Schusswechsel

Tödliche Schüsse am Steintor in Hannover

Es war ein erbitterter Schusswechsel, den die Männer sich lieferten – und am Ende sackte einer der beiden leblos zusammen. Ein 43-jähriger Kosovare ist in der Nacht zu Donnerstag am Steintor ums Leben gekommen. Er starb durch die Kugel seines gleichaltrigen Kontrahenten, dabei hatte der Mann offenbar einen ganz anderen Verlauf der Begegnung geplant: Der Kosovare war gegen 1.45 im Café „Karisma“ in der Steintorstraße aufgetaucht, hatte eine Waffe gezogen und sie auf einen 43-jährigen Albaner gerichtet. Der Mann drückte mehrmals auf den Abzug, doch die Schüsse verfehlten das Opfer. Der Albaner reagierte, griff ebenfalls zur Waffe und feuerte mehrere Kugeln auf seinen Kontrahenten, bis dieser zusammenbrach. Mehrere Besucher des Cafés wurden Zeugen des blutigen Zusammentreffens und sahen den Todesschützen flüchten. Der Mann stellte sich etwa drei Stunden nach der Tat in der Polizeidirektion Mitte.

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Die Hintergründe sind bisher nicht bekannt. Fest steht: Beide Männer haben eine dicke Akte bei der Polizei. Es geht um Drogen und Gewalt. Der getötete Albaner war bereits im Dezember 2007 Opfer eines fast identischen Vorfalls geworden. Damals hatte er selbst in dem Café in der Steintorstraße gesessen, als ein Mann mit einer Pistole auf ihn feuerte und ihn lebensgefährlich verletzte.

Wie viele Schüsse in der Nacht zu Donnerstag fielen, gab die Polizei am Donnerstag nicht bekannt. Kriminaltechniker waren mehr als 12 Stunden damit beschäftigt, die Spuren zu sichern. Der Todesschütze besitzt eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis und blieb am Donnerstag vorerst in Gewahrsam. Erst im Laufe des heutigen Tages soll ein Haftrichter darüber entscheiden, ob der Mann in Untersuchungshaft muss. Seiner Darstellung zufolge handelte er in Notwehr. Gegenüber den Ermittlern gab er an, seine Waffe in den Mittellandkanal geworfen zu haben. Die Suche nach der Pistole in Vahrenwald verlief am Donnerstag erfolglos.

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Auch am Rande der Ratsversammlung waren die Ereignisse am Donnerstag ein Thema, zumal erst im Juli 2010 in einer Steintor-Bar zwei Männer erschossen worden waren. „Die Polizei hat im Steintorviertel in den vergangenen Wochen bereits Präsenz gezeigt, dennoch ist es wichtig, das Milieu weiter im Auge zu behalten“, sagt SPD-Fraktionschefin Christine Kastning. CDU-Fraktionschef Jens Seidel dagegen ist beunruhigt. Seiner Ansicht nach müsse die Suche nach Waffen im Fokus der Polizei stehen, damit die Hemmschwelle, Pistolen mit sich herumzutragen, deutlich steigt. Zudem wünscht er sich eine engere Zusammenarbeit zwischen städtischen Behörden, etwa dem Jugendamt oder dem Ordnungsamt, und der Polizei. Ordnungsdezernent Marc Hansmann (SPD) sagte, Stadt und Polizei informierten sich ständig gegenseitig über die Vorkommnisse am Steintor.

Vivien-Marie Drews und Andreas Schinkel

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