Erste Hilfe

Student rettet Tennis-Mitspieler nach Herzinfarkt

Ein Defibrillator rettet Leben: MHH-Oberarzt Christian Napp, Ertshelfer Lennart Stalp, Patient Mirko Philipp und Prof. Johann Bauersachs (von links).

Ein Defibrillator rettet Leben: MHH-Oberarzt Christian Napp, Ertshelfer Lennart Stalp, Patient Mirko Philipp und Prof. Johann Bauersachs (von links).

Hannover. Mirko Philipp hat echtes Glück gehabt. Weil einige Menschen um ihn herum sofort reagiert haben, als er am 31. Januar plötzlich beim Tennistraining im Sportpark Isernhagen zusammenbrach. Und weil ein Gerät zur Wiederbelebung bei Herzstillstand, Defibrillator genannt, in greifbarer Nähe war. Heute kann der 54-Jährige ganz abgeklärt sachlich von den lebensentscheidenden Minuten berichten, an die er selbst gar keine Erinnerung hat. „Ich habe vorher nichts gemerkt. Alles war prima und dann hat plötzlich jemand den Stecker gezogen.“

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Philipp war mitten im Ballwechsel und schrie noch vor Schmerz auf.  „Wir dachten, er wäre umgeknickt. Aber so wie er fiel, war sofort klar, dass er keine Sportverletzung hat“, erinnert sich Trainingspartner Lennart Stalp. Der 21-Jährige stürzte sofort zu Philipp, während eine Mitspielerin den Notarzt rief. Stalp merkte, dass bei dem Bewusstlosen Atmung und Puls aussetzten und startete unverzüglich eine Herzdruckmassage. Der Medizinstudent erinnerte sich daran noch aus dem Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein. Im Studium selbst hat er die Reanimation bisher nicht geübt. „So skurril das ist, der Song ,Staying alive’ von den Bee Gees hat mir geholfen. Das ist genau der richtige Rhythmus."

Unterdessen holte eine Sportlerin einen Defibrillator aus einer anderen Halle, zwei andere Spieler klebten Philipp die Elektroden an die Brust. „Das Gerät redete mit uns und bestätigte, dass ich im richtigen Takt bin“,  berichtet  Stalp, der die Herzdruckmassage die ganze Zeit fortsetzte. Und vor allem analysiert der Defibrillator den Zustand des Patienten. In Philipps Fall war ein Stromstoß notwendig. „Wir sollten beiseite treten und dann haben wir den Schock per Knopfdruck ausgelöst.“ Als der Rettungsdienst nach knapp zehn Minuten eintraf, schlug Philipps Herz bereits wieder.

„Laien können dabei nichts falsch machen“, betont Professor Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Ohne Kreislaufstillstand löst das Gerät nicht aus. Im Ernstfall rettet es Leben. „Der Einsatz eines Defibrillators ist die einzige Möglichkeit, den Kreislauf wieder herzustellen", sagt Bauersachs.

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Das Fehlen von Warnhinweisen vor dem Infarkt ist durchaus typisch. „Viele, wahrscheinlich sogar die Mehrzahl der Patienten mit akutem Herzinfarkt spüren vorher nichts“, berichtet Bauersachs. Zahnarzt Philipp, der intensiv Tennis spielte, unterzog sich regelmäßig einem Belastungs-EKG. „Alles war unauffällig, ich hatte keine Leistungseinschränkungen.“ Jetzt hat er für rund 1500 Euro einen Defibrillator für die eigene Praxis angeschafft. Zu Turnieren nimmt er das Gerät zukünftig mit. „Leider sind viele Hallen nicht damit ausgerüstet.“

Üstra ersetzt zerstörte Defibrillatoren

In Hannover hängen Defibrillatoren zur Wiederbelebung nach einem Herzinfarkt in öffentlichen Gebäuden und U-Bahn-Stationen oder halböffentlichen Orten wie der Ernst-August-Galerie. Die Stadtverwaltung hält die Geräte vor allem in Ämtern mit Publikumsverkehr parat, so im Neuen Rathaus am Empfang. Sie will die Anzahl in Kürze ausweiten. 

Von den 49 Defibrillatoren in den 19 Tunnelstationen und dem Üstra-Kundenzentrum sind acht Geräte weiterhin kaputt  (zwei an der Station Mühlenberg, jeweils eines an Lister Platz, Aegidientorplatz, Hauptbahnhof und Kopernikusstraße sowie zwei Reservegeräte). Das Gerät am Aegi fehlt bereits seit 2016. 

2013 hatten verschiedene Projektpartner die Defibrillatoren in der U-Bahn eingeführt. Die Deutsche Herzstiftung hat die Geräte beschafft, die Stadt ist Eigentümerin und Betreiberin. Zur Anschaffung spendete die Wilhelm-Hirte-Stiftung 70.000 Euro und die Üstra 60.000 Euro. Die Feuerwehr betreut die Geräte im Auftrag der Stadt. Die Üstra hat jetzt noch einmal 20.000 Euro gespendet zur Ersatz der durch Vandalismus zerstörten Apparate. Die neuen Geräte sollen in den nächsten Wochen installiert werden. In zwei Fällen konnten Passanten bisher mit den Defibrillatoren in der U-Bahn Menschen retten. 

 

Von Bärbel Hilbig

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