Rolfshagen / Pferde

Auf dem Absprung

Zuweilen ergibt die klassische Dressur spektakuläre Bilder: Hugo Ferreira und der Kaprioleur „Zaro“ bei der Arbeit.rnk

Zuweilen ergibt die klassische Dressur spektakuläre Bilder: Hugo Ferreira und der Kaprioleur „Zaro“ bei der Arbeit.

Rolfshagen. Es folgten Tourneen durch ganz Europa, zwei bis vier Vorstellungen an jedem Wochenende, zwei Jahre lang.

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 Die Reiterei liegt ihr im Blut, immer schon, wie ihr Vater erzählt: Sie konnte eher reiten als laufen. Ihre Reitkarriere begann ganz klassisch im örtlichen Hohenroder Reitstall – und schnell wurde klar, dass es mehr als ein Hobby für sie sein sollte. Es folgten Reitabzeichen und Trainerprüfung in der Landesreitschule Hoya, kleine und große Erfolge auf Dressur- und Springturnieren, aber auch kleineren Veranstaltungen als Showakt. Schnell konnte sie auf langjährige Erfahrung in der Unterrichtserteilung für Einsteiger und fortgeschrittene Turnierreiter sowie den Beritt von Pferden unterschiedlicher Rassen zurückblicken.

 Und es wäre wohl viele Jahre so weiter gegangen, wenn sie nicht auf einem Trainerlehrgang einen älteren Trainer kennengelernt hätte, der noch auf die klassischen Grundsätze bei der Ausbildung der Pferde zurückgriff. „Es hat mich dann mehr in diese Richtung verschlagen“, erzählt sie. Man müsse aufpassen, nicht zu einseitig zu arbeiten und seinen Fokus nur auf die in den einzelnen Dressurklassen vorgeschriebenen Lektionen zu legen.Es werden nur noch Lektionen geübt und geritten, die man dann am nächsten Wochenende benötigt.

 In der klassischen Reiterei aber orientiert man sich am Grundsatz „Die Dressur ist für das Pferd da, nicht das Pferd für die Dressur“. Was soviel heißen soll wie: Die dressurmäßige Arbeit mit dem Pferd soll einen gymnastizierenden, kräftigenden Effekt auf das Pferd haben. Legt der Reiter sein Hauptaugenmerk vor allem auf die Teilnahme an Veranstaltungen, auf denen in bestimmter Reihenfolge und nach Schwierigkeitsgrad unterteilt immer die gleichen Lektionen verlangt werden, so nimmt er sich durch den entstehenden Erfolgsdruck die Unbeschwertheit und Leichtigkeit in der täglichen Arbeit. Für Nadine Lemhoefer stand da schon lange fest: Man kann mit einem Pferd mehr machen als nur „Lektionsreiterei“. Und dann kam das Angebot, bei Appasionatta mitzumachen. Und geheiratet hat sie und heißt jetzt Nadine Lemhoefer-Ferreira. Ihr Ehemann hat seine Ausbildung bei einem der besten Lehrmeister absolviert: Luis Valença Rodrigues.

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 Eigentlich wollten beide in Hohenrode bauen, aber dort reichte der Platz nicht, und so kam das Angebot gerade recht, in Rolfshagen eine Pferdeanlage zu übernehmen. Ihr gemeinsames Anliegen: Die klassische Reiterei zu lehren. Denn Dressurlektionen, sagt sie, dürften nicht zum Selbstzweck verkommen, um als Belohnung schöne Schleifen einzusammeln. Der Leitgedanke der Dressur sollte sein, einem Pferd seine Balance wiederzugeben. Denn jeder Reiter verlagert durch sein Gewicht den Schwerpunkt nach vorn. Das belastet die Schultern und die Vorderbeine des Tieres stärker. Also müsse das Pferd lernen, die Hinterhand mehr zu benutzen, den Schwerpunkt nach hinten zu legen und die Vorderbeine zu entlasten. Der klassische Weg, so formuliert es Nadine Lemhoefer-Ferreira, „unterscheidet sich vom konventionellen durch vermehrte Handführung ohne Reiter auf dem Rücken, man schult neue Lektionen erst an der Hand und an der Longe.

Die Folge: Das Pferd wird gekräftigt und kann leichter unter dem Reiter arbeiten. Und: "In aller Regel ist diese Ausbildung ein lebenslanger Weg, man arbeitet an den grundlegenden Dingen, damit keine Verschleißerscheinungen auftreten." Soll heißen: Das Pferd bleibt gesünder und lebt länger. Denn die Folgen der klassischen Ausbildung sind am Pferd sichtbar: Das Tier wird kräftiger, die sogenannte Gymnastifizierung sorgt für Muskeln an den richtigen Stellen, an Hinterhand und Hals entstehen Rundungen, die das Tier schön aussehen lassen, kurzum, sagt Nadine Lemhoefer Ferreira: "Der Körper wird geformt." Denn die freiwillige Mitarbeit des Pferdes und ein Muskeltraining versetzen das Tier in die Lage, das Gewicht des Reiters in allen Lektionen ohne Schaden an Leib und Seele ein Leben lang tragen zu können. Und: Die Reiter werden angehalten, stets über ihren Umgang mit dem Pferd nachzudenken und an sich selbst zu arbeiten; Fehler werden erst beim Reiter und nicht beim Pferd gesucht.
Es ist eine Form der Ausbildung, die auch der Bedeutung des Pferdes als Bindeglied des Menschen zur Natur und Kultur in unserer durch die Technik geprägten Zeit in besonderem Maße Rechnung tragen will – zum Wohle des Pferdes und als Bereicherung des Lebens für viele Menschen. Bewährte Prinzipien der Pferdeausbildung werden mit einem künstlerischen Anspruch verbunden. Das alles basiert unter anderem auf griechischen Erkenntnissen aus der Zeit des klassischen Altertums, die durch den Hippologen Xenophon überliefert worden sind: Danach müssen Reiter und Pferd ins körperliche und geistig-seelische Gleichgewicht gebracht werden, damit eine harmonische Zusammenarbeit entstehen kann.
Und so verstehen sich auch Nadine Lemhoefer-Ferreira und ihr Ehemann: Als Trainer, die einem Pferd nicht einen einheitlichen Stempel aufdrücken wollen, sondern als Ausbilder, die individuell auf Probleme eingehen.
Auch wenn hier der Schwerpunkt der Arbeit des Ehepaares liegt, so ist das Angebot der beiden Neu-Rolfshäger doch deutlich breiter: Grunderziehung, Korrekturberitt bis hin zur Ausbildung zur Hohen Schule, das Anreiten junger Pferde oder für Fortgeschrittene eine Einführung in eine Arbeitsweise, wie sie in südlichen Kulturkreisen noch heute üblich ist: einhändig.
Weitere Informationen gibt es auf der recht ausführlichen Internetseite der beiden Trainer: www.barock-dressur.de.

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