Reaktionen auf Foto vorm Rathaus

Politiker empört
 über Rocker-Auftritt

Foto: Gruppenfoto vor dem Neuen Rathaus.

Gruppenfoto vor dem Neuen Rathaus.

Hannover. Leider könne man dagegen nichts unternehmen, solange es keine Störungen gebe. Es müsse aber deutlich gemacht werden, dass Hannover den Hannoveranern und nicht den Hells Angels gehöre.

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Wie berichtet, hatten sich am Freitagabend rund 50 Hells Angels mit ihren Motorrädern vor dem Rathaus versammelt und dort fotografieren lassen. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass Hannovers ehemaliger Hells-Angels-Chef Frank Hanebuth in Spanien voraussichtlich heute aus dem Gefängnis entlassen werden soll. Die Polizei hatte am Freitag lediglich mit ein paar Strafzetteln reagiert, die sie Rockern ausstellte, die mit ihrem Motorrädern über den Bürgersteig gefahren waren. Offiziell hatte sich das hannoversche Charter der Höllenengel rund um Hanebuth 2012 aufgelöst.

CDU-Fraktionschef Jens Seidel meinte, der Antritt der Rockerbande in Reih und Glied vor dem Rathaus sei ein neuer negativer Höhepunkt, der ihn „ziemlich geschockt“ habe. Jetzt müsse der Polizeipräsident klar sagen, wie er künftig mit der Rockerbande umgehen wolle. Es sei die Aufgabe der Polizei nun deutlich zu machen, dass die Landeshauptstadt kein rechtsfreier Raum sei, der von einer Rockerbande beherrscht werde, meinte Seidel. Die Vorgänger von Polizeipräsident Volker Kluwe seien mit einer harten Linie gegen die Hells Angels vorgegangen, das müsse jetzt auch passieren, erläuterte er. „Es reicht nicht aus, wenn die Polizei an die Rocker Knöllchen verteilt“, betonte der CDU-Politiker.

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"Es ist erschreckend, wie martialisch die Rocker aufgetreten sind"

Für die Grünen sagte der stellvertretende Fraktionschef Michael Dette, dass ihn der Vorgang erheblich verwundere. „Es ist erschreckend, wie martialisch die Rocker vor dem Rathaus aufgetreten sind“, sagte er. Diese „Machtdemonstration“ habe ihn beunruhigt, sagte der FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Eigentlich habe er gedacht, dass die Rockerszene in Hannover zurückgedrängt sei. Seit dem Auftritt am Freitag sei er über die Sicherheitslage in Hannover in Sorge.

Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) wollte sich gestern nicht äußern. Ein Rathaussprecher hatte Freitag mitgeteilt: „Solange sich die Hells Angels an Recht und Gesetz halten, können sie sich wie jeder andere Bürger vor dem schönen Rathaus fotografieren lassen.“

Beim Landeskriminalamt wollte man zunächst abwarten, wie sich die Situation in Spanien weiter entwickelt. Erst dann wolle man sich zur erwarteten Freilassung Hanebuths äußern.

Von Mathias Klein 
und Jörn Kießler

Kommentar: Was ist Hannovers Antwort?

Knöllchen gegen eine Gruppe von Rockern aus dem Hells-Angels-Umfeld, die die bevorstehende Freilassung ihres einstigen Anführers Frank Hanebuth feiern? Es ist verlockend, sich über diese Reaktion der Polizei lustig zu machen. Aber lustig ist daran gar nichts. Aufmarsch und Pose der Gruppe, die die Missachtung von Gesetzen und Normen zu ihrem Ehrenkodex gemacht hat, sind eine Kampfansage an Polizei und Verwaltung, an den Rat und an den eigentlichen Souverän: Hannovers Bürger. Dass der Oberbürgermeister am Freitag schwieg, hätte noch als Bedachtsamkeit durchgehen können. Dass er es auch zwei Tage später noch tut, verrät eine Besorgnis erregende Sprachlosigkeit. Oder am Ende gar Hilf- und Machtlosigkeit?

Es dürfte Hannovers Justiz und Stadtverwaltung sehr recht gewesen sein, dass Hanebuth zwei Jahre in spanischer Untersuchungshaft saß und sich die dortige Staatsanwaltschaft um gerichtsverwertbare Beweise zu kümmern hatte. Der Rocker-Aufmarsch zeigt aber, dass das Problem wieder dahin zurückkehren könnte, wo es begonnen hat. Gibt es darauf eine Antwort? Es muss eine bessere sein als Knöllchen.

Von Volker Wiedersheim

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