Rolfshagen /<wbr> Kakteenzüchter

Hottentottenpopo & Co.

Seine Leidenschaft begann vor 40 Jahren, mittlerweile hat Werner Gundlach rund 1000 Kakteen.

Seine Leidenschaft begann vor 40 Jahren, mittlerweile hat Werner Gundlach rund 1000 Kakteen.

Von Jessica Rodenbeck. Gundlach ist Kakteenzüchter aus Leidenschaft. Etwa 1000 Pflanzen beherbergt er in seinem Gewächshaus und seinem Garten, darunter viele weitere Exemplare mit seltsamen Namen, beispielsweise der „Hottentottenpopo“ oder die „Königin der Nacht“ – ein Schlangenkaktus, der riesige Blüten mit einem Durchmesser von etwa 27 Zentimetern bekommt, welche wirklich nur eine einzige Nacht blühen.

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 Seit fast 40 Jahren beschäftigt sich der 60-Jährige nun schon mit Kakteen, der Grundstein für sein Hobby wurde im Jahr 1976 gelegt. Damals kam er durch Zufall an seine erste Saatmischung – und die Leidenschaft war geweckt. „Mich hat schon immer fasziniert, dass diese Pflanzen so extreme Situationen aushalten können“, beschreibt er. Doch auch die Duldungsfähigkeit von Kakteen ist begrenzt – und das bekommt der Züchter auch immer mal wieder zu spüren.

 „Kakteen kommen ursprünglich aus Mittel- und Südamerika“, erklärt er. Gegenden, in denen nun einmal ein ganz anderes Klima herrsche, als in Deutschland. Daher seien die wechselnden Temperaturbedingungen das größte Problem, mit dem er hierzulande zu kämpfen hat. Denn der Wasserbedarf der Kakteen ist abhängig davon, wie warm oder kalt es gerade ist. „Wenn es warm ist, und ich gieße sie nicht, verbrennen sie“, beschreibt er. „Gieße ich jedoch, und es kommt plötzlich eine Kälteperiode, verfaulen die Pflanzen.“ Bei den aktuellen Temperaturen gießt Werner Gundlach seine Kakteen etwa alle fünf Tage. „Im Herbst brauchen sie nur alle zwei bis drei Tage Wasser und von Ende Oktober bis März müssen sie in der Regel überhaupt nicht gegossen werden“, erklärt er.

 Rund eine halbe Stunde verbringt Gundlach jeden Tag mit seinen Kakteen. „Wenn ich sie umpflanze, ist es natürlich deutlich mehr“, gibt er zu. Da viele Arten Dornen haben – der Experte spricht niemals von Stacheln – sind Handschuhe bei dieser Arbeit unverzichtbar. Die Dornen einiger Kakteen stechen nämlich nicht nur, sie haben sogar fiese Widerhaken entwickelt. „Und es ist sehr schmerzhaft, die wieder aus den Fingern zu bekommen“, weiß er aus leidvoller Erfahrung.

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 So unangenehm, wie die Dornen der Kakteen in diesen Fällen für den Züchter sind, so sehr bewundert er sie in anderer Hinsicht. Denn nicht jeder Kaktus entwickelt eine imposante und riesige Blüte. „Bei manchen Kakteen sind die Blüten ganz klein und unscheinbar“, erklärt er. Bei diesen Arten, zu denen auch der Schwiegermutterstuhl gehört, ist dann die Anordnung der Dornen das Besondere. Beim Schwiegermutterstuhl weiß Gundlach das allerdings bisher nur aus der Literatur, denn sein eigenes Exemplar hat trotz eines stolzen Alters von mittlerweile 30 Jahren noch nie geblüht. „Kakteen brauchen für die Blüte ein bestimmtes Alter und eine bestimmte Größe“, erklärt er. Im Hinblick auf den Schwiegermutterstuhl ist er aber optimistisch. „Ich denke, in zwei oder drei Jahren wird er blühen.“

 Bis dahin erfreut sich Gundlach an den Blüten der vielen anderen Arten, die vor allem im Frühsommer zu sehen sind. Anschließend sammelt er die Samen und trocknet sie. Alle, die er nicht selbst benötigt, stellt er der Deutschen Kakteen-Gesellschaft, bei der er Mitglied ist, zur Verfügung. Dort werden sie in einer Samen-Datenbank gegen einen kleinen Unkostenbeitrag anderen Züchtern zum Kauf angeboten.

 „Das ist ganz wichtig“, sagt Gundlach. Denn viele der Arten, die er in seinem Gewächshaus züchtet, sind in der freien Natur vom Aussterben bedroht. Teilweise, weil ihr Lebensraum durch intensive Landwirtschaft zerstört wurde, teilweise aber auch, weil verantwortungslose Sammler Exemplare aus der freien Natur entnehmen. Diese Arten dürfen deshalb nur mit Herkunftsnachweis gehandelt werden. Gundlach trägt durch seine Zucht also zum Erhalt der Art bei und ermöglicht gleichzeitig auch anderen Züchtern, Exemplare dieser seltenen Arten nachzuzüchten.

 Dieser Schwiegermutterstuhl ist 30 Jahre alt – und hat noch nie geblüht.

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