Wechsel zu den "Blauen"?

Parteikritischer Ratsherr Braune verlässt die AfD

Hannover. Auch im Rat der Stadt Hannover hat die AfD jetzt ihren ersten Abgang zu verzeichnen: Nach seiner scharfen Kritik an den Landtagskandidaten der Partei kehrt Ratsherr Tobias Braune seiner Partei und der AfD-Ratsfraktion den Rücken. „Ich trete zum 31. Dezember aus der Partei aus, behalte aber mein Mandat im Rat“, sagt Braune im Gespräch mit der HAZ. Er wolle zunächst Einzelvertreter mit liberal-konservativer Ausrichtung bleiben.

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Braune hatte wenige Tage vor der Landtagswahl einige Aufmerksamkeit erregt, als er die Kandidatenliste der Landes-AfD öffentlich kritisierte. Unter den ersten zwölf Kandidaten halte er nur drei für lernfähig und zumutbar, viele Kandidaten ließen sich von Rassisten unterstützen. Das könne er mit seiner christlichen Gesinnung nicht vereinbaren – und wähle die CDU.

Von dieser Ansicht weicht der Lehrer nicht ab, obwohl er sich von seinen Parteifreunden viel Ärger eingehandelt hat. „Die werfen mir vor, ich sei dafür verantwortlich, dass die AfD bei der Wahl 2,5 Prozent weniger Stimmen bekommen hat als erwartet“, sagt Braune. Die Anhörung in der Fraktion nach seiner Kritik habe einem Tribunal geglichen. Bei seinen Fraktionskollegen führt sein Rücktritt zu Unmut. „Das ist menschlich enttäuschend“, sagt AfD-Fraktionschef Sören Hauptstein. Die Fraktion schrumpft damit auf fünf Mitglieder und ist nun ebenso stark wie die Gruppe Linke/Piraten.

AfD-Mitglieder kritisieren Verhalten

Braune hat wie alle AfD-Mitglieder eine Ehrenerklärung unterschrieben. Damit hat er versichert, dass sein Mandat nach Parteiaustritt an die AfD zurückfällt. Rechtlich ist eine solche Erklärung aber nicht bindend. „Moralisch ist sein Verhalten aber verwerflich“, sagt Hauptstein. Hannovers AfD-Parteispitze beeilt sich jetzt, darauf hinzuweisen, dass Braune zwei Jahre lang seine Mitgliedsbeiträge nicht bezahlt habe. „Wir werden ihm eine Mahnung schicken“, kündigt Hannovers AfD-Chef Jörn König an.

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Jetzt zur „Blauen Partei“?

Braune denkt darüber nach, sich der „Blauen Partei“, gegründet von der ehemaligen AfD-Bundes­chefin Frauke Petry, anzuschließen. „Ich bin damals nicht wegen Björn Höcke in die AfD eingetreten“, sagt er in Anspielung auf den umstrittenen völkisch-nationalistischen AfD-Mann aus Thüringen. Noch hat sich Braune aber nicht endgültig entschieden. Eine Alternative seien auch die „Liberal-Konservativen Reformer“ (LKR), die neue Partei des AfD-Gründers Bernd Lucke. Fürs Erste wird Braune auf seinem Platz im Rat sitzen bleiben, zwischen der AfD und der CDU. „Mit den Christdemokraten verstehe ich mich gut“, sagt er.

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