stofftiere und Briefe an das tote Mädchen. „Wie kann man das einem Kind antun, das noch das ganze Leben vor sich hat?“, fragte die 78-jährige gebürtige Italienerin fassungslos.

Von Christian Link 
und Uwe Dillenberg

Mehr aus Hannover

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken