Wunstorf

Weimarer Zeit soll anschaulich werden

Stadtarchivar Klaus Fesche (links) und sein Kollege Hinrich Ewert zeigen, wie die Ausstellungstafeln gestaltet sind.

Stadtarchivar Klaus Fesche (links) und sein Kollege Hinrich Ewert zeigen, wie die Ausstellungstafeln gestaltet sind.

Wunstorf. Ein Verbund von mehreren Institutionen und einzelnen Forschern arbeitet darauf hin, am 9. Mai 2019 eine vielfältige Ausstellung darüber zu eröffnen, wie sich Alltag, Freizeit und Politik im Wunstorf zu Zeiten der Weimarer Republik entwickelt haben. Die Ausstellungstafeln orientieren sich im Design an der großen Ausstellung zum Ersten Weltkrieg, die 2014 ein großer Erfolg war –nur dass Rot jetzt dominiert. Vieles ist schon gut gediehen, doch für die Schau in der Stadtkirche und im Steinhuder Fischer- und Webermuseum sind weitere Fotos und Exponate noch gefragt, die die Besonderheiten der Zeit für die Besucher anschaulich machen – auch ganz normale Alltagsgegenstände wie Konsumartikel, Kleidung oder Werbeprospekte.

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Für die politische Entwicklung sind zum Beispiel noch Fotos von den Bürger- und Gemeindevorstehern willkommen, die im Bereich der heutigen Stadt die Geschicke von Wunstorf und der umliegenden Dörfer gelenkt haben. „Es gibt oft höchstens Gruppenbilder, die wir schwer zuordnen können“, sagt Stadtarchivar Klaus Fesche. Politisch waren in Wunstorf mit seinen recht vielen Arbeitern die Sozialdemokraten und in Krisenzeiten auch Kommunisten stark, wobei es auch mehrere handfeste Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen politischen Gruppierungen gab. Über eine Schlacht am Alten Markt im März 1932 soll es nach einem Buch von Wunstorfs Lokalhistoriker Armin Mandel einen Bericht eines SA-Mannes gegeben haben – wenn der sich noch auftreiben ließe, würde das die Forscher auch weiterbringen.

Auch in Wunstorf hat die Zeit der Weimarer Zeit aber auch vergnügliche Seiten gehabt. „Die Leute hatten mehr Zeit, die sie für neue Beschäftigungen nutzten“, sagt Fesches Kollege Hinrich Ewert. So wird der Sport einen breiten Raum einnehmen, etwa das legendäre Motorradrennen „Goldener Löwe von Wunstorf“ von 1927 mit 8000 Zuschauern. Über das Uhrengeschäft Dehnhard ist das Archiv an die goldene Uhr als Exponat gekommen, die damals dem Sieger überreicht wurde.

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Auch Boxen ist Wunstorf in den zwanziger und dreißiger Jahren neben dem aufkommenden Fußball und Radrennen eine beliebte Sportart, gekämpft wurde im Saal des Ratskellers. „Vielleicht hat ja noch jemand Handschuhe aus der Zeit im Schrank hängen“, sagt Fesche, aber auch Fotos der Wunstorfer Sportler wären schön. Der aufkommende Segelsport – 1928 sogar mit Olympiaqualifikation auf dem Steinhuder Meer – wird beim Steinhuder Ausstellungsteil ebenso eine Rolle spielen wie der beginnende Massentourismus, der auch damals in der Saison schon oft zu verstopften Straßen geführt hat.

Das Stadtarchiv arbeitet für die Ausstellung „Wunstorfer in der Weimarer Republik – Demokratie zwischen den Katastrophen“ neben dem Museum auch mit dem Forum Stadtkirche, dem Hölty-Gymnasium und den Heimatvereinen in Wunstorf und der Seeprovinz zusammen. Die begleitende Veranstaltungsreihe wird bereits am 15. November mit einem Vortrag des Historikers Peter Schulze zur Novemberrevolution in Hannover beginnen. Das Archiv ist für Angebote unter Telefon (0 50 31) 10 12 42 zu erreichen.

Von Sven Sokoll

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