Fehlende Statistik

Sind illegale Autorennen in Hannover nur „Einzelfälle“?

Kirchdorfer Rehr bei Barsinghausen: Dort starben am 25. Februar zwei kleine Jungen bei einem Autounfall. Die Eltern wurden schwer verletzt.

Kirchdorfer Rehr bei Barsinghausen: Dort starben am 25. Februar zwei kleine Jungen bei einem Autounfall. Die Eltern wurden schwer verletzt.

Hannover. Trotz schwerer Unfälle in den vergangenen Wochen spricht die Polizei Hannover noch von „Einzelfällen“. Gemeint sind illegale Autorennen. Polizeisprecher Michael Bertram: „Die polizeilich aufgenommenen illegalen Kraftfahrzeugrennen lagen im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion (PD) Hannover jährlich im unteren Bereich.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der Polizeisprecher räumt aber ein, dass es sicher ein „vorhandenes Dunkelfeld“ gibt. Sei es, weil die Rennen schnell vorbei seien oder es keine Zeugen gebe. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass die PD Hannover keine Statistik über illegale Rennen führt. „Aus technischen Gründen können wir kein aussagekräftiges Lagebild zu illegalen Kraftfahrzeugrennen liefern. Hintergrund ist, dass dieses Delikt in unserer Software nicht gesondert ausgewertet werden kann“, sagt Pressesprecher Bertram.

Hauptstadt der Raser ist Berlin

Kürzlich waren bei einem Unfall bei Barsinghausen zwei kleine Kinder ums Leben gekommen. Es besteht der Verdacht, dass die Unfallfahrerin (39) sich beim Überholen ein Rennen mit einem gleichaltrigen Fahrer geliefert habe. Sollte sich das bestätigen, drohen den beiden Fahrern Gefängnisstrafen von bis zu zehn Jahren. Am ersten Märzwochenende wurden bei einem Unfall in der Sallstraße (Südstadt) neun Autos beschädigt und eine Person leicht verletzt. Alles nur Einzelfälle?

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

In Köln (Nordrhein-Westfalen) gibt es eine eigene Dienststelle für die Aufklärung illegaler Autorennen. Knapp unter 100 angezeigter illegaler Rennen zählt Dienststellenleiter Jürgen Berg jedes Jahr in Köln. In erster Linie überwachen seine Kollegen die Tuner-Szene. Wer mit breiten Reifen, Heckspoiler und tiefergelegter Karosserie unterwegs ist, lässt sich eher auf ein motorisiertes Kräftemessen ein als gewöhnliche Autofahrer, sagt die Erfahrung den Beamten. Laut Berg sind die typischen Raser „junge Männer, die im Leben noch nichts erreicht haben“. Sie holten sich ihre einzige Bestätigung im Leben über ihr Auto.

Hauptstadt der illegalen Rennen scheint aber Berlin zu sein. Dort hat die Polizei seit 2017 mehr als 1200 illegale Autorennen registriert. Kriminalisten beobachten, dass es in Berlin Überschneidungen der Raserszene mit dem Clan-Milieu gibt. In anderen Städten hingegen mit der Rockerszene.

Der Zusammenhang zwischen illegalen Rennen und Tunern ist auch in Hannover bekannt. „Wir verfügen beim Zentralen Verkehrsdienst über Spezialisten für die Themenbereiche Tuning und Posing“, sagt Polizeisprecher Bertram. Sie bildeten Kollegen im Einsatz- und Streifendienst über unzulässige Veränderungen an Fahrzeugen aus. Bertram: „Wir haben jetzt in jeder Dienststelle entsprechend ausgebildetes Personal.“

Von Thomas Nagel

Mehr aus Hannover

 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen