Bückeburg / Tierheim

Bückeburger Tierheimleitung wehrt sich gegen Kritik

Monika Hachmeister, Vorsitzende des Tierschutzvereins in Bückeburg, präsentiert das Tierheim-Gästebuch. „Dort steht so viel freundliches Feedback unserer Kunden drin. Ich kann mir die Kritik nicht erklären“, sagt sie.

Monika Hachmeister, Vorsitzende des Tierschutzvereins in Bückeburg, präsentiert das Tierheim-Gästebuch. „Dort steht so viel freundliches Feedback unserer Kunden drin. Ich kann mir die Kritik nicht erklären“, sagt sie.

Von Verena Insinger

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Bückeburg. Monika Hachmeister, Vorsitzende des Tierschutzvereins Bückeburg weist die Vorwürfe von sich. Sie kann die Kritik nicht nachvollziehen.

Monika Schemann aus Rinteln ist wütend. Vor zwei Jahren wollte sie einen so genannten Kampfhund aus dem Tierheim Bückeburg aufnehmen. Püppi heißt der Presa Canario. „Ich habe sie im Internet gesehen, nachdem unser American Pitbull gestorben ist“, erinnert sich Schemann.

Sie und ihr Ehemann hätten jahrelange Erfahrung mit gelisteten Rassen und ein Haus in Rinteln mit großem Garten, der eingezäunt ist. „Ich wusste, dass Püppi keine großen Chancen hat, jemals aus dem Tierheim zu kommen. Deswegen wollte ich sie nehmen. Ich weiß schließlich aus meiner Erfahrung heraus, worauf ich mich einlasse“, sagt die Hundebesitzerin. Das habe sie auch Monika Hachmeister gesagt. Doch die habe pauschal abgewunken und gesagt, dass das Ehepaar Schemann Püppi nicht bekomme. „Sie hat es damit begründet, dass zwar der fünf Meter hohe Zaun ausreiche, das zwei Meter hohe Eingangstor jedoch nicht“, erinnert sich die Rintelnerin. Es sei zu gefährlich, da Püppi zum Töten abgerichtet worden sei und bereits Hunde totgebissen habe.

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Monika Schemann ärgere vor allem die pauschale Absage. „Frau Hachmeister hätte sich ruhig auch vor Ort umsehen können. Dann hätte sie bemerkt, dass bei uns die Rahmenbedingungen stimmen. Besser hätte es Püppi nicht haben können“, ist sich die 52-Jährige sicher. Mittlerweile kommen bei Schemann Hunde in Pflege, die sie auch vermittelt – alles sogenannte Kampfhunde. Doch Püppi geht ihr nicht aus dem Kopf. „Es bricht mir das Herz zu sehen, dass sie immer noch im Tierheim sitzt und dort wohl auch nie wieder rauskommt.“ Schemann habe vorher nie etwas Schlechtes über das Bückeburger Tierheim gehört. Das Zusammentreffen mit Hachmeister hätte sie jedoch sehr verärgert. Schemann: „Ich kenne sie persönlich nicht, aber bei dem Treffen fand ich sie sehr arrogant.“

Die Tierheimleiterin kann sich dunkel an die Interessenten von Püppi erinnern: „Der Hund ist sehr gefährlich. Wir wollen die Verantwortung nicht übernehmen, wenn dann doch etwas passiert“, sagt sie auf Anfrage. Dass sie und ihr Team unfreundlich auftreten sollen, lässt sie nicht unkommentiert stehen. „Wir bekommen bergeweise Briefe von Menschen, denen wir ein Tier vermittelt haben. Die sind alle begeistert. Wenn wir hier so schlechte Arbeit machen würden, bekämen wir nicht so viel positives Feedback“, betont sie und zeigt auf einen Wäschekorb voll mit Ordnern. „Dort ist unsere Fanpost. Und in unserem Gästebuch bedanken sich unsere Kunden immer wieder, für die kompetente Beratung. Ich kann die Anschuldigungen, die auch im Internet veröffentlicht werden, nicht nachvollziehen.“

Sie wolle sich auch nicht rechtfertigen, denn das würde ein schlechtes Gewissen voraussetzen. „Das brauchen wir nicht haben, deswegen nehme ich nur Stellung und rechtfertige mich nicht.“ Hachmeister könne durchaus nachvollziehen, dass Menschen unzufrieden seien, wenn sie ein Tier nicht vermittelt bekämen. „Wir werden jedoch niemals eine Freigängerkatze an jemanden, der an einer viel befahrenen Straße wohnt, vermitteln oder aber einen jungen starken Hund an jemanden, der das körperlich nicht schaffen kann“, betont sie. Ihre Kollegin Barbara Witt nickt zustimmend mit dem Kopf. „Immerhin sind wir ein Tierschutzverein. An erster Stelle steht das Tier. Und wenn es nicht passt, handeln wir im Sinne des Tieres und behalten es.“ Ziel sei nun mal eine einmalige Vermittlung. „Wir wollen nicht, dass der Hund oder die Katze zwei Wochen später wieder bei uns landet, weil die neuen Besitzer nicht zurechtkommen. Das schadet dem Tier unheimlich“, betont Witt.

