Pace mobil hilft jungen Menschen

„Wir werden aufdringlich“

Foto: Die Helfer mit dem Bus: Sozialdezernent Erwin Jordan (Mitte) mit Gerd Geil und Stefanie Wolf.

Die Helfer mit dem Bus: Sozialdezernent Erwin Jordan (Mitte) mit Gerd Geil und Stefanie Wolf.

Hannover. Paul B., ein junger Mann, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen mag, hat eines Tages unangemeldeten Besuch bekommen. Zu dem Zeitpunkt hatte der 24-Jährige einiges hinter sich. Der familiäre Halt war verloren gegangen, das Vertrauen in Behörden auch. „Ich bekam Sanktionen vom Jobcenter, konnte die Miete nicht mehr bezahlen und wurde obdachlos“, erzählt er. Er lebte zusammen mit seinem Hund eine Zeit lang auf der Straße. Als die Verhältnisse schlechter wurden, gab er das Tier ab und meldete sich selbst in einem Obdachlosenheim an. Die Besucher, die dann bei Paul B. unverhofft klingelten, waren Sozialarbeiter des Projektes Pace mobil.

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Bei Region und Jobcentern ist schon seit Längerem die Erkenntnis gereift, dass man erstens keinen jungen Menschen in Nöten abschreiben sollte - egal, ob die Situation selbst verschuldet ist oder nicht. Und dass man zweitens in manchen Fällen nicht warten sollte, bis Jugendliche und junge Erwachsene von sich aus um Hilfe rufen. „Wir werden aufdringlich und fahren einfach hin“, sagt Sozialdezernent Erwin Jordan.

Intensive und individuelle Betreuung

Das Kürzel Pace steht für Pro-Aktiv-Center und ist ein Landesprogramm, das von der Region Hannover umgesetzt wird. Ziel ist es, benachteiligte junge Menschen im Alter von 14 bis 27 Jahren durch intensive und individuelle Betreuung in eine Ausbildung, ein Praktikum, eine Qualifizierung oder in einen freiwilligen Dienst zu vermitteln. Pace verfügt über insgesamt rund 40 Mitarbeiter. Sie arbeiten in 13 stationären Anlaufstellen und seit knapp einem Jahr auch mit den Kleinbussen für den mobilen Dienst, bei dem es sich um eine auch aus anderen Bereichen bekannte Form der aufsuchenden Sozialarbeit handelt. Nach Angaben von Dietmar Langer, Mitglied der Geschäftsführung der Jobcenter, sind im Raum Hannover 6000 junge Menschen Hartz-IV-Empfänger. Etwa acht Prozent davon haben wegen Verstößen gegen Auflagen schon einmal finanzielle Sanktionen hinnehmen müssen. Pace kostet rund zwei Millionen Euro im Jahr. Die Hälfte davon zahlt das Land mit Unterstützung des Sozialfonds der Europäischen Union. Ein knappes Drittel steuert die Region bei, den Rest das Jobcenter. se

Pace mobil wurde vor knapp einem Jahr ins Leben gerufen. Zur Verfügung stehen den Sozialarbeitern zwei in Laatzen und Hannover stationierte Kleinbusse. Wegen des Erfolges und des immer noch hohen Bedarfs kommen zwei weitere hinzu: einer in Garbsen und einer in Langenhagen. „Einsatzgebiet ist die gesamte Region, aber wir sind schwerpunktmäßig in Hannover unterwegs“, sagt Projektkoordinatorin Petra Langelotz.

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Der typische Klient von Pace mobil hat eine ähnliche Biografie wie Paul B. Ein Muster wiederholt sich: „Die jungen Menschen sind Hartz-IV-Bezieher, kommen ihren Pflichten etwa bei Meldeauflagen oder Teilnahme an Qualifizierungsprogrammen nicht nach und erhalten dann Sanktionen. Die begreifen sie aber nicht als Ermahnung, sondern als Mechanismus der weiteren Ausgrenzung“, schildert Jordan.

Die Listen möglicher Kunden erhalten die Sozialarbeiter vom Jobcenter. „Wir fahren dann hin und haben oft den Eindruck, es sei ein Moment, auf den die Betroffenen gewartet haben“, sagt Sozialarbeiter Gerd Geil. Die Kleinbusse verfügen über abgetönte Scheiben, um bei Gesprächen eine Intimsphäre zu haben, und über eine Büroausstattung samt Internetanschluss. Geil und seine Kollegen klären dann erst einmal die Situation des Betroffenen und stricken erste Hilfskonzepte. Wer ist überhaupt bereit, Hilfen anzunehmen? Wer braucht eine Wohnung, wer eine Schuldnerberatung, wer eine berufliche Qualifizierung?

In den ersten Monaten zwischen April und Ende Dezember 2013 hat Pace mobil 78 Menschen im Durchschnitt etwa vier Wochen lang betreut, die große Mehrheit von ihnen junge Männer. Fast jedem zweiten konnten die Sozialarbeiter weiterhelfen. „Einige gingen in Ausbildung, einige wieder zur Schule, sechs in Betreuung und vier in eine Therapie“, bilanziert Langelotz. Insgesamt stehen derzeit noch 120 potenzielle Klienten auf der Warteliste.

Paul B. hat Pace mobil als Chance begriffen und sie genutzt. Er ist von seinen Schulden runter, hat eine Wohnung und absolviert eine Ausbildung zum Kurier- und Postfahrer.

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