Krieg gegen die Ukraine

So bereiten sich Hilfsorganisationen aus Hannover auf Ukraine-Flüchtlinge vor

Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz, unter anderem Träger der Unterkunft an der Kampstraße in Misburg (links), stellen sich auf erhöhten Bedarf durch Geflüchtete aus der Ukraine ein.

Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz, unter anderem Träger der Unterkunft an der Kampstraße in Misburg (links), stellen sich auf erhöhten Bedarf durch Geflüchtete aus der Ukraine ein.

Hannover. Der Angriffskrieg Russlands hat viele Menschen aus der Ukraine zur Flucht bewegt – nach derzeitigem Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks etwa 368.000 Menschen. Die EU hat bereits angekündigt, unbegrenzt Ukraine-Flüchtlinge aufzunehmen. Auch Hannover bereitet sich auf die Unterbringung von Geflüchteten vor. Die regulären Unterkünfte sind allerdings "nahezu ausgelastet", wie Stadtsprecherin Christiane Merzbach schon in der vergangenen Woche mitteilte. Die Stadt prüfe "derzeit eine mögliche Nutzung von weiteren Objekten als Notunterkünfte, um kurzfristig zusätzliche Kapazitäten zu schaffen".

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Caritas sieht erhöhten Betreuungsbedarf

Betrieben werden die Flüchtlingsunterkünfte von verschiedenen Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz oder dem Caritasverband Hannover. Wie bereiten sich die gemeinnützigen Vereine und Initiativen aus der Region auf zu erwartende Flüchtlingsströme vor? „Grundsätzlich ist für die Unterbringung von Flüchtlingen, auch in den Wohnheimen in unserer Trägerschaft, die Stadt Hannover zuständig“, erklärt Caritas-Sprecherin Christiane Kemper. „Aber natürlich stehen wir der Stadt jederzeit als Partner für die Versorgung und Betreuung der Flüchtlinge zur Verfügung.“ In Hannover bereite sich der Verband auf einen erhöhten Beratungs- und Betreuungsbedarf vor, wenn erste Flüchtlinge aus der Ukraine nach Hannover kommen.

Familienzusammenführung ist zentrales Thema

Auch beim Deutschen Roten Kreuz liegt der Fokus aktuell noch auf der Hilfe vor Ort. Humanitäre Hilfsgüter werden an die Grenze und vor allem nach Polen geschickt. Unvorbereitet tritt die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe des DRK dem bevorstehenden Mehraufwand in Hannover aber nicht entgegen. „Wir sind auf einen erhöhten Bedarf eingestellt und schon im Austausch mit den Behörden“, sagt eine Sprecherin. Dabei geht es unter anderem um Aufnahme und Verteilung von Flüchtlingen. „Ein wichtiger Punkt ist für uns die Familienzusammenführung. Darauf muss geachtet werden.“ Das betont auch der Caritas-Verband. „Wir bieten Unterstützung im Rahmen von Familienzusammenführungen, also von Menschen aus der Ukraine, die in Stadt und Region Hannover Angehörige haben“, sagt Sprecherin Kemper.

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Die Flüchtlingsunterkunft in der Mecklenheidestraße in Stöcken wird von den Johannitern betrieben und zählt zu den neuesten in Hannover.

Die Flüchtlingsunterkunft in der Mecklenheidestraße in Stöcken wird von den Johannitern betrieben und zählt zu den neuesten in Hannover.

Auch die Johanniter Hannover betreiben in der Stadt sieben Unterkünfte für Geflüchtete oder Wohnungslose. Besondere Vorbereitungen werden aktuell nicht getroffen. „Wir prüfen intern unsere Möglichkeiten“, sagt ein Sprecher. Austausch mit Ländern wie Moldau oder Polen, die erste Zielländer der Ukrainer sind, bestehe permanent. Mögliche Hilfsaktionen werden aber zentral koordiniert. „Da hilft es nicht, wenn jeder auf eigene Faust handelt“, so der Sprecher.

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Rechtslage erschwert Beratung von Ukraine-Flüchtlingen

Neben Wohnraum brauchen Flüchtlinge auch Unterstützung bei Fragen zum Aufenthaltsstatus, zur Arbeitssuche, zur Gesundheit oder zu Schul- oder Kindergartenplätzen. Die Arbeiterwohlfahrtsorganisation (AWO) bietet Beratung zu diesen und weiteren Fragen an. Felix Gähler, Sprecher der AWO Hannover, berichtet von bürokratischen Hürden. „Aktuell ist die Lage noch sehr unsicher, weil der Aufenthaltsstatus nicht geklärt ist.“ Menschen aus der Ukraine dürfen ohne Visum einreisen und bis zu 90 Tage bleiben. Einen Asylantrag müssen sie nicht stellen. Da sie rechtlich dann aber nicht als Geflüchtete gelten, fielen viele Fragen gar nicht in den Zuständigkeitsbereich der AWO-Flüchtlingsberatung.

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Lesen Sie auch:Warum die Verteilung von Flüchtlingen so kompliziert ist

"Vieles hängt am Aufenthaltsstatus, das betrifft sämtliche Bereiche von der Wohnungssuche bis zum Kita-Platz", erklärt Gähler. Hilfe biete die AWO trotz der unklaren Situation selbstverständlich trotzdem schon. "Momentan melden sich vor allem Angehörige aus Hannover, die Verwandte in der Ukraine haben." Zunächst geht es dabei vor allem um mögliche Unterkünfte – die bekanntermaßen knapp sind. Gähler verweist daher auf die Initiative "Gastfreundschaft Ukraine", über die Privatpersonen Wohnraum für Geflüchtete anbieten. Wer für einen bestimmten Zeitraum ein Zimmer frei hat, kann sich dort registrieren.

Von Tobias Kurz

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