Wedemark

Pflanzen und Tiere erobern die Jürse zurück

Idyllisch und naturbelassen: Seit Jahren unterhält die Gemeinde Wedemark ein Feld an der Jürse als Ersatzfläche.

Idyllisch und naturbelassen: Seit Jahren unterhält die Gemeinde Wedemark ein Feld an der Jürse als Ersatzfläche.

Brelingen. Die Jürse zeigt sich in diesen heißen Tagen fast gar nicht: Dichte Pflanzen überwuchern den kleinen Bach, der bei Mellendorf entspringt, sich dann durch die Wedemark zieht und bei Helstorf in die Leine fließt. Der fehlende Regen der vergangenen Wochen sorgt zudem dafür, dass das schmale Gewässer nur schwer zu erkennen ist. Für Wedemarks Umweltbeauftragte Ursula Schwertmann indes reicht ein Blick über die Wiese, die bei Brelingen an den Bach grenzt, um die Besonderheiten des Areals zu sehen.

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Denn das Feld gehört zu den Renaturierungsprojekten, um die sich die Gemeinde seit etwa zwei Jahrzehnten kümmert. Erworben hat es die Verwaltung vor sechs Jahren, ein Jahr später legten Arbeiter unter Anleitung Schwertmanns und von Heinz Linne, Naturschutzbeauftragter der Region, zwei kleine Teiche an, die zu anderen Jahreszeiten den Amphibien als Laichgewässer und Rehen als Tränke dienen. Dort haben sich inzwischen Erlen angesiedelt: „Das ist gut so, denn die gehören an Gewässer“, sagt die Umweltbeauftragte und ist zugleich zufrieden mit der Entwicklung in und an der Jürse.

Denn vor 30 und mehr Jahren habe die Wasserqualität unter der intensiven Unterhaltung durch die Landwirtschaft, aber auch durch kleine Kläranlagen sehr gelitten. Pflanzen wie das Mädesüß oder der Wasserdost wuchsen deshalb nicht entlang des Bachlaufs, sondern Brennnesseln wucherten als sicheres Beispiel einer Überdüngung. Heute finden Naturfreunde die beiden typischen Gewässerpflanzen, mehr noch: Eine Kartierung von Peter Sprick aus Hannover ergab im Jahr 2014, dass auf der Renaturierungswiese insgesamt 105 Arten wuchsen. „Darunter waren vier, die auf der Roten Liste Niedersachsen stehen“, sagt Schwertmann und fügt durchaus mit Stolz hinzu, dass sich drei davon an den Rändern der neu angelegten Teiche befanden: Späte Segge (Carex viridula), Mittlerer Sonnentau (Drosera intermedia) und Borstige Schuppensimse (Isolepis setacea).

Während der Bach und das Grundstück bei Brelingen sich im Besitz der Gemeinde befinden, kümmert sich der Unterhaltungsverband Untere Leine um die jährliche Mahd. Mehr passiert dort nicht, wie die Fachfrau betont. „Letztlich geht es nur um die unbedingt notwendige Unterhaltung, und das gilt auch für extreme Niederschläge.“ Denn das Wasser könne die Fläche überfluten, ohne dass Häuser betroffen seien. Gemeinsam mit einem Landwirt will Schwertmann in den nächsten Wochen testen, ob Schafe die Mahd ersetzen können – auch rund um die beiden kleinen Teiche. „Das wird keine Weide“, betont sie zugleich mit Blick auf Pferdehalter, die dort gern ihre Tiere unterstellen würden.

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Mehr als 50 Ausgleichsflächen zählt die Gemeinde zu ihrem Eigentum. „Es wird aber immer schwieriger, entsprechende Grundstücke zu finden“, sagt die Wedemärkerin. Dabei würden die Ersatzflächen benötigt, wenn ein Gewerbe- oder ein Baugebiet erweitert oder ausgewiesen werde. Für jedes Areal gebe es eine bestimmte Wertstufe als Beurteilung. Die geringste Wertigkeit bekomme beispielsweise ein Acker, gefolgt von intensiv bewirtschaftetem Grünland. „Je naturbelassener, desto höher die Wertstufe“, lautet Schwertmanns Faustformel. Und deshalb habe sich die Wertigkeit für die Jürse-Wiese inzwischen um zwei Wertstufen gesteigert. „Diese Wertpunkte kann sich die Gemeinde anrechnen lassen“, sagt die Umweltbeauftragte – damit diene das Projekt nicht nur der Natur, sondern auch dem kommunalen Etat. So habe die 5000 Quadratmeter Fläche anfangs die Wertstufe III bekommen, nun lägen Teile sogar bei V. „Damit hat sich der Wert von etwa 15.000 auf nun bis zu 25.000 gesteigert“, sagt Schwertmann mit einem erneuten Blick über die Wiese, auf der sich bei sommerlichen Wetter auf den bunten Pflanzen ungezählte Insekten tummeln. Trotz der Hitze und ohne Regen.

Von Antje Bismark

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