Kritik an „Kita-Sharing“

Wie teilt man einen Krippenplatz?

Geteilte Freude ist doppelte Freude - das gilt für das gemeinsame Singen in der Krippe, nicht aber für den Umgang mit Krippenplätzen.

Geteilte Freude ist doppelte Freude - das gilt für das gemeinsame Singen in der Krippe, nicht aber für den Umgang mit Krippenplätzen.

Hannover. Es bleibt weiter eine Rechnung mit vielen Unbekannten: Niemand vermag bisher zu sagen, ob die Krippenplätze in der Region Hannover im August für alle Familien ausreichen, die Betreuung für ihr Kind brauchen. Die Kommunen legen jetzt im Endspurt bis zum Stichtag für den Rechtsanspruch noch einmal ordentlich zu. Wunstorf zum Beispiel lag im Regionsvergleich lange zurück und konnte im Oktober 2011 erst für 20 Prozent der Kinder unter drei Jahren Betreuung anbieten. Im August will die Gemeinde für 34,5 Prozent der Altersgruppe Plätze in Krippen oder bei Tageseltern bereithalten und Ende 2014 sogar für 48 Prozent der rund 970 Kleinkinder in der Gemeinde.

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Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hat jetzt bundesweit zum August 150.000 fehlende Plätze prognostiziert – und Eltern zum Teilen eines Krippenplatzes aufgefordert. Familien, die die Betreuung nicht täglich oder nicht ganztags brauchen, könnten sich doch arrangieren. Im Hintergrund schwingt dabei mit, dass auf diesem Wege Klagen gegen Kommunen abgewendet werden könnten.

Doch Krippenkinder, die sich im Zwei-Schicht-System abwechseln, erscheinen vielen Fachleuten und Eltern in der Region eher absurd. „Diese Idee kommt von Leuten, die selbst keine kleinen Kinder haben. Man kann ein Kind doch nicht mitten aus dem Schlaf reißen, weil dann die Ablösung da ist“, sagt Katrin Göllinger vom Kita-Stadtelternrat Hannover. Zudem sei der Tagesablauf und Zusammenhalt in der Gruppe gestört, wenn einzelne Kinder mittags abgeholt und andere dafür gebracht würden. Für die betroffenen Kinder selbst wäre es schwierig, wenn sie einen Teil des Gruppenlebens verpassen. Elternvertreterin Göllinger hat deshalb wenig Verständnis für solche Notlösungen. „Es wussten alle lange genug, dass es den Rechtsanspruch geben wird. Der Termin kommt nicht gerade plötzlich.“

Hannovers Jugend- und Sozialdezernent Thomas Walter hält ebenfalls nichts von der Idee des „Krippen-Sharing“, wie es der Städte- und Gemeindebund nennt. „Das entspricht überhaupt nicht dem Bedarf der Eltern.“ Hannover bietet deshalb generell Ganztagsplätze in der Krippe an. Auch pädagogisch sei das Ansinnen, Plätze zu teilen, alles andere als sinnvoll, urteilt Walter. „Für die Kinder ist es wesentlich, stabil in ihre Gruppe eingebunden zu sein.“ Anne Krull, Leiterin der Krippe „Die Kurzen“ in Linden, kann das nur bestätigen. „Das Hin und Her wäre für Kinder und Mitarbeiter belastend.“ Die Erzieher müssten im Extremfall zur doppelten Anzahl von Kindern eine stabile Beziehung aufbauen.

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Die Kita-Planer der Stadt Wunstorf haben die Erfahrung gemacht, dass Eltern meist dann einen Krippenplatz in Anspruch nehmen, wenn sie voll berufstätig sind und tatsächlich einen Ganztagsplatz brauchen. Väter oder Mütter, die tageweise oder im Schichtdienst arbeiteten, griffen eher auf Tageseltern zurück. Wunstorf hat sich aus pädagogischen Gründen grundsätzlich gegen das Teilen von Kita-Plätzen entschieden.

In Seelze und Garbsen dagegen teilen sich Grundschüler bereits Hortplätze. „Da läuft das gut“, sagt Garbsens Sozialdezernentin Iris Metge. Für Kleinkinder in der Krippe sieht sie das skeptischer. „Es setzt voraus, dass zwei Familien in einer Krippe tatsächlich gesplittete Betreuungszeiten nachfragen, die sich ergänzen.“ Bisher hat auch kein Kita-Träger diese Möglichkeit erwogen.

Garbsen will sich auf anderem Wege auf den Fall vorbereiten, dass die Krippenplätze im August nicht ausreichen. Falls ein geplanter Neubau nicht mehr rechtzeitig fertig wird, ist bereits verabredet, wo 60 Kinder und ihre Erzieher dann übergangsweise Unterschlupf finden. Wie in fast allen Kommunen wird außerdem bereits für die Zeit nach August 2013 weitergeplant.

In Seelze allerdings könnte es tatsächlich zu einem „Krippenplatz-Sharing“ kommen. „Unsere Fachkollegen ziehen das durchaus in Erwägung“, sagt Stadtsprecherin Martina Krapp. Gespräche mit dem Kultusministerium dazu sind geplant. Allerdings gibt es in Seelze nur wenige Krippen mit Ganztagsplätzen, die überhaupt geteilt werden könnten.

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