Neue Regeln

Straßenmusik: Wie laut ist zu laut?

Sollen auch weiterhin spielen dürfen: Straßenmusiker Lars und Karsten in der Großen Packhofstraße.

Sollen auch weiterhin spielen dürfen: Straßenmusiker Lars und Karsten in der Großen Packhofstraße.

Hannover. Eine junge Frau spielt auf dem Ernst-August-Platz Melodien auf ihrer Querflöte, zweihundert Meter entfernt auf dem Platz der Weltausstellung hämmert ein Musiker auf eine Art Zither ein. Soll die Flöten-Darbietung toleriert, der Zitherspieler aber vom Platz gejagt werden? Die Stadtverwaltung will die Vorschriften für Straßenmusikanten verschärfen. „Besonders laute“ Musikinstrumente sind nicht erlaubt – dazu zählt die Stadt neben Trommeln auch Saxophone. So steht es in der „Allgemeinverfügung Straßenmusik“, die seit Mai 2017 inkraft ist. Dort ist auch zu lesen, dass Musiker alle halbe Stunde den Standort wechseln und mindestens 100 Meter weiterziehen müssen. Zudem muss eine Spielerlaubnis bei der Verwaltung beantragt werden.

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Unterschiede

Jede Kommune kann den Umgang mit Straßenmusik anders gestalten.

Den Grünen missfällt das, sie sehen die „kulturelle Vielfalt“ in Gefahr. „Es ist doch lächerlich, wenn wir uns als europäische Kulturhauptstadt bewerben, aber faktisch die Straßenmusiker vertreiben“, sagt Grünen-Kulturexperte Daniel Gardemin. Zudem schaffe die Stadt, immerhin City of Music, Fakten, indem sie schon im Mai strengere Regeln in ihre Satzung geschrieben hat. „Die Stadt hat die Daumenschrauben angezogen, ohne im Vorfeld die Politik einzubinden“, sagt Gardemin.

Neue Vorschriften sind kaum anders

Den Vorwurf weist die Verwaltung weit von sich. Es gebe keine schärfere Regelung, die an der Ratspolitik vorbei aufgestellt wurde. „Das entbehrt jeder Grundlage“, sagt Stadtsprecher Udo Möller. Über die neuen Vorschriften könne die Politik in den kommenden Wochen beraten und dann eine Entscheidung treffen. Inkraft seien bis dahin die alten Regeln.

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Tatsächlich unterscheiden sich alte und neue Vorschriften kaum voneinander. Im neuen Ordnungskonzept sind die möglichen Standorte für Straßenmusiker detaillierter aufgeführt. Und auch die Zeiten sind genauer geregelt. Musiziert werden darf künftig nur zwischen 12 und 20 Uhr. Die Darbietung darf nicht länger als 30 Minuten zu Beginn einer vollen Stunde dauern. Alle zwei Stunden müssen Musiker den Ort wechseln. Unterm Strich heißt das: Die alten Vorschriften reichen offenbar im Grunde schon aus, wenn sie denn beachtet würden.
Die City-Händler klagen allerdings über Dauerbeschallung vor ihren Ladentüren. "Es ist extrem lästig, stundenlang dieselben drei bis vier Lieder zu hören", sagt Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft. Daran habe sich in diesem Sommer nichts geändert. Er maße sich nicht an, die musikalische Qualität zu beurteilen, entscheidend sei vor allem der Ortswechsel nach einer gewissen Spielzeit. "Ein halbstündiger Takt ist der richtige Weg", sagt Prenzler.

Dieser Weg könnte schon jetzt, auf Grundlage der alten Vorschriften beschritten werden. „Offenbar hapert es nur daran, dass die Verwaltung nicht genügend kontrolliert“, sagt Grünen-Politiker Gardemin. Damit dürfte er nicht ganz falsch liegen.

Andere Städte, andere Sitten

Weil sich an Straßenmusik fast überall die Geister scheiden, gibt es auch eine Menge unterschiedlicher Regelwerke. Am striktesten geht München vor, das pro Tag nur zehn Erlaubnisse erteilt und Aspiranten vorher durch eine Jury testen lässt. Auch in London darf niemand mehr ohne Lizenz auf der Straße musizieren.

Liberaler handhabt man es in Köln oder Berlin. In der Bundeshauptstadt erteilen die einzelnen Bezirke Genehmigungen. Zwar ist die U-Bahn Tabuzone, was aber oft nicht eingehalten wird. Köln hat zuletzt die Genehmigungspraxis dahingehend verschärft, dass einzelne Straßenmusiker oder Musikbands nur noch im Mindestabstand von 500 Metern zueinander auftreten dürfen.
Ähnlich wie Hannover reguliert Ludwigsburg in Baden-Württemberg die Straßenmusik, veranstaltet aber regelmäßig ein Straßenmusikfestival. Homburg hat Straßenmusik zudem zum Thema eines verkaufsoffenen Sonntags gemacht. se     

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