Garbsen

Öffentlicher Gebetsruf: Was hören wir, wenn der Muezzin ruft, Sümeyra Emrem?

Die Garbsenerin Sümeyra Emrem erklärt, warum der Gebetsruf für die Muslime wichtig ist.

Die Garbsenerin Sümeyra Emrem erklärt, warum der Gebetsruf für die Muslime wichtig ist.

Garbsen. Die Aktion der muslimischen Gemeinden in Garbsen, in der Corona-Krise aus Solidarität öffentlich den Gebetsruf erklingen zu lassen, ist auf Kritik gestoßen. Die Menschen wüssten nicht, was da gerufen werde, ihnen würde eine Religion aufgezwungen, lauten die Argumente. Zudem sei etwa christliches Kirchengeläut in muslimischen Ländern nicht denkbar.

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Die 23-jährige Garbsenerin Sümeyra Emrem ist Muslimin. Sie studiert derzeit in Istanbul islamische Theologie. Im Interview spricht sie darüber, was der Muezzin über Lautsprecher ruft und welche Rolle das Gebet für sie bedeutet.

Jeden Abend nehmen viele Menschen in Auf der Horst und Altgarbsen einen für sie eher ungewöhnlichen Gesang wahr. Was hören wir genau beim abendlichen Gebetsruf?

Der Gebetsruf beinhaltet im Grunde einen sehr einfachen Text. Er ist weder gefährlich noch provozierend, sondern im Gegenteil eine Erinnerung und eine Einladung zum Gebet. Der Ruf beinhaltet grundlegende Inhalte des muslimischen Glaubens. Zu hören ist: Allah ist der Größte. Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt. Ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist. Kommt zum Gebet. Kommt zum Heil. Es gibt keinen Gott außer Allah.

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Wozu werden die Gläubigen aufgerufen?

Der Adhān, also der Gebetsruf, ist die Aufforderung und Einladung zum Pflichtgebet für die Muslime. Man kann es zu Hause beten oder gemeinsam in der Moschee. Das geht natürlich zurzeit nicht. Umso wichtiger ist es deshalb, dass mit dem Gebetsruf gesagt wird: Hey, sei nicht traurig. Bete weiter, aber diesmal zu Hause.

Welche Rolle spielt das Gebet für Sie?

Eine entscheidende Rolle. Man führt eine äußerliche sowie innerliche Reinigung durch, man besinnt sich, man kommt zu Ruhe, man trifft sich auf spirituelle Weise mit seinem Schöpfer. Das Gebet ist nicht nur verpflichtend, sondern auch wichtig für die Seele.

Und wie kann der öffentliche Ruf in der Corona-Krise helfen?

Er bringt Menschen zusammen. Dadurch, dass die Gemeinden ihn erlaubten, haben sie gezeigt, dass wir alle zusammengehören. Auch wenn wir zurzeit nicht in den Moscheen beten können, so bringt er uns auf geistlicher Ebene zusammen. Das gilt jedoch nicht nur für den muslimischen Gebetsruf: Auch die Kirchenglocken, die weiterhin ertönen, geben uns allen das Gefühl der Zusammengehörigkeit und spenden Trost. Das Coronavirus unterscheidet nicht zwischen uns, und wir sollten es auch nicht tun. Das sollten wir unter anderem aus dieser Krise mitnehmen.

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Von Linda Tonn

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