Neustadt

Poggenhagen: Problemfall 1 ist vom Tisch

Weiträumiges Gelände: Die Geschäftsführer Oliver Gahr und Jens Hackmann, Ortsbürgermeisterin Monika Strecker, Wirtschaftsförderer Uwe Hemens und Stadt-Mitarbeiterin Ulrike Ahrbecker beim Rundgang durch Hallen und Freiflächen.

Weiträumiges Gelände: Die Geschäftsführer Oliver Gahr und Jens Hackmann, Ortsbürgermeisterin Monika Strecker, Wirtschaftsförderer Uwe Hemens und Stadt-Mitarbeiterin Ulrike Ahrbecker beim Rundgang durch Hallen und Freiflächen.

Poggenhagen. In Sachen Industriebrachen hatte das Dorf (2500 Einwohner) im Süden der Kernstadt zuletzt Außergewöhnliches zu bieten: Fünf Hektar Kubald in bester Lage zwischen Dorf und Leine; weitere 9,5 Hektar Dyckerhoff nebst Gleisanschluss - und vergleichbar Kubald einer Vielzahl an Hallen und Werkstätten. Kubald ging vor drei Jahren in die Insolvenz, Dyckerhoff gehört zum französichen Industriekonzern Saint-Gobain, der die Dämmstoffproduktion in Poggenhagen 2015 innerbetrieblich verlagerte.

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"Es wäre natürlich schön, es würde jetzt auch gelingen, für Dyckerhoff Nachnutzer zu finden", sagte Ortsbürgermeisterin Monika Strecker Dienstagvormittag bei einem Pressetermin unter anderem mit Wirtschaftsförderer Uwe Hemens. Anlass war die Vorstellung der Unternehmer, die das Kubald-Areal erworben haben. Oliver Gahr und Jens Hackmann sind gleichberechtigte Geschäftsführer der ComZu GmbH, die ihren Firmensitz aus Garbsen nach Poggenhagen verlegt hat. Unternehmenszweck ist der internationale Handel mit Restposten, Sonderposten und Aktionsware, die ComZu an- und verkauft. Kunden sind national Jawoll und vergleichbare Wiederverkäufer, sind aber vor allem Abnehmer in Ost- und Südosteuropa und im asiatischen Raum. ComZu vertreibt nahezu ausschließlich Waren aus inländischer Produktion, die vielfach zum Schutz anderer Vermarktungswege nur ins Ausland verkauft werden darf.

"Klein, aber fein", sei das Unternehmen, sagt Geschäftsführer Hackmann, "und auf Wachstumskurs". Mitarbeiterzahlen wie Kubald (2014 in Poggenhagen noch etwa 100) hat ComZu nicht zu bieten; schlanke zehn gehören zum Stamm, sind vornehmlich im Warenumschlag beschäftigt. "Wir werden aber durchaus noch Mitarbeiter einstellen", kündigt Gahr an.

Am Standort an der Kubaldallee nutzt ComZu vornehmlich die 1993 erstellte, letzte der Kubald-Produktionshallen (knapp 6000 Quadratmeter) sowie 300 Quadratmeter Büroräume. Wer das Gesamtgelände kennt, weiß: da steht noch einiges mehr. "So um die 4000 Quadratmeter würden wir gerne noch vermieten", sagt Oliver Gahr. Und mitten drin: die schmucke Villa der früheren Unternehmerfamilie - mit weiteren Nebengebäuden. Noch ist offen, was damit geschehen soll - möglich erscheint ein Umbau zu Mietwohnungen oder gewerblichen Räumen. Der Warenumschlag vor Ort sei "im übrigen überschaubar", betont Geschäftsführer Hackmann. Nenngröße seien bisher "um die zehn LKW pro Woche", die das Gelände ansteuern würden. Sicher werde es auch Tage geben, an denen drei oder fünf Transporter kämen, aber dafür bleibe es an anderen entsprechend ruhiger.

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Das Unternehmen:

Kubald an der Kubaldallee: Im Neustädter Land gab und gibt es nur wenige, derart ortsbildbestimmende Unternehmen wie jenes, das Unternehmensgründer Karl-Heinz Kubald 1939 aus Hannover nach Poggenhagen verlegte. Vier Jahre zuvor hatte er sein Unternehmen, Spezialgebiet Licht und Leuchten, in Hannover gegründet. In Poggenhagen schrieb Kubald über Jahrzehnte eine Erfolgsgeschichte. Stetig wuchsen Umsatz wie Produktionshallen. Das Firmengelände zwischen Poggenhagener Straße und Leinewiesen, rings um eine imposante Villa, wurde immer weiter bebaut, dicht an dicht stehen dort Werkhallen. In den 1990er Jahren expandierte Kubald in zuvor ungeahnter Größenordnung, nutzte die neuen, vielversprechenden Märkte in Osteuropa - und verhob sich dabei vermutlich. Immer wieder hieß es, die Expansion in Richtung Osten sei alles andere als glücklich verlaufen. Als sich im Februar 2014 Gerüchte über ernsthafte wirtschaftliche Probleme erhärteten, beschäftige Kubald nach inofiziellen Zahlen in 61 Ländern rund 1500 Mitarbeiter, unter anderem in Polen, Russland, der Türkei und Brasilien. In Poggenhagen waren es zu der Zeit noch etwa 100. Im Juni 2014, 79 Jahre nach Unternehmensgründung, wurde die Produktion eingestellt, die Geräte verkauft, die Belegschaft entlassen. vw

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