Amtsgericht Hannover

Tod eines Jungen im Kletterpark: Verfahren gegen Betreiber eingestellt

Acht Meter über dem harten Betonboden kletterte der Junge im Hochseilgarten in Hannover, als plötzlich ein lauter Schrei die Halle erschüttert. Der Elfjährige stürzte zu Boden und verletzte sich lebensgefährlich. Wenige Wochen darauf starb er in einem Krankenhaus. Die Untersuchungen ergaben, dass der Junge in schwindelnder Höhe die beiden Sicherheitskarabiner gelöst hatte. Mehr als zweieinhalb Jahre später wird das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen die beiden damaligen Betreiber des Kletterparks am Dienstag eingestellt - wegen geringfügiger Schuld.

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„Wir können abschließend nicht klären, warum der Junge gestürzt ist und wer juristisch verantwortlich ist“, sagte Richterin Maria Kleimann vom Amtsgericht Hannover. Die 44 und 46 Jahre alten Angeklagten trügen nicht die alleinige Verantwortung für Fehler, die die Besucher des Kletterparks gemacht haben. Das Geschwisterpaar muss aber 10.000 beziehungsweise 8000 Euro an ein Kinderhospiz in Syke zahlen.

Schulkameraden und der Zwillingsbruder des Elfjährigen hatten das Unglück Ende Oktober 2007 mitangesehen. Die Kinder hätten bei einer Fortführung des Verfahrens als Zeugen aussagen müssen. „Sie davor zu schützen, war der einzige Grund für meine Mandanten, der Einstellung zuzustimmen“, sagte Anwalt Kai Dietrich, der die Eltern des verunglückten Jungen vertritt.

Auch die Staatsanwältin Katrin Schilling wertete die Entscheidung als eine Möglichkeit „mit dem schrecklichen Geschehen abzuschließen“. Kritisch sei jedoch das Sicherheitskonzept der Anlage zu sehen, das nur auf Selbstsicherung beruhte. „Kindern in dieser Altersklasse kann das nicht zugemutet werden. Es war vorhersehbar, dass es zu Unfällen kommt.“ Da jedoch der Gesetzgeber keine Richtlinien zu den Standards in den Kletterparks erlassen hatte, sei in diesem Fall nur von einem sogenannten Organisationsverschulden auszugehen. Die Angeklagten hätten alle damals gängigen Sicherheitsmaßnahmen ergriffen.

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Die Frage, ob ein Elfjähriger nach einer kurzen Einweisung ohne Aufsicht in derartigen Höhen klettern darf, sei bis heute nicht geklärt, betonte der Anwalt des 44 Jahre alten Angeklagten, Michael Weber-Blank. Objektiv gesehen seien auch öffentliche Spielplätze mit meterhohen Klettergerüsten gefährlich. „Die offene Rechtsfrage darf aber nicht auf dem Rücken meiner Mandanten ausgetragen werden.“ Das angeklagte Geschwisterpaar hatte mehrfach in der Verhandlung den Eltern des verunglückten Jungen ihr Mitgefühl ausgesprochen. Für die „Campo Arena“ war dieses Unglück der Anfang vom Ende. Ende Januar 2009 musste die Campo-Arena schließlich wegen erheblicher Umsatzeinbrüche schließen.

dpa

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