Amtsgericht verhandelt

Blutiger Streit um 30 Euro

Richter Dirk von Behren hat den Angeklagten, einen Arbeitslosen aus Obernkirchen, bereits vor der Hauptverhandlung in Untersuchungshaft genommen, offenbar wegen Verdunklungsgefahr. In einem Schreiben an die Justiz hatte der 47-Jährige angekündigt, dass das Opfer „wegen dieser Lügen von mir noch einmal Schläge“ bekomme. Seine schriftlichen Ausfälle erklärt der Angeklagte damit, dass er unter dem Einfluss von Medikamenten gestanden habe, die ihn aggressiv machten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Bei der Schlägerei will er sich nur verteidigt haben. „Ich bin nicht gefährlich, Herr Richter“, versichert er. Das Opfer, ein 34-Jähriger aus Bückeburg, hatte einen anderen Eindruck: Vor dem Verlassen des mutmaßlichen Tatortes, der Wohnung eines gemeinsamen Bekannten, soll der Obernkirchener gedroht haben, den anderen Mann und dessen Familie zu töten. Auslöser des Streites soll gewesen sein, dass sich der 34-Jährige zuvor geweigert hatte, ihm 30 Euro zu leihen.

„Ich saß mit dem Rücken zur Tür, vier Leute kamen rein“, erinnert sich das Opfer. „Du beschimpfst meine Mutter“, soll der jetzt Angeklagte ihm vorgeworfen haben. Dann flogen die Fäuste.

Alle vier sollen auf den 34-Jährigen losgegangen sein. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung soll der Obernkirchener zum Messer gegriffen und versucht haben, damit zuzustechen, was aber durch das Eingreifen eines anderen Mannes verhindert worden sei.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Bei den drei übrigen Tätern handelt es sich nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft um den Sohn des Angeklagten und zwei Freunde. Der Sohn soll von hinten mit einem Glasbecher zugeschlagen haben. „Ich zog ein großes Stück Glas aus meinem Kopf“, berichtet der Verletzte. „Dann fing es an, sehr stark zu bluten.“ Weil der Filius noch minderjährig war, läuft gegen ihn ein gesondertes Verfahren. „Weder mein Sohn noch seine Freunde haben geschlagen“, betont der Vater.

Auch sonst stellt der Angeklagte den Vorfall völlig anders dar. Er behauptet sinngemäß, dass der andere Mann ihm 30 Euro geschuldet habe, das Geld aber nicht herausrücken wollte. Außerdem wirft er dem 34-Jährigen Respektlosigkeit vor. Angeblich hat dieser sogar die Mutter des älteren Mannes beleidigt.

Beim Streit in der Wohnung will der Obernkirchener seinen Widersacher nur festgehalten und geschubst haben, wodurch dieser „mit dem Kopf auf eines von sechs Gläsern fiel, die auf dem Tisch standen“. Das könnte ein Widerspruch sein, weil der Angeklagte in seiner schriftlichen Einlassung eingeräumt hatte, zugeschlagen zu haben.

Am Ende der sechsstündigen Sitzung wirft der Obernkirchener das Wort „Kindergarten“ in den Saal. Gemeint ist offenbar das Gericht. „Der Kindergarten trifft sich am 11. September wieder“, nimmt Richter von Behren die Vorlage volley. Bis dahin bleibt der Angeklagte weiter in Haft.

Mehr aus Bückeburg

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen