Neustadt

Weihnachtsstress im Postamt Himmelreich

Jürgen Schart sitzt vor einem Stoß Briefe aus dem vergangenen Jahr.

Jürgen Schart sitzt vor einem Stoß Briefe aus dem vergangenen Jahr.

Himmelreich. Wenn die Tage kürzer werden und die Adventszeit näher rückt, wird es geschäftig im Weihnachtspostamt Himmelreich. „Wir rechnen mit mehr als 2000 Briefen“, sagt Jürgen Schart, der die weihnachtliche Briefzentrale seit 2013 leitet. „Die meisten Briefe kommen aus Asien“, sagt Schart. Spitzenreiter war mit rund 1200 im vergangenen Jahr Taiwan.

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Gerade einmal zwölf Briefe trudelten aus Deutschland ein. „Wenn wir welche bekommen, dann eher aus Süddeutschland und den neuen Bundesländern“, sagt der 70-Jährige. In Aue im Erzgebirge hat offenbar eine Künstlerin die Briefe zur ihrer ureigensten Aufgabe gemacht. Malerin Karin Leißner bastelt und schreibt nicht allein. „Sie arbeitet mit Kindern“, sagt Schart. Die liebevoll gestalteten Briefe hat Schart zu einem Poster zusammengesetzt.

Aus dem Erzgebirge treffen regelmäßig liebevoll gestaltete Bilder von Kindern ein

Aus dem Erzgebirge treffen regelmäßig liebevoll gestaltete Bilder von Kindern ein.

Insgesamt beantworten 15 ehrenamtliche Helfer die Briefe, meistens auf Englisch. Jeder Adressat bekommt eine kleine Broschüre in den Umschlag gesteckt. Inmitten einer weißen Schneelandschaft ist Platz für ein paar persönliche Zeilen. Auf den übrigen Seiten lesen die Empfänger über deutsche Weihnachtsbräuche und lernen das Neustädter Land kennen. Die Texte stammen von den Neustädter Autorinnen Tanja Weiß und Susanne Fletemeyer, außerdem gibt es ein Rezept für Zimtsterne. Die Bilder stammen von Fotograf Wilfried Rave und dem Künstlerpaar Anna und Marek Konarski. Sowohl das kleine Heftchen als auch das Postamt Himmelreich sind Neustädter Projekte sagt Schart, der sich über die breite Beteiligung freut.

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Jürgen Schart zeigt eine der kleinen Broschüren, die als Antwortschreiben versandt werden

Jürgen Schart zeigt eine der kleinen Broschüren, die als Antwortschreiben versandt werden.

Die Helfer haben schon jetzt eine Menge zu tun. „Derzeit kommen jeden Tag rund 30 Briefe an.“ Mitunter müssen die „Postelfen“ auch ein wenig Seelsorger sein. Immer wieder fragen Kinder in den Briefen um Rat. „Ich glaube 2016 hatten wir von einer 20-Jährigen einen Brief bekommen“, erinnert sich Schart. Deren Eltern wünschten sich ihre Tochter in einem technischen Beruf, sie wollte Erzieherin werden. Der Helfer riet der Frau, ihrem Herzenswunsch zu folgen. Im Folgejahr kam die Antwort. Die junge Frau war tatsächlich Erzieherin geworden und überglücklich. „Solche Geschichten machen Spaß und motivieren die Helfer“.

Die Finanzierung ist, zumindest für das laufende Jahr, gesichert. „Pro Saison brauchen wir etwa 2500 Euro für Druckkosten und Porto“, sagt Schart. Ein Neustädter Unternehmen unterstützt die Ehrenamtlichen mit einer Großspende. Von der Citipost gab es außerdem Briefmarken. „Das hilft uns sehr“, freut sich Schart. Spenden sind natürlich trotzdem willkommen.

Chöre singen für die Portokasse

Um die Portokosten auch weiterhin stemmen zu können, soll ein Benefizkonzert Spenden zusammenbringen. Drei Chöre und einen Solo-Musiker hat Organisatorin Christina Schlicker für den guten Zweck gewonnen. Am Donnerstag, 29. November, 19.30 Uhr, beginnt das vorweihnachtliche Konzert in der Johanneskirche, Wacholderweg 9.

Mit dabei sind die Gospelchöre Kum-Bah-Yah von der Johannes-Gemeinde und der Chor Masithi aus Eilvese. Wojciech Zaluk studierte an der Chopin-Musikakademie in Warschau, bevor er als Akkordeon-Lehrer an die Musikschule Neustadt kam. Viertes Ensemble in der Musiker-Gemeinschaft ist das Frauenquartett "TiRaCaSo".

Von Benjamin Behrens

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