Borstel /<wbr> Handarbeiten

Ihre Hemden waren schon im Fernsehen

Mutter und Tochter mit Leidenschaft für Mathe und Handarbeiten: Als Lilli zu klein für ihren Lieblingsjogginganzug wurde, nähte Manuela Böttcher kurzerhand eine Puppe, die den Anzug nun trägt.

Mutter und Tochter mit Leidenschaft für Mathe und Handarbeiten: Als Lilli zu klein für ihren Lieblingsjogginganzug wurde, nähte Manuela Böttcher kurzerhand eine Puppe, die den Anzug nun trägt.

Von Jessica Rodenbeck. Ihre Vorliebe für alles Kreative entwickelte Böttcher schon früh. „Meine Mutter und später auch meine Stiefmutter saßen im Winter fast immer auf dem Sofa und haben gestrickt“, erinnert sie sich. So kam es, dass sie selbst mit 14 Jahren ihren ersten Pullover gestrickt hatte, ein Jahr später begann sie dann, zu nähen.

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 Schon damals entdeckte sie aber auch zwei weitere Leidenschaften: Mathematik und Sport. Nach dem Abitur stand der Berufswunsch dann schnell fest: Sie wollte Lehrerin für Sport und Mathematik werden. Doch ein Sportunfall machte ihr einen Strich durch die Rechnung.

Durch eine Informationsveranstaltung wurde sie dann auf die damals noch in den Anfängen steckende Informatik aufmerksam, „und ich war sofort begeistert“, sagt sie. In Kaiserslauten begann sie schließlich, dieses Fach zu studieren – als eine von 17 Frauen unter insgesamt 350 Studenten. „Als Nebenfach wählte ich Elektrotechnik und dabei war ich sogar die einzige Frau“, erzählt sie.

 An diesem Verhältnis hat sich bis heute nicht viel verändert. Mittlerweile arbeitet Böttcher als Informatikerin bei einem Unternehmen in Hannover, ist aber beruflich in ganz Norddeutschland unterwegs. „Wenn ich mit dem Projektleiter zu einem Meeting komme, gehen die Gesprächspartner oft davon aus, dass ich die Sekretärin bin“, erzählt sie schmunzelnd. Sobald sie dann die technischen Erläuterungen übernimmt, sei die Überraschung daher regelmäßig groß.

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 Trotz aller beruflichen Anstrengung hat die Borstelerin sich ihre Leidenschaften aus der Jugend bewahrt. Nach dem Feierabend entspannt sie beim Joggen oder bei einer ihrer Hand- und Bastelarbeiten. „Das ist ein toller Ausgleich. Ich brauche das, um zur Ruhe zu kommen“, erklärt sie. Mittlerweile hat sie bei den Handarbeiten sogar Verstärkung bekommen. Denn so, wie Böttcher selbst die Leidenschaft fürs Stricken von ihrer Mutter übernommen hat, hat sie sie auch an ihre eigene Tochter Lilli weitergegeben.

 Mit ihren 10 Jahren ist Lilli mittlerweile schon fast ein alter Hase, wenn es ums Stricken geht. Dass sie stolz ihren ersten Schal präsentierte, ist schon lange her, mittlerweile hängen sogar selbst gestrickte Ponchos und Tops in ihrem Schrank. Und auch mit dem Nähen hat Lilli begonnen, allerdings bisher nur mit einer Kindernähmaschine. An die großen Nähmaschinen lässt ihre Mutter sie noch nicht heran – und dafür hat sie eine gute Begründung. „Die nähen durch einen Finger einfach durch, das habe ich schon ausprobiert“, begründet sie und lacht.

 Wie Lilli, die übrigens auch viel Spaß an Mathematik hat, zum Stricken kam, weiß sie noch ganz genau. „Ich habe das bei Mama gesehen und wollte es auch ausprobieren.“ Eine Entscheidung, die ihre Mutter sehr freute.

„Ich finde es wichtig, dass Kinder Handarbeiten lernen“, sagt Manuela Böttcher. „In der Schule wird das ja nicht mehr so umfangreich vermittelt, wie das früher noch der Fall war.“ Viele ihrer Kollegen seien nicht einmal in der Lage, einen Knopf anzunähen. Und auch Lilli habe in der Schule bisher nur das Stricken mit einer Strickliesel im Unterricht durchgenommen. „Da hatten die Kinder dann eine einen Meter lange Wurst und das sollte es gewesen sein“, erzählt Böttcher. Sie fand jedoch, dass die Kinder ein größeres Erfolgserlebnis bräuchten, und nähte nach kurzer Rücksprache mit der Lehrerin kurzerhand 25 kleine Schildkrötenkörper. Dann nahm sie sich einen halben Tag frei, führ in die Schule und half den Kindern, ihre Strickliesel-Würste wie einen Panzer auf den Stoff-Schildkröten festzunähen.

 Oft sitzen die beiden Böttcher-Frauen abends zusammen auf dem Sofa und stricken oder nähen in Manuelas großem Bastelkeller. Die Ergebnisse sind dabei immer unterschiedlich. Manuela strickt Kleider, näht Pullover und kleine Taschen. Auch Lillis einstigen bunten Lieblings-Jogginganzug hat ihre Mutter selbst genäht. Und als dieser zu klein wurde, wusste Manuela Böttcher auch eine Lösung. Sie nähte kurzerhand eine Puppe, die den Anzug nun trägt.

 Besonders stolz ist Manuela Böttcher jedoch auf einige Hemden, die sie für ihren ersten Freund Andreas Keller genäht hat. „Er ist Berufsmusiker in München und spielte damals ein halbes Jahr lang in der Band in Gottschalks Late-Night-Show“, erzählt sie. Und während der Auftritte trug er Hemden, die Manuela ihm genäht hatte. Immer, wenn die Band im Fernsehen gezeigt wurde, waren damit auch Manuelas Hemden im Bild. „Das war schon ein tolles Gefühl.“

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