Lillestoff

Reine Stoffsache

Pünktchen, Blockstreifen oder Blümchen: Daniele Gencalp vertreibt Stoffe, die auffallen.

Pünktchen, Blockstreifen oder Blümchen: Daniele Gencalp vertreibt Stoffe, die auffallen.

Hannover. Als Daniele Gencalp das kuschelige Nähcafé in der Südstadt eröffnete, ahnte sie nicht, dass es der Anfang einer Erfolgsgeschichte sein sollte. Fünf Jahre ist es her, dass Gencalp mit ihrer damaligen Geschäftspartnerin das Nähcafé in der Maschstraße eröffnete – ein Ort, an dem vor allem Mütter sich trafen, Kaffee tranken, nähten und Schnittmuster austauschten. Nähcafés waren damals neu und hip, vergleichbare Orte gab es nur in Berlin. Schnell aber sah Gencalp das finanzielle Potenzial weniger in der Vermietung von Nähmaschinen, als vielmehr in dem Verkauf von Stoffen. Kurz nach der Eröffnung des Cafés gründete sie mit ihrem Mann Güven Gencalp das Unternehmen Lillestoff. Seitdem geht es steil bergauf.

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Nun steht Daniele Gencalp, kurze blonde Haare, hochgeschlossenes Kleid, zwischen den Regalen voller Stoffballen in einer Halle im Gewerbegebiet in Langenhagen. Sie lacht. „Ich kann das alles manchmal selbst nicht glauben“, sagt sie. Auf 1300 Quadratmetern türmen sich Stoffe in fröhlich-bunten Farben, mit Pünktchenmuster, Blockstreifen, Vichykaros und Blümchen. Auf manchen prangen kunstvolle Muster mit Füchsen und Eulen, mit Wikingern auf Booten und mit Feuerwehrmännern vor qualmenden Häusern.

Daniele Gencalp hat sich mit Lillestoff auf den Verkauf von zum Teil quietschbunten, biozertifizierten Kinderstoffen spezialisiert. Produziert wird in einer Fabrik in der Türkei. Das Logo der Internationalen Arbeitsgruppe für den Global Organic Textile Standard (GOTS), das auf Gencalps Stoffen prangt, schreibt einen Mindestanteil von 95 Prozent Biofasern vor. Auch bei den Farben achtet sie auf Bioqualität. „Die Kinder tragen die Stoffe schließlich direkt auf der Haut“, sagt sie.

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Man könnte annehmen, dass die Geschichte von Gencalps Erfolg auch davon erzählt, dass die Konsumenten gelernt haben aus den Skandalen in der Textilindustrie. Fast ein Jahr ist es her, dass in Bangladesch eine Textilfabrik einstürzte, mehr als 1100 Menschen starben. „Die Leute kaufen meine Stoffe, weil sie schön sind. Dass sie Bioqualität haben und fair produziert wurden, ist höchstens nettes Beiwerk“, sagt Gencalp allerdings.

In den Geschäftsräumen von „Lillestoff“ in Langenhagen sorgen 16 Mitarbeiter dafür, dass alles reibungslos läuft. Jede Woche nimmt Gencalps Team neue Ware an. An einer sogenannten Dou­bliermaschine werden die Stoffe in zwei Schichten als Meterware verpackt und von Langenhagen aus in alle Welt versendet.

Der Aufstieg ging schnell. Bis vor einem Jahr hatte Güven Gencalp die Stoffballen noch selbst per Hand vermessen – zum Teil bis tief in die Nacht. Ein Kredit für die Doubliermaschine, die sie für einen mittleren fünfstelligen Betrag anschaffen wollte, wurde zunächst abgelehnt. Bei der Stoffmesse in Köln seien sie anfangs „die Lachnummer“ gewesen mit ihren bunten, biozertifizierten Stoffen. „Unser Stand war winzig“, sagt Daniele Gencalp. Heute ist Lillestoff der europaweit größte Hersteller von biozertifizierten Kinderstoffen. Fachhändler in mehr als 21 Ländern werden von Lillestoff beliefert. Die Muster lässt Gencalp von Designern aus aller Welt entwickeln.

Keine geradlinige Karriere

Dabei ist Betriebswirtschaftslehre eigentlich gar nicht Gencalps Fachgebiet. Die 49-Jährige ist gelernte Krankenschwester. Viele Jahre hat sie in der Anästhesie gearbeitet, im OP sowie auf der Intensivstation für Herz- und Lungen­implantierte.

Unternehmerisches Denken scheint ihr im Blut zu liegen. „Lillestoff“ ist nicht die erste eigene Firma. Als Gencalp die Nachtschichten und Bereitschaftsdienste als alleinerziehende Mutter nicht mehr stemmen konnte, gründete sie eine „Zeitarbeitsfirma für medizinisches Personal“. Die Firma sollte es  ihr ermöglichen, ihre Arbeitskraft Krankenhäusern und ambulanten OP-Zentren anbieten zu können. Der Bedarf war da. Das Unternehmen wuchs rasant. Zu den Höchstzeiten vermittelte Gencalp mit sieben Angestellten rund 150 Pflegekräfte. „Ich habe ein Lücke gesehen und habe sie gefüllt“, sagt Gencalp.

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Ihre Karriere aber verlief nicht geradlinig. Als ihr ältester Sohn am Blinddarm operiert wurde, sollte das eigentlich ein Routineeingriff sein. Doch es kam zu Komplikationen. „Ärztepfusch“, sagt Gencalp. Seit 13 Jahren liegt ihr Sohn Sebastian im Wachkoma. In diesem Jahr wird er 29 Jahre alt. Gencalp pflegt ihn zu Hause. „Am Anfang wollte ich das alles nicht wahrhaben“, sagt sie. „Es hat lange gedauert, bis ich das akzeptiert habe“, fügt sie an.

Lillestoff ist für Gencalp auch eine persönliche Bestätigung. Ideen hat sie noch viele, so viele, dass ein Unternehmensberater ihr nun hilft, die Ideen „zu koordinieren und zu kanalisieren“, wie sie sagt. „Ich würde mich sonst vielleicht verzetteln.“ Als nächstes will Gencalp den US-amerikanischen Markt erschließen. Perspektivisch soll dort eine Niederlassung entstehen. Und auch in Sachen Finanzplanung hat sie klare Vorstellungen: „Wir wollen unseren Umsatz in diesem Jahr verdoppeln“, sagt sie.

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