Stadt entsetzt

Südschnellweg: Statt Tunnel eine Riesenbrücke?

Kein Tunnel, sondern eine neue Brücke, doppelt so breit und als geschlossener Kasten? Für Stadtbaurat Bodemann „undenkbar“.

Kein Tunnel, sondern eine neue Brücke, doppelt so breit und als geschlossener Kasten? Für Stadtbaurat Bodemann „undenkbar“.

Hannover. So sauer hat man Stadtbaurat Uwe Bodemann selten im Bauausschuss erlebt. „Ich kann mir das nicht vorstellen: Das ist städtebaufeindlich und nachbarschaftsfeindlich“, sagte er in Richtung Bund und Land. Beide treiben derzeit eine Parallelplanung für die Schnellwegkreuzung Hildesheimer Straße voran, wo die marode Brücke eigentlich durch einen Tunnel ersetzt werden soll. Am Mittwoch bestätigte die Landesstraßenbaubehörde im Bauausschuss: Es könnte sein, dass statt des erhofften Tunnels eine neue Brücke kommt, die dann aber doppelt so breit und deutlich höher sein müsste, zudem wegen des Lärmschutztes mit etwa fünf Meter hohen Wänden und Deckel.

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Im Moment sind es nur theoretische Überlegungen. Der Bund ist verpflichtet, wirtschaftlich mit Steuergeld umzugehen, und die neue Brücke wäre wohl bis zu 80 Millionen Euro billiger als ein Tunnel, wie Jens Hanel von der zuständigen Landesstraßenbaubehörde den entsetzten Ratspolitikern im Ausschuss mitteilte. „Wir sind deswegen angehalten, auch diese Variante in allen Kostendetails zu prüfen und vorzulegen.“ Er machte zwar keinen Hehl daraus, dass das Land diese Variante nicht favorisiert. „In den unteren Wohnungen der Willmerstraße würde es dunkel“, räumte er ein. Und: Die denkmalgeschützten Bauten würden dann kaum noch zu sehen sein. Aber: Städtebauliche- und Denkmalargumente seien im Abwägungsprozess des Bundes keine harten Kriterien, die Kosten schon.

Bei einigen Kommunalpolitikern kam die Botschaft wie eine Erpressung an. Ob der Bund darauf hinauswolle, dass die Stadt die Mehrkosten tragen solle, fragte Wilfried Engelke (FDP) direkt. Das sei nicht so, beschwichtigte Hanel. Seine Behörde sei nur eben verpflichtet, jetzt auch die Tunnelvariante zu rechnen. Im dritten Quartal rechne man mit einem Ergebnis. Die Zeit drängt: Bis 2023 muss die marode Brücke abgerissen sein. Dann gilt sie trotz Verstärkung nicht mehr als standsicher.

Vielleicht ist es genau die Zeit, die für Hannover arbeitet. Denn bei einer Riesenbrücke sind Klagen von Immobilieneigentümern zu erwarten, was das Verfahren auf Jahre verzögern dürfte. Das Land leistet, um das zu vermeiden, eine besonders aufwendige Bürgerbeteiligung mit einem regelmäßigen Planungsdialog. Dieser sei über die neue Entwicklung informiert –und nicht glücklich, sagte Hanel.

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Von Conrad von Meding

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