Newsletter „SN Inside“

Kein Spaß

Liebe Leserinnen und Leser,

vor vierzig Jahren, im August 1982, schaffte es Neue-Deutsche-Welle-Star Markus an die Spitze der Charts mit „Ich will Spaß“. Schwupp, kriecht der Ohrwurm los und der Kopf vervollständigt den Refrain: „Ich geb Gas, ich geb Gas!“ Leider hat es sich 2022 an dieser Stelle mit dem Spaß auch schon wieder erledigt.

Die Stadtwerke Schaumburg-Lippe haben gestern den Preis für die Kilowattstunde ab Oktober vorgestellt. Wie vom Unternehmen bereits zuvor mitgeteilt, ja, er steigt, aber im Vergleich gesehen moderat, da man sich an den Märkten noch zu vertretbaren Preisen eingedeckt habe, bevor Putins Russland den Hahn zugedreht hat. Eine Garantie gibt‘s auch, allerdings eine wenig ermunternde: Die nächste Anpassung erfolgt wohl im Januar. Es wird sicherlich keine Korrektur nach unten sein.

Bei all den Debatten ums Gas, so ist es häufig zu hören, wird ganz vergessen, dass Betrieben und Normalverdienern auch der Strompreis auf absehbare Zeit gehörig um die Ohren fliegen wird. Wir hatten in dieser Woche Gelegenheit, das mal an einem sehr konkreten Beispiel zu erörtern. Ein kleiner Supermarkt in der Stadthäger Innenstadt soll statt 74.000 Euro jährlich künftig 467.000 Euro zahlen. „Wahnsinn“ nennt der Betreiber das, Widerspruch dürfte er nur wenig ernten. Er fordert die Politik auf, den Strompreis zu deckeln, ihn unter anderem vom Gaspreis zu entkoppeln.

Etwas in dieser Richtung wird es wohl sein müssen, ein echter Eingriff ins System, denn auch Entlastungspaket vier, fünf oder sechs werden die tatsächliche oder mitunter vielleicht auch „nur“ befürchtete soziale Talfahrt großer Bevölkerungsteile nicht aufhalten. Wer mit dem Nettobetrag der einmalig gezahlten Energiepauschale knapp die Hälfte eines „angepassten“ Monatsabschlages bei seinem Versorger bezahlen kann, nickt jetzt.

Es werden viele sein. Besorgniserregend ist das auch deshalb, weil die Angst vor Verarmung einen gesellschaftlichen Sprengstoff bietet, dessen Explosionskraft die von Frust über Corona-Maßnahmen wie Tischfeuerwerk scheinen lässt. Die politischen Nutznießer haben sich in Stellung gebracht, bei den wieder zunehmenden Demos surfen sie auf der – verständlichen - Welle der Angst.

Ein Spaß ist das nicht.

 

Das sollten Sie gelesen haben

 

Bild der Woche

Michele Böhne ("Edeka Böhne" in Stadthagen) ist schockiert: Der Stromversorger schickt ihm ein Angebot mit einem versechsfachten Strompreis.

Michele Böhne ("Edeka Böhne" in Stadthagen) ist schockiert: Der Stromversorger schickt ihm ein Angebot mit einem versechsfachten Strompreis.

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen?

Möchten Sie auch gerne in der Rubrik Bild der Woche erscheinen? Dann schreiben Sie uns!

Twitter | Facebook | Instagram | E-Mail

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

Herzlichst, Ihr

Jan-Christoph Prüfer

Redaktionskoordinator

Jede Abonnentin und jeder Abonnent der SN, egal ob mit digitaler oder gedruckter Zeitung, trägt dazu bei, dass wir auch in Zukunft in dieser Qualität über die Region, die Welt und die Corona-Krise berichten können – und über all jene Themen, die für unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben wichtig sind. Wir brauchen dazu eine starke, fachkundige Redaktion und freuen uns, wenn Sie als Leserinnen und Leser uns dabei unterstützen, indem Sie hier SN+ abonnieren.

Mehr aus Ihre Region

 
 
 
 
 

Verwandte Themen

Letzte Meldungen