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Stiftung darf keine Wohnungen bauen

22.000 Quadratmeter Brachgelände mitten in der List zwischen Lister Damm und Höfestraße – und dabei soll es zunächst auch bleiben, weil Wohnungsbau nicht erlaubt wird.

22.000 Quadratmeter Brachgelände mitten in der List zwischen Lister Damm und Höfestraße – und dabei soll es zunächst auch bleiben, weil Wohnungsbau nicht erlaubt wird.

Hannover. Seit Jahren liegt ein 22.000 Quadratmeter großen Areal mitten in der List brach. Der Eigentümer, die Berneburg-Stiftung, hat der Stadt ein Konzept vorgelegt, das eine Bebauung mit einem Bürohaus und etwa 80 Wohnungen vorsieht. Doch die Stadt lehnt ab. Im Bauausschuss des Rates gab es eine engagierte Debatte – und am Ende eine knappe Mehrheit gegen die Wohnbebauung. Alle Oppositionsparteien von CDU bis Linke sprachen sich hingegen für den Wohnungsbau aus.

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So sieht das Bebauungskonzept von BKSP-Architekten (Architekt Ronczka) für das Areal aus  Vorne befindet sich die Höfestraße, links die Wöhl

So sieht das Bebauungskonzept von BKSP-Architekten (Architekt Ronczka) für das Areal aus.  Vorne befindet sich die Höfestraße, links die Wöhlerstraße, rechts zweigt von der Höfestraße der Lister Damm nach Norden ab. Einige der Gebäude sollen bleiben (etwa das gezachte links unten an dem Gelände und das gewundene rechtwinklige Gebäude links unten auf dem Gelände), die Gebäude dazwischen aber wären Neubau.

Das Thema ist ein echtes urbanes Dilemma. Die Stadt benötigt dringend Wohnraum – aber sie braucht ebenso sehr Reserveflächen für die Ansiedlung mittelständigen Gewerbes. „Hannover wächst, aber die Menschen müssen ja irgendwo arbeiten“, sagte FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke und verwies auf München, wo Handwerksbetriebe inzwischen ins Umland auswichen, weil sie in der Stadt keine Flächen mehr fänden. Tatsächlich ist das Areal an der Kreuzung von Lister Damm und Wöhlerstraße Teil eines Gewerbegebiets, das die Stadt seit Jahren gezielt für Mittelständler entwickelt. Auf der Fläche hatte das Straßenbauunternehmen Berneburg seinen Stammsitz. Die Firma gibt es nicht mehr, der Eigentümer hat das Gelände in eine Stiftung überführt, die anthroposophische Projekte wie etwa Gut Adolphshof, Schulbauten und Sakralprojekte unterstützt.

Die CDU forderte im Bauausschuss, dass die Stadt eine Umwandlung von Gewerbe- in ein Mischgebiet zulassen möge. „Auf dem Gelände findet seit zehn Jahren kein Gewerbe mehr statt“, sagte CDU-Ratsherr Lars Pohl. Seine Parteikollegin Georgia Jeschke findet: „Es ist eine ideale Situation, wenn ein Investor Wohnungsbau vornehmen will.“ Südlich grenze ohnehin ein Wohngebiet an, dieses werde durch die Planung erweitert. Zum Gewerbegebiet, wo gelegentlich Lärm erzeugt wird, will die Stiftung ein höheres Bürogebäude als Schallschutz bauen.

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Unterstützung bekam die CDU von allen anderen Oppositionsparteien. „Die Stadtbevölkerung wächst zahlenmäßig nicht mehr, weil die Menschen nicht genug Wohnungen finden“, sagte Dirk Machentanz (Linke). Als einen „ausgezeichneten Vorschlag“ bezeichnete Hannoveraner-Ratsherr Gerhard Wruck die Idee der Stiftung: „Das gibt wunderbares Wohnen in parkähnlicher Umgebung.“ Auch Reinhard Hirche (AfD) stimmte dem CDU-Antrag zu.

Vertreter von SPD, Grünen und FDP dagegen versicherten, dass sie sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und auch mit der Stiftung gesprochen hätten. „Es ist keine leichte Abwägung – aber auch Gewerbe ist wichtig für eine Großstadt wie Hannover“, sagte Lars Kelich (SPD). Elisabeth Clausen-Muradian (Grüne) wies darauf hin, dass das Gewerbeareal am Lister Damm ein Modellprojekt für mittelständische Unternehmensentwicklung sei – gerade dort dürfe man keine Flächen herausnehmen.

Und wie geht es nun weiter? Stiftungs-Geschäftsführer Hanno Haccius ist etwas enttäuscht – auch wenn er beide Seiten verstehen kann. Er hält das Grundstück, das derzeit zum Teil noch mit alten Hallen aus den Zeiten des Straßenbauunternehmens bebaut ist, für wenig geeignet für Büroneubauten: „Der Standort ist nicht gut genug mit öffentlichem Nahverkehr erschlossen – Betriebsräte legen bei Neuansiedlungen inzwischen viel Wert auf solche Faktoren. Derzeit komme für die Stiftung aber auch kein Verkauf der Fläche infrage. Deshalb bleibe es auf absehbare Zeit: ein Brachgelände mitten in der List.

Von Conrad von Meding

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