Musikindustrie

Plattenfirma SPV geht in die Insolvenz

Ein Bild aus besseren Tagen: SPV-Chef Manfred Schütz präsentiert Goldene Schallplatten.

Ein Bild aus besseren Tagen: SPV-Chef Manfred Schütz präsentiert Goldene Schallplatten.

Vor fünf Jahren war die Welt noch in Ordnung: Als die Großen der Musikbranche bereits über sinkende Umsätze durch die Konkurrenz von Musiktauschbörsen im Internet klagten, konnte Manfred Schütz, Chef der hannoverschen Plattenfirma SPV, noch selbstbewusst steigende Umsätze verkünden und ein Loblied auf den Mittelstand im Musikgeschäft anstimmen. Man könne flexibler agieren als die Branchenriesen, viele Künstler wünschten die individuelle Betreuung durch kleine Firmen, erklärte er den Erfolg. 20 Jahre alt wurde die weltweit tätige Plattenfirma vom Kronsberg damals, doch heute sieht es anders aus: Im Jahr des 25. Firmengeburtstags musste SPV Insolvenz anmelden.
Die Krise hat jetzt also auch den noch lange tapfer der Marktlage trotzenden Branchenprimus der sogenannten Independentfirmen erwischt, wie die unabhängig von den großen Konzernen wirtschaftenden Musikvertriebe und Plattenlabels in der Branche heißen. Waren vor fünf Jahren bei SPV noch stolze 74 Millionen Euro Umsatz zu verzeichnen, schrumpfte der Umsatz auf rund 34 Millionen im Jahr 2008. "Die Situation hat sich katastrophal verschlechtert", sagt Schütz, Geschäftsführer und Alleingesellschafter der GmbH. "Die Leute wollen immer mehr Musik konsumieren, aber immer weniger dafür bezahlen."

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Zudem erlebe der Einzelhandel weltweit zunehmend stärkere Einbrüche, und einen Schutz wie die Buchpreisbindung gebe es für das „Kulturgut Musik“ nun mal leider nicht. Insolvenzverwalter Manuel Sack erarbeitet jetzt ein Sanierungskonzept, in drei bis vier Wochen sollen Ergebnisse vorliegen, man hofft, möglichst viele der derzeit noch 87 Arbeitsplätze zu erhalten. Der Betrieb der weltweit tätigen Firma, die von Europa über die USA bis Asien Musik-CDs vertreibt, läuft vorerst weiter wie bisher. Die Insolvenz bedeute nicht das Ende von SPV, betont auch Schütz, der in Hochzeiten 125 Mitarbeiter beschäftigt hatte.

Er ist nicht nur Leiter und Inhaber in Personalunion, sondern auch Gründer und Gesicht der Plattenfirma, die seit 1990 an der Brüsseler Straße am Kronsberg ansässig ist. 1984 hatte der gelernte Fotokaufmann seine Firma in der Osterstraße gegründet – die Heavy-Metal-Truppe Metallica war die erste Band, die er unter Vertrag nahm. Bereits neun Jahr zuvor hatte der leidenschaftliche Musikfan den legendären Plattenladen „boots“ in der Oststadt betrieben.

Und Schütz mochte und mag es hart: Auf Metallica folgten bei SPV Motörhead, Helloween und noch jede Menge anderes Edelmetall. Doch auch die Größen des Klassikrock wie Saga, Eric Burdon oder Peter Frampton sind bei SPV zu Hause. Längst hat man aber auch Künstler wie Simply Red, Robin Gibb oder Katja Riemann im Katalog. Seit fünf Jahren gehören auch Hörbücher zum Programm, 800 Titel sind gelistet. Insgesamt hält SPV die Vetriebs- und Verwertungsrechte für etwa 4000 Künstler.

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Rund 350 Musiker und Bands zählen zu den „hauseigenen“, für die SPV neben dem CD-Vertrieb auch Plattenproduktion, Marketing und Promotion erledigt. „Das sind die hohen Kostenfaktoren“, sagt Schütz. Alice Cooper, Whitesnake-Sänger David Coverdale und nach wie vor Motörhead gehören zu den aktuellen Zugpferden. Einen der erfolgreichsten SPV-Künstler jenseits des harten Stils hatte Schütz Anfang 2008 an die neu gegründete Firma tonpool Medien seines ehemaligen Mitgeschäftsführers Kurt Erping in Burgwedel verloren: Xavier Naidoo wechselte zu dem heute sieben Mitarbeiter zählenden Unternehmen für Vertrieb, Marketing und Merchandising.

Für Wirbel hatte Ende 2006 auch die Diskussion um die Fusion mit dem Berliner Musikverlag Jack White gesorgt, der vorrangig Musiker aus der Schlagerbranche zu seinen Lizenzkünstlern zählt. Seine Firma wollte die Mehrheit bei SPV übernehmen, der Plan scheiterte jedoch unter anderem am Einspruch der SPV-Künstler. Man blieb in jeder Hinsicht hart am Kronsberg. Nun ist man selbst zum Härtefall geworden.

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