Auch Andrea Gracie, Rechtsanwältin aus Stadthagen, habe schlechte Erfahrungen mit der Tierheimleitung gemacht, jedoch nicht mit Hachmeister sondern ihrer Stellvertreterin. Sie habe sich vor längerer Zeit nach einem Hund erkundigen wollen, der im Tierheim abgegeben worden war. „Ich habe erfahren, dass dort ein Hund in Not ist, und wollte mich erkundigen“, erinnert sich Gracie. Zunächst sei sie in eine Art Verhör genommen worden. Warum sie wissen wolle, was mit dem Hund ist, sei sie gefragt worden. Im Laufe des „unfreundlichen Gespräches“ sei sie außerdem der Lüge bezichtigt worden. Hachmeister hätte die Situation aufklären können. „Gegen sie kann ich nichts Negatives sagen, im Gegenteil zu ihrer Stellvertreterin“, sagt die Rechtsanwältin. Sie nennt außerdem die Vergabekriterien des Tierschutzvereins „absurd“. Die Rintelnerin habe im Anschluss vorgezogen, ihren Hund aus einem anderen Tierheim zu holen, nachdem sie auch im Bekanntenkreis Negatives gehört habe. Gracie: „Wenn ich Leuten derart vor den Kopf stoße, muss ich mich nicht wundern, dass die nicht wiederkommen und nichts mehr spenden.“

Hachmeister wisse, dass sie und ihr Team nicht immer alle Erwartungen ihrer Kunden erfüllen. „Das ist aber auch kaum möglich, weil die Menschen mit so derart hohen Erwartungen zu uns kommen.“ Sie und ihre Mitarbeiter seien nicht unfreundlich, „obwohl das bei dem, was wir hier erleben, wahrlich schwerfällt“. Hachmeister spricht von körperlichen und verbalen Angriffen, denen sie und ihre Kollegen sich ausgesetzt sehen. Barbara Witt zum Beispiel sei schon einmal von jemandem geschlagen worden, nachdem sie einen Hund nicht herausgegeben hätten. „Wir bekommen bei unserer Arbeit so viel Erschreckendes und Böses mit, dass es schwer fällt, sofort auf freundlich umzuschalten, wenn man kurz vorher zusammengeschnauzt wurde“, sagt die Tierheimleiterin. Sie wünscht sich, dass ihre Kritiker mal eine Woche den Tierheimalltag mitmachen, damit sie einen Einblick in die harte Arbeit und die vielen Diskussionen mit Interessenten bekämen. „Auch wir sind nur Menschen. Auch wir haben schlechte Tage“, sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins, die mehr als 17 Jahre ehrenamtlich im Tierheim tätig ist. Wenn es Ungereimtheiten gäbe, könnten die Kunden auch immer auf sie zukommen. „Vielleicht kann man das Missverständnis in einem Gespräch auch einfach klären. Wir versuchen den Kunden auch immer Alternativen aufzuzeigen, wenn wir ein Tier aus welchen Gründen auch immer für ungeeignet für sie halten.“ Von den Kunden, die zufrieden sind, hoffe Hachmeister, dass auch die mehr an die Öffentlichkeit herantreten. Denn: „Es gibt viele Menschen, mit denen wir auch nach einer Vermittlung in ständigem Kontakt stehen, denen wir Weihnachtskarten zum Fest schicken und die mit allen Problemen zu uns kommen können.

Der Mitglieder des Tierschutzvereins treffen sich am Montag, 15. April, um 19.30 Uhr im "kleinen" Festsaal im Rathaus Bückeburg zu ihrer Hauptversammlung.

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Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Tierheim in Bückeburg gemacht. Teilen Sie uns Ihre Meinung mit. Die Redaktion erreichen Sie per E-Mail an sn@madsack.de und per Brief an Schaumburger Nachrichten, Am Markt 12-14, 31655 Stadthagen sowie via Facebook.

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