Wedemark

Stadtgarten hat Rezept gegen Personalnot

Pflegedienstleiterin Stefanie Unger (links) und Einrichtungsleiterin Helga Müller-Isernhagen tauschen sich mit Bürgermeister Helge Zychlinski über aktuelle Themen aus.

Pflegedienstleiterin Stefanie Unger (links) und Einrichtungsleiterin Helga Müller-Isernhagen tauschen sich mit Bürgermeister Helge Zychlinski über aktuelle Themen aus.

Bissendorf. 93 Plätze für die Dauerpflege hält das Senioren-Pflegeheim „Stadtgarten“ mitten in Bissendorf vor, und das inzwischen mehrfach baulich erweiterte Haus am Tattenhagen ist über das ganze Jahr fast immer voll belegt. Das Personalproblem wird mit einem ungewöhnlichen Konzept gelöst.

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Personal, Personal, das ist das Dauerproblem, zu dem sich Einrichtungsleiterin Helga Müller-Isernhagen und Bürgermeister Helge Zychlinski bei einem Besuch mit ihren beiderseitigen Sorgen die Hand reichen konnten. Denn ob im Pflegebereich, in der kommunalen Kinderbetreuung oder in der Gemeindeverwaltung – Fachpersonal wird händeringend gesucht. Dabei können die Bewohner des Stadtgartens, die Angehörigen und der Personalstamm von der vorausschauenden Planung eines doch größeren Trägers profitieren.

Die Trägergesellschaft AR Seniorendienste, ein Familienbetrieb, betreibt zwei Pflegeheime in Burgdorf und zwei in der Wedemark: Stadtgarten in Bissendorf und Waldgarten in Bissendorf-Wietze. „Dort erweitern wir gerade und bauen aus. Aus den 26 Plätzen werden 52 insgesamt“, berichtete Müller-Isernhagen in dem Gespräch. Während der Stadtgarten von Pflegebedürftige bevorzugt wird, die auch gerne kleine Gänge in das Dorf machen, bietet Waldgarten Ruhe in der Natur.

Kommune und Pflegebranche eint Personalnot

Im Stadtgarten im Ortskern wohnen aktuell 93 Pflegebedürftige, darunter zwei Ehepaare, erläuterte Pflegedienstleiterin Stefanie Unger. Eingestreut in die Dauerpflege werden bei Bedarf stationäre Kurzzeitpflegeplätze für einige Tage zur Entlastung von Angehörigen ermöglicht. Da es nicht für alle Krankheiten Spezialeinrichtungen der Kurzzeitpflege gibt, nimmt der Stadtgarten Müller-Isernhagen zufolge auch jüngere Patienten mit Down-Syndrom oder Multipler Sklerose für einige Tage bei Bedarf stationär auf. Die sogenannte Tagespflege nur über den Tag bietet ein anderer Träger in Bissendorf an.

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Im Stadtgarten kommen die meisten Bewohner aus der Wedemark; andere, die von weiter her für diese Plätze zuziehen, haben meist Angehörige in Bissendorf, verdeutlichte die Leitung. Mit 65 Prozent machen Frauen den deutlich größeren Anteil aus, die älteste Bewohnerin derzeit ist 99 Jahre alt. Der Altersschnitt liegt bei 80 Jahren. „Das Heimeintrittsalter lag früher niedriger“, weiß die Leiterin. „Vor allem Alleinstehende kümmern sich eher um das Thema Pflege im Alter. Ansonsten fragen meist erst bei Krankheitsereignissen die Angehörigen nach.“

52 Mitarbeiter, teils in Teilzeit, kümmern sich im Stadtgarten um die Bewohner, die in Pflegegrade von 1 bis 5 eingestuft sind. „Das Personal ist das größte Problem. Deutsche Fachpflegekräfte sind auf dem deutschen Markt kaum noch zu finden“, verdeutlichte Müller-Isernhagen. Als größeres Unternehmen mit größerem Bedarf an Pflegekräften holt AR schon seit einigen Jahren ausländische Pflegekräfte ins Land und schult sie. Den Aufwand, um diese für die Anforderungen als Pflegefachkraft hier fortzubilden, könne wiederum nur ein größerer Träger übernehmen, betonte Müller-Isernhagen. Das Unternehmen AR trage als Vorleistungen auch die Unterbringung in Burgdorf und sorge für einen Fahrdienst in die Wedemark.

Hohe Hürden für ausländische Fachkräfte

Für ausländische Arbeitskräfte, selbst wenn sie in ihrer Heimat schon ausgebildete Gesundheits- und Krankenpfleger waren, ist der Weg lang, bis das Landesamt für Soziales in Lüneburg die Erlaubnis auch für die Arbeit hier als Fachkraft erteilt. „Sie absolvieren bei uns in Burgdorf einen Sprachkursus über sieben Monate. Dann muss, teils über Eignungsprüfungen, die Ausbildung noch anerkannt werden“, schilderte die Stadtgarten-Leiterin.

Seit drei Jahren machen Haus und Bewohner gute Erfahrungen mit indischen Fachkräften, nachdem in den Jahren davor erst polnische, dann spanische Bewerber geschult und eingesetzt wurden. „Wir haben jetzt mehrere indische Kräfte bei uns. Sie tragen auch dazu bei, dass mehr Männer in der Pflege tätig sind“, machte Müller-Isernhagen deutlich. Insgesamt müsse die Einrichtung wie andere in diesem Bereich eine Fachkraftquote von 50 Prozent sichern. „Darauf, dass die Quote eingehalten wird, achtet die Heimaufsicht der Region Hannover.“

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„Sie haben hier ein Modell gefunden, das hilft. Aber es muss noch mehr passieren“, bestätigte Bürgermeister Helge Zychlinski die Bemühungen, die deutschlandweite Herausforderung zu meistern. Es müsse auch ein Einreisegesetz geben, das Einreise, Arbeitserlaubnis und ein Bleiberecht auf Dauer regele ebenso wie die Integration dieser Familien. Als Bürgermeister sehe er zugleich, dass kaum Mietwohnungen zur Verfügung stehen. „Wir müssen beim Wohnraumbau – nicht Hausbau – deutlich mehr machen für ein Segment, wo die Einkommen nicht hoch sind.“

Von Ursula Kallenbach

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