Bewährungsstrafe für sexuellen Missbrauch

Sanitäter entblößt sich im Chat vor Polizisten

Der Mann stellte Mädchen bei Skype und WhatsApp nach.

Der Mann stellte Mädchen bei Skype und WhatsApp nach.

Hannover. Er suchte in Chatrooms nach jungen Teenagern, um sich vor der Webcam vor den Mädchen zu entblößen. Über den Handy-Nachrichtendienst WhatsApp forderte er seine Opfer zudem zu sexuellen Handlungen auf. Dabei geriet der 22-jährige Mann allerdings ins Visier des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg: Ein Beamter einer Spezialeinheit hatte sich eine Scheinidentität als junges Mädchen zugelegt, um Sexualstraftäter aufzuspüren - und kam Marcel R. so auf die Schliche.

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Jetzt musste sich der Angeklagte vor dem Amtsgericht Hannover wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Verbreitung pornographischer Schriften verantworten. Jugendrichter Jens Buck verurteilte R. zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und 3600 Euro Geldstrafe; das Geld kommt Violetta, der Fachberatungsstelle für sexuell missbrauchte Mädchen, zugute.

In die Falle der Polizei war der 22-jährige Sanitäter im Juni 2013 getappt: Er hatte über einen Chatroom des Internetdienstes Skype Kontakt zu einem vermeintlich zwölfjährigen Mädchen aufgenommen. Doch hinter dem Foto, das er auf seinem Computerbildschirm sah und vor dem er - bei eingeschalteter Kamera - onanierte, verbarg sich ein Ermittlungsbeamter. Es dauerte bis September, bis die Fahnder die Identität von Marcel R. herausgefunden und seine Wohnung in Langenhagen durchsucht hatten. Dabei entdeckten sie, dass der Mann wenige Wochen zuvor per WhatsApp mit einem weiteren zwölfjährigen Mädchen - diesmal einem echten - Bekanntschaft geschlossen hatte. Er gab sich zunächst als 16-Jähriger aus, um das Vertrauen des Kindes zu gewinnen, stockte dann sein Alter Stück für Stück auf. Am Ende gab es mehrere Telefonkontakte, bei denen er das Mädchen mit seinen sexuellen Fantasien belästigte.

Die Zwölfjährige wurde Opfer von „Cyber-Grooming“, wie die sexuell motivierte Annäherung von Erwachsenen an Kinder per Scheinidentität genannt wird. Paragraph 176 des Strafgesetzbuches zum sexuellen Missbrauch von Kindern benennt dieses Delikt sehr klar. Demnach wird mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren belegt, wer auf Personen unter 14 Jahren „durch Vorzeigen pornographischer Abbildungen, durch Abspielen von Tonträgern pornographischen Inhalts oder durch entsprechende Reden einwirkt“.

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Zeugen mussten in der Verhandlung nicht aussagen. R.s Verteidiger Jürgen Dammeyer hatte im Vorfeld einen Deal mit dem Gericht ausgehandelt: Für ein volles Geständnis stellte es dem Mandanten eine Bewährungsstrafe von neun Monate in Aussicht.

Die Bemühungen von Jens Buck, vom Angeklagten im Anschluss an sein Geständnis Näheres zu seinen sexuellen Neigungen und möglichen Therapieversuchen zu erfahren, verliefen jedoch im Sande. R. bestritt sogar, überhaupt pädophil veranlagt zu sein. Doch die Warnung des Richters war eindeutig: „Wenn Sie diesen Weg weitergehen, landen Sie im Gefängnis.“ Die Bewährungszeit legte Buck auf drei Jahre fest. In diesem Zeitraum darf der Sanitäter auch nicht auf die Internetdienste WhatsApp und Skype zugreifen.

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