Eisdicke

Wann wird der Maschsee in Hannover freigegeben?

Sie sind wieder auf den Geschmack gebracht, die Hannoveraner, und das macht die Sache so schwierig. Zu Tausenden bevölkerten Schlittschuhfreunde, Schlittenfahrer und Spaziergänger im vergangenen Jahr das Maschseeeis, nachdem die vorherigen Winter den See jahrelang nicht mehr hinreichend hatten zufrieren lassen. Sie standen geduldig Schlange an den angenehm dünn gesäten Bratwurstständen, sie ließen ihre Hunde ihren Nachwuchs auf Plastikschlitten übers Eis ziehen, und die Sledgehockeyspieler, die Vertreter der Behindertensport-Version des Eishockey also, zeigten den Schlittschuhläufern, wie echter Schwung aus dem Oberkörper ist.

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Wie im vergangenen Jahr also soll es in diesem Jahr bitte auch wieder werden – immerhin frieren die Hannoveraner doch nun schon seit einigen Wochen tapfer vor sich hin. Allein, die städtischen Eisdickemesstrupps haben von ihren täglichen Exkursionen immer noch nicht annähernd jenen magischen Wert mitgebracht, den sich die Stadt zur Freigabe des Maschsees selbst auferlegt hat. Am Dienstag maßen die städtischen Mitarbeiter an sechs Stellen zwischen fünf und sechs Zentimeter – benötigt werden 13.

Ähnlich wie den ungeduldig wartenden Hannoveranern geht es übrigens den Nachbarn aus Hamburg. Die hoffen wie die Hannoveraner auch in diesem Jahr wieder auf das sogenannte Alstereisvergnügen, doch haben die Behörden die Latte dafür sehr hoch gelegt. 20 Zentimeter dick müsse das sogenannte Kerneis sein, fordern die, und übertrumpfen damit andere Städte deutlich. Außerdem muss dieser Wert an gleich 50 verschiedenen Stellen gemessen werden. In der Hansestadt führt das zu der Mutmaßung, Hamburgs Umweltbehörde wolle das Eisvergnügen, das durchaus mehr als eine Million Besucher anlocken dürfte, vielleicht gar nicht haben. Immerhin lege etwa die „kälteerfahrene Schweiz“ ganz andere Maßstäbe an, betont das „Hamburger Abendblatt“. Schon bei zwölf Zentimetern dürften dort „große Volksmassen“ auf Gewässer, etwa auf den Zürichsee. Und Politiker aus allen Bezirken mokieren sich über die Spielverderber aus dem Umweltamt.

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Und weil es nach all den Wochen des Bibberns und Frierens auch in Hannover schwer zu glauben ist, das es immer noch nichts werden soll mit der Eisparty, laufen sich auch hier die Medien langsam warm. Vor Tagen schickte die „Bild“ den „Kult-Gastronomen“ Rainer Aulich mit der Kettensäge aufs Eis, um den gewaltigen Umfang der Eisschicht zu demonstrieren, der doch 13 Zentimeter längst erreicht habe.

Am Dienstag erklärte man gewissenhaft, was die Stadt seit Tagen erklärt: Wichtig für die Tragfähigkeit des Eises ist das sogenannte Kerneis, dessen Stärke derzeit eben nur bei fünf bis sechs Zentimetern liegt. Darüber liegt derzeit eine luftdurchsetzte Schicht, die aus vereistem Schnee besteht. Sie trägt nichts und niemanden zuverlässig – und sorgt durch ihre isolierende Wirkung im Gegenteil sogar noch dafür, dass es noch länger dauert mit der qualifizierten Kerneisbildung. Wie lange, dazu will man im Rathaus lieber keine Prognose abgeben.

Und auch Radiohörer konnten Dienstag irritiert sein. Es könne durchaus, hieß es da, am Mittwoch schon etwas werden mit dem Eisfest auf dem Maschsee. Im Rathaus, wo letztendlich über Wohl und Wehe des Eisvergnügens entschieden wird, war man darüber erstaunt. Und auch der Wetterbericht stütze die Prognosen der Radiomacher nicht: Es soll wärmer werden zum Ende der Woche. Was vorerst das Ende aller Schlittschuhträume wäre.

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