Hochschulen in Hannover

Studenten verzichten oft auf Bafög

Studenten am Conti-Campus der Leibniz-Universität

Studenten am Conti-Campus der Leibniz-Universität

Hannover. Der Anteil der Studenten, die ihr Studium mit Bafög bestreiten, befindet sich im Sinkflug. 2016 haben nur noch 21 Prozent der Studierenden in Hannover die staatliche Unterstützung bekommen, bundesweit sogar nur 18 Prozent. Im Jahr 2012 bezogen noch 30 Prozent der hannoverschen Studenten die Ausbildungsförderung, die Jugendlichen aus einkommensschwächeren Elternhäusern ein Studium erleichtern soll. Das ergibt die regionale Auswertung der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks.

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„Der Trend setzt sich leider Gottes fort. Die Zahl der Bafögempfänger geht stark zurück“, berichtet Eberhard Hoffmann, Chef des Studentenwerks Hannover. Ende 2017 bekamen noch 16,8 Prozent der Studis Bafög. Dabei sind inzwischen die Einkommensgrenzen der Eltern erhöht worden. „Die unzureichende Anpassung der Elternfreibeträge hält aber mit der Einkommensentwicklung nicht mit.“ Ein weiterer Grund bremst potenzielle Studienanfänger aus: Viele stellen erst gar keinen Antrag, weil sie sich vor Verschuldung fürchten. Dabei müssen Studenten von dem zinslose Darlehen maximal 10.000 Euro zurückzahlen.

Die Unterstützung der Eltern und das Bafög reichen meist nicht aus: 70 Prozent der Studis in Hannover arbeiten nebenher, im Durchschnitt sieben Stunden pro Woche. Wenn sie keine Stelle als Hilfskraft an der Hochschule ergattern, jobben die angehenden Akademiker in Kneipen, Büros oder Fabriken. Für ihr Studium wenden sie im Schnitt nur noch 33 Stunden pro Woche auf. In den Jahren 2009 und 2012 saßen Hannovers Studenten noch 38 Stunden am PC, über Büchern oder im Hörsaal. Der Rückgang entspricht dem bundesweiten Trend.

Studenten, die nicht bei ihren Eltern wohnen, haben durchschnittlich 930 Euro im Monat zur Verfügung. Damit stehen sie besser da als im Bundesdurchschnitt (918 Euro) oder im Landesvergleich (881 Euro). „Das ist ein typisches Großstadtphänomen“, konstatiert Hoffmann. Die Lebenshaltungskosten, speziell die Mieten, liegen höher, deshalb brauchen Studenten mehr Geld. Gleichzeitig gibt es mehr Möglichkeiten, mit Jobs das Einkommen zu erhöhen. 2016 gaben Studis im Schnitt 326 Euro für die Miete aus und 170 Euro fürs Essen. Die Durchschnittsmiete dürfte seitdem nach Hoffmanns Schätzung um 30 bis 40 Euro gestiegen sein.

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Richtig weit weg von Zuhause zieht es viele Abiturienten nicht. 72 Prozent der hannoverschen Studenten kommt aus Niedersachsen. Ein Drittel hat sein Reifezeugnis in Hannover selbst oder im direkten Umland (Region) bekommen. Das hat Hannover nicht exklusiv. „Die meisten Hochschulstandorte finden ihre Studenten im Umland. Die einzige wirklich Ausnahme ist Berlin“, schätzt Studentenwerkschef Hoffmann.

Eine Besonderheit: An Hannovers Hochschulen gibt es einen Männerüberhang. Stadtweit sind nur 45 Prozent der Studierenden Frauen, an der Leibniz-Universität sogar nur 40 Prozent. Bundesweit beträgt der Anteil der Studentinnen 48 Prozent, bei 51 Prozent Studenten und einem Prozent, die sich keinem Geschlecht zuordnen. Jeder vierte Studierende ist in Ingenieurwissenschaften eingeschrieben (Hannover 26 Prozent, bundesweit 21 Prozent), ein Fünftel in Mathematik/Naturwissenschaften. Der Anteil der Studierenden in Medizin/Gesundheitswissenschaften liegt mit 12 Prozent doppelt so hoch wie im Bundesschnitt.

35 Prozent der hannoverschen Studis leben in einer Wohngemeinschaft, jeweils ein Fünftel wohnen mit Partner oder Partnerin und eventuell Kind (21 Prozent), allein (19 Prozent) oder bei den Eltern (18 Prozent). Einen Platz im Studentenwohnheim haben nur sechs Prozent. Und weil es Zeit und Geld spart, gehen 70 Prozent mindestens einmal pro Woche in die Mensa.

Von Bärbel Hilbig

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