Holtensen

Wie kann das Dorf wieder attraktiver werden?

Das Café Lebensart auf dem Lebenshilfe-Hof in Holtensen ist einer der wenigen Orte im Dorf, die Treffpunktcharakter haben.

Das Café Lebensart auf dem Lebenshilfe-Hof in Holtensen ist einer der wenigen Orte im Dorf, die Treffpunktcharakter haben.

Holtensen. Vielen Dörfern macht der demografische Wandel zu schaffen. Immer mehr Menschen ziehen vom Land in die Stadt, wodurch auch immer mehr Geschäfte schließen müssen und Vereine Mitglieder verlieren. Gegen dieses Problem will die Dorfwerkstatt Holtensen vorgehen. In einem Vortrag im Feuerwehrhaus hat der Regionalplaner Peter Dehne, der als Professor schon lange zu diesem Thema forscht, den Holtensern Wege und Möglichkeiten aufgezeigt, um das Dorfleben wieder attraktiv zu machen.

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Das Problem beziehe sich nicht nur auf Supermärkte und andere Geschäfte, sondern auch die Grundversorgung durch Ärzte, Krankenhäuser, Feuerwehren, Schulen und Kitas müsse gewährleistet sein. „Grundsätzlich müssen die zuständigen Kommunen dringend mehr Verantwortung übernehmen“, sagte Dehne. Solange dies nicht der Fall sei, könnten sich die Dorfbewohner aber anders behelfen.

„Es kommt auf die Aktivitäten und die Gemeinschaft an“, sagte er. Jeder einzelne habe irgendwelche Qualitäten, die er einbringen könne. „Gerade in Krisenzeiten muss man Optimismus zeigen.“ Als ein gelungenes Beispiel berichtete der Hochschullehrer von dem Dorf Klietznick, das in Sachsen-Anhalt liegt und knapp 150 Einwohner hat. „Die Dorfbewohner haben einen Verein gegründet, über den sie einen eigenen Dorfladen gründen konnten, der den Bewohnern einen Ort zum Austausch bietet“, sagte er. Außerdem würden die Bewohner mittlerweile regelmäßig Feste und Musicals organisieren und hätten sogar ein eigenes Lied auf ihr Dorf gedichtet.

„Mit diesem Engagement wurde Klietznick sogar als einer der lebenswertesten Orte ausgezeichnet“, sagte Dehne. Doch auch andere Dörfer hätten es mit vielen Ideen und ehrenamtlichem Engagement geschafft, sich wieder attraktiv zu machen. „Erst einmal sollten sich alle zusammensetzen und viele Ideen wild in den Raum werfen“, schlug der Professor vor. „Egal, wie absurd diese scheinen mögen.“

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Dabei gehe es Holtensen noch verhältnismäßig gut. Im Osten von Deutschland mache sich der Wandel noch viel stärker bemerkbar. „Hier ist es noch nicht ganz so dramatisch wie zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern“, bemerkte er. „Die Nähe zu Hannover ist da natürlich auch ein wichtiger Faktor.“

Dehne, der in Kirchdorf lebt und an der Hochschule Neubrandenburg lehrt, hat ein ganz besonderes Verhältnis zu Holtensen. 1991 kaufte er der Ortsfeuerwehr für 851 Mark ein Feuerwehrauto ab, das er zum Wohnmobil umbaute. Ansonsten sei er nicht häufig in Holtensen. „Es ist eben so ein Ort, an dem man meistens einfach vorbeifährt“, bemerkte er. Für den notwendigen Veränderungsprozess wünschte er den Dorfbewohnern aber viel Glück. „Es braucht viel Fantasie, Ideen und Mut, die Veränderung anzugehen“, sagte er. „Aber am Ende lohnt es sich.“

Von Johanna Steele

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