Neustadt

Nutrias vermehren sich in der Leine beträchtlich

Nutrias in Bordenau

Nutrias in Bordenau

Bordenau. Sie trotzen der Kälte in der Leine, nahe Bordenau: Leserin Anne Kiel hat mit ihrer Kamera eine Gruppe Nutrias beim Kuscheln erwischt. Oft werden die pelzigen Flussbewohner auf den ersten Blick mit Bibern verwechselt. Aber im Gegensatz zum zweitgrößten lebenden Nagetier der Erde sind die kleineren Nutrias auch tagsüber aktiv.

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Und so selten wie der Biber sind sie nicht mehr. Die Zahl der Sichtungen hat erheblich zugenommen – ein Zeichen für  die wachsende Zahl der Exemplare in unserer Region. Die Tiere sind so genannte Neozoen, fremdeingewanderte oder angesiedelte Tiere. Sie wurden ursprünglich als Pelzlieferanten nach Deutschland und Europa gebracht.

Nutrias in Bordenau

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Gut zu erkennen sind die ausgewachsenen Einwanderer an ihrem hellen Bart und den leuchtend orangefarbenen Zähnen.

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Glücklichmit dieser Zunahme ist nicht jeder. Holger Machulla, Vorsitzender des Angelvereins Neustadt sagt, die Tiere seien nunmehr flächendeckend in der Region angekommen. „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Populationen stark vergrößern“, erklärt Machulla weiter. Normale Familienverbände bestehen aus 10 bis 15 Tieren. „Ich habe auch schon von Verbänden mit bis zu 30 Tieren gehört. Die dann zu erwartenden Flurschäden könnten immens sein“, sagt Machulla.

Sieht man sie schwimmend, kann die Nutria leicht mit dem Biber verwechselt werden. Die Schwanzform unterscheidet beide aber deutlich. Verwechslungsgefahr besteht auch mit der ebenfalls eingewanderten Bisamratte. Die Nutria ist allerdings deutlich größer. „Ausgewachsenen Tiere können ohne Schwanz bis zu 80 Zentimeter messen und bringen elf Kilo auf die Waage“, sagt Machulla. Während es für Bisamratten bereits ein landesweites Bekämpfungsprogramm gibt, werden Nutrias bisher nur normal bejagt. Heißt, die Tiere unterliegen dem Jagdrecht und dürfen entsprechend von Jägern geschossen werden. Die allerdings seien vorsichtig, sagt Machulla. Schließlich wolle keiner versehentlich einen Biber erschießen.

Das Wildbret soll allerdings gut sein. Im Internet finden sich sogar Kochrezepte für die possierlichen Tiere. Gezüchtete Nutria standen in der ehemaligen DDR als Festtagsbraten hoch im Kurs. Und auch heute scheint die Vorstellung von „Nutria in Pilzsoße“ manchem Waidmann das Wasser im Munde zusammen laufen zu lassen.

„Schäden die speziell Nutrias zugeordnet werden können gibt es noch keine in unserer Region“, sagt Hartmut Müller vom Wasser- und Bodenverband Leineniederung. Auch hier sind die erhöhten Sichtungen der Tiere bekannt. „In den kommenden Jahren könnten die Tiere aber zu einem Problem für die Deiche werden“, sagt Müller weiter. An einer Neuregelung, wie mit der Bekämpfung der Tiere umgegangen werden kann, werde gerade gearbeitet.

Inwieweit die Population ausufern kann ist unklar. Biologen gehen davon aus, das die Vermehrung auf Grundlage der Umweltressourcen zum Beispiel über das Nahrungs- und Platzangebot geschieht. Nutrias drosseln bei Bedarf ihre Fortpflanzung, können diese aber steigern, wenn der Bestand hohe Verluste hinnehmen muss. Ein verstärktes Jagen sei aus dieser Sicht kontraproduktiv.

Scheu sind die possierlichen Tiere nicht. Da sie in unseren Breitengraden keine natürlichen Feinde haben, zeigen sie sich gerne und verstecken sich nicht, wenn Menschen in ihre Nähe kommen, wie es beispielsweise die Bisamratte tut.

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Von Mirko Bartels

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