Nach Stadtbahn-Unfall

Trauer in Hannover um tödlich verunglückten Schüler

„Du warst der beste Hockey-AG-Leiter“, hat ein Mitschüler auf einen kleinen Zettel geschrieben. Es ist ein letzter Gruß an den 16-jährigen Kirchröder, der in der Nacht zu Sonntag in der Nordstadt unter eine Stadtbahn geriet und tödlich verletzt wurde.

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Unter seinen Mitschülern an der Schillerschule sorgte die Nachricht vom Tod des Elftklässlers am Montag für große Trauer, für Tränen und für Fassungslosigkeit. So wie es sich bisher darstellt, wurde dem Gymnasiasten am frühen Sonntagmorgen an der Haltstelle Appelstraße in der Nordstadt sein eigener Leichtsinn zum Verhängnis. Der Schüler kletterte zwischen zwei zusammengekuppelte Wagen einer haltenden Bahn hindurch. Die Bahn fuhr an, der Elftklässler wurde mitgerissen und von einem der Drehgestelle überrollt.

Die Schulleitung der Schillerschule rief am Montagmorgen alle Jahrgänge auf dem Pausenhof zusammen, um die traurige Botschaft zu überbringen. Zumindest die Oberstufenschüler wussten da schon mehrere Stunden Bescheid. Die Nachricht hatte sich im Laufe des Sonntags im Internet über das soziale Netzwerk Facebook unter den Freunden des verunglückten Gymnasiasten verbreitet.

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Am Montag legten Mitschüler in der Schule Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Gemeinsam mit ihren Lehrern gedachten sie in einer Schweigeminute des verstorbenen Elftklässlers. Er war unter seinen Mitschülern auch wegen seines Engagements für die Schillerschule beliebt. Der 16-Jährige spielte in der Hockeymannschaft des Deutschen Hockey Clubs (DHC) in Herrenhausen und leitete an seinem Gymnasium eine Hockey-AG für Sechstklässler. Der Klub veröffentlichte auf seiner Homepage einen Nachruf: „Mit seiner lebensfrohen und sympathischen Art hatte er viele Freunde im DHC gefunden.“

Die Polizei gab am Montag bekannt, dass der Leichnam des 16-Jährigen nicht obduziert werden soll. „Alles deutet auf einen Unfall hin, von einer rechtsmedizinischen Untersuchung wird abgesehen“, sagte eine Polizeisprecherin. Bevor es zu dem Unfall in der Nacht zu Sonntag kam, war der Jugendliche mit Freunden unterwegs gewesen. Kurz vor seinem Tod soll er seinen Bekannten über Facebook mitgeteilt haben, dass es in einem Club in der Innenstadt kostenlos Sangria zu trinken gäbe. Hinweise, dass der Verunglückte selbst alkoholisiert war, gibt es nicht.

Zunächst hatte es geheißen, der Oberstufenschüler sei vor dem Unfall über die Kupplung der Bahn geklettert. Am Montag teilte die Polizei mit, zwei Zeugen in der Bahn hätten lediglich beobachtet, dass der Jugendliche zwischen den Wagen verschwunden sei. Nachdem die Bahn problemlos angefahren war, nahmen die Zeugen zunächst an, der 16-Jährige habe seine waghalsige Aktion unbeschadet überstanden. Erst als die Stadtbahn die Innenstadt erreichte, kamen den Fahrgästen Zweifel, und sie informierten den Fahrer. Etwa zur gleichen Zeit – rund 30 Minuten nach dem Unfall – entdeckte der Fahrer einer nachfolgenden Bahn den Leichnam im Gleisbett. Bei der Stadtbahn handelte es sich um ein grünes Modell älteren Typs mit reichlich Platz im Kupplungsbereich zwischen den Wagen. Bei den neueren Silberpfeilen hängen die Wagen mit nur 16 Zentimetern Abstand hintereinander, ein Hindurchklettern ist nicht möglich. Warum der Jugendliche sich überhaupt zwischen die Wagen begab, wird wohl nicht mehr geklärt werden können. Vermutlich hatte er Sorge, er würde die Bahn mit Fahrtziel Kirchrode verpassen, wenn er erst am gesamten Zug vorbeilaufen müsse, um dann auf der anderen Seite einsteigen zu können.

Im HAZ-Trauerportal haben bereits viele Besucher im Gedenken an den verunglückten Jugendlichen eine Kerze angezündet und der Familie ihr Beileid bekundet.

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