Tödlicher Diskostreit

Sieben Jahre Haft für Todesschüsse an der Goseriede

Das Opfer war nach der Schlägerei in das Auto eines Bekannten geflüchtet und wurde dort beim Wegfahren von einem Schuss durch die Heckscheibe getroffen.

Das Opfer war nach der Schlägerei in das Auto eines Bekannten geflüchtet und wurde dort beim Wegfahren von einem Schuss durch die Heckscheibe getroffen.

Hannover. Der Mann, der am Morgen des 2. Juni 2012 an der Goseriede den 32-jährigen Garbsener Sunay S. erschoss, ist zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Das Schwurgericht befand Vural T. des Totschlags in einem minder schweren Fall sowie des unerlaubten Waffenbesitzes für schuldig. Der 36 Jahre alte Elmshorner muss der Familie des Opfers zudem die Beerdigungskosten von 1800 Euro bezahlen. Nach der Verhandlung verlor der Bruder von S. die Beherrschung. Lautstark beschimpfte er den Täter auf Türkisch und drohte ihm Blutrache an. Der Vater des Opfers beruhigte seinen tobenden Sohn und führte ihn aus dem Gerichtssaal.

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Die Staatsanwältin war in ihrem Plädoyer ebenfalls von einem minder schweren Fall von Totschlag ausgegangen und hatte acht Jahre Haft gefordert. Sie wies auf die Vorgeschichte hin, wonach sich T. und ein Mitglied der türkischen Gruppe aus Garbsen wegen einer Frau gestritten hatten. Dem Schützen sei zugute zu halten, dass er vor der Tat zusammengeschlagen worden war und sich in „affektiver Erregung“ befand; trotzdem habe er vorsätzlich auf seinen Kontrahenten gezielt. Die Anwälte der Nebenkläger – die Familie des Opfers – sprachen von einem besonders schweren Fall des Totschlags. „Das war eine eiskalte Hinrichtung“, erklärte Anwalt Lemke-Küch. Auch Anwalt Fritz Willig prangerte die von T. geübte „Selbstjustiz“ an. Demgegenüber sprachen T.s Verteidiger Tawfeek Matani und Bastian Quilitz von „putativer Notwehr“ ihres Mandanten. Nachdem er verprügelt worden sei, habe T. einen erneuten Angriff befürchtet. Er habe nur Warnschüsse abgefeuert, die tödliche Kugel sei ein Querschläger gewesen.

Nach Ansicht des Gerichts hätten die Sachverständigen glaubhaft dargelegt, dass dies nicht stimme, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch. Das tödliche Geschoss sei direkt durch die Autoheckscheibe in den Kopf des Opfers gedrungen. Trotz eines Blutalkoholwerts von 1,34 Promille halte man den Täter für voll schuldfähig. Dieser sei „wütend und gekränkt“ gewesen, habe sich aber in keiner Notwehrsituation befunden. „Sie nahmen billigend in Kauf, dass auch Unbeteiligte hätten verletzt oder getötet werden können“, sagte Rosenbusch zu T. Das Opfer habe die Tat mit der Prügelei provoziert, die tödlichen Schüsse seien letztendlich durch ein „völlig blödsinniges Imponiergehabe auf beiden Seiten“ verursacht worden. Verteidiger Matani kündigte an, in Revision gehen zu wollen.

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