Abistreiche in Hannover

Party statt Protest!

Foto: Laut, bunt und fröhlich: Die Bismarckschule stellt einen Chemieunfall nach.

Laut, bunt und fröhlich: Die Bismarckschule stellt einen Chemieunfall nach.

Hannover. Der Abistreich gehört zum Abschluss der Gymnasialzeit genauso wie die Zukunftsreden bei der Entlassungfeier, die mit frechen Sprüchen bedruckten Jahrgangsshirts und der Abiball. „Ohne Streich geht es nicht“, sagt Nick Janerka von der Schillerschule in Kleefeld. Schon in der Nacht haben er und seine Mitschüler bunte Klebe-Notizzettel überall auf die Fenster im Gebäude verteilt, Tische auf die Gänge gerückt, Wassereimer darauf gestellt und die Pausenhalle unter Nebel gesetzt. „Ziel ist es ganz klar, den Schulbetrieb zu stören und Unterhaltung zu bieten“, sagt Schüler Joachim Jost.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das Unterhaltungsobjekt sind die Lehrer, aber die nehmen’s mit Humor: „Na klar, machen wir uns zum Affen“, sagt Sportlehrer Norbert Kunze. „Wir haben schon Cha-Cha-Cha getanzt und spontan Lieder einstudiert.“ Während er dies sagt, quälen sich zwei Kollegen gerade in aufblasbare Sumo-Ringer-Anzüge und werfen sich anschließend – vor grölenden Schülern – in der Sporthalle gegenseitig zu Boden. Da haben es die beiden Lehrer, die mit rohen Eiern nach draußen geschickt wurden, um möglichst schnell von Nachbarn im angrenzenden Wohnviertel ein Spiegelei daraus braten zu lassen, besser. Natürlich gewinnt die Frau.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Helene-Lange-Schule in Linden ist an diesem Vormittag ein Flugzeug, und die Abiturienten sind Mitarbeiter einer Airline. Gewissenhaft fragen sie um 8 Uhr früh alle Schüler, später rollen sie mit Servierwagen durch die Flure und verteilen Kaffee, Wasser und natürlich Tomatensaft. Schüler spritzen sich mit Wasser aus Planschbecken nass. Oder fangen Lehrer, denn für jeden Gefangenen haben die Abiturienten Süßigkeiten als Kopfgeld ausgelobt. „Es ist super, dass die Lehrer heute alle mitmachen“, sagt Schülerin Alexandra Kryvets. Denn es habe schon Abistreiche gegeben, da hätten sie sich im Lehrerzimmer versteckt. Auch Schulleiter Joachim Buthe tanzt fröhlich mit bei der „Reise nach Jerusalem“.

Die Bismarckschule simulierte gestern Morgen einen Chemieunfall – stilecht mit Schutzanzügen und blutunterlaufenen Vampirgesichtern. Der Streich habe einen realen Hintergrund, erzählen Tessa Helmke (18) und Ann-Kathrin Schütt (17). Die neuen Rauchmelder im Chemieraum hätten in diesem Schuljahr wiederholt Fehlalarm ausgelöst.

„Es ist witzig, aber früher waren die Abistreiche irgendwie destruktiver, heute sind sie angepasster“, meint Lehrerin Petra Cramer. Lange dauert der Spuk nicht: Nach zwei Stunden Party auf dem Schulhof ist Schluss, der Unterricht geht weiter.

Viele erreichen einen Einserschnitt

Die Abinoten stehen fest: Die Prüfungen sind gelaufen, die Entlassungsfeiern auch. Am Sonnabend feiern viele Schulen ihren Abiball. Eine offizielle Übersicht mit den Prüfungsergebnissen liegt bislang weder beim Landes noch
bei der Stadt vor. Viele Schulen haben der HAZ ihre Resultate vorab gemeldet:

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

An der Helene-Lange-Schule legten 79 Gymnasiasten ihr Abitur ab, die Bestnote war 1,0. An der Humboldtschule bestanden 110 Schüler das Abitur, auch hier wurden zweimal die Traumnoten 1,0 und 1,1 erreicht. Bei der Goetheschule machten 116 Jugendliche den Abschluss, davon drei mit 1,0 – Marie Beyer, Larissa Richter und Sefa Yildiz. Insgesamt haben 29 Abiturienten auf ihrem Zeugnis eine 1 vor dem Komma. An der Elsa-Brändström-Schule gab es erfolgreiche 90 Abschlussprüfungen, Jana Smela hatte mit einem Schnitt von 1,0 das beste Abitur.

Am Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium machten 63 Schüler ihr Abitur, zweimal wurde eine 1,0 erreicht. Der jüngste Abiturient ist gerade einmal 16 Jahre alt. Fünfzig Jahre älter ist eine Abiturientin, die am Hannover-Kolleg gemeinsam mit knapp 100 erwachsenen Mitschülern ihren Abschluss machte. An der IGS Roderbruch bestanden 93 Schüler das Abitur, die Jahrgangsbesten wurden 1,3 bewertet, ein Fünftel der Schüler hat ausländische Wurzeln.

An der Tellkampfschule erreichten 83 Absolventen die Hochschulreife, Bestnote: 1,0. Die IGS Kronsberg meldet 62 bestandene Abiturprüfungen, 1,4 war hier die beste Leistung. An der Leibnizschule haben in diesem Jahr 109 Schüler das Abitur abgelegt. Die Bestnote war 1,0. An der Sophienschule gab es 81 bestandenen Abschlussprüfungen und auch hier lautete die Traumnote von 1,0. An der IGS Linden gab es 92 Abiturienten, 61 von ihnen waren weiblich, die beste Schülerin hatte einen Notendurchschnitt von 1,0. dö

Von Saskia Döhner und Isabel Christian

Mehr aus Hannover

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